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Tillmann Braun

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freier Redakteur

IoT im Gesundheitswesen

Vernetzung: Was Krankenhäuser von Autos und Aufzügen lernen können

| Autor/ Redakteur: Tillmann Braun / Redaktion IoT

Während die Vernetzung in der Industrie schon längst Teil des Alltags ist, sucht man sie in Krankenhäusern und Arztpraxen noch vergeblich. Doch es ist höchste Zeit, dass das Gesundheitswesen von anderen Branchen lernt.

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Das Gesundheitswesen kann in Sachen Vernetzung von Aufzügen lernen.
Das Gesundheitswesen kann in Sachen Vernetzung von Aufzügen lernen.
( Siwaltec )

Wenn es um moderne Medizin geht, zählen deutsche Ärzte zu den besten der Welt. Bei den Systemen und Geräten, auf die sie mitunter angewiesen sind, ergibt sich jedoch teils ein anderes Bild. Das Problem wird schon bei vergleichsweise simplen Abläufen wie der Terminvergabe schnell sichtbar. Häufig müssen Patienten viel Zeit aufwenden, um ihre Arztbesuche zu buchen und zu koordinieren. Da je nach Beschwerde und Krankheit nicht selten gleich mehrere Fachärzte und Kliniken besucht werden müssen, herrscht schnell Chaos und Verwirrung, was wiederum zu unnötigen Verzögerungen führen kann. Dabei wäre eine digitale und somit effizientere Terminvergabe, die mitunter sogar verschiedene Kliniken und Praxen umfasst, leicht realisierbar. In anderen Ländern sind entsprechende Systeme längst üblich und werden von den Patienten gut angenommen. In Deutschland sind solche Angebote weiterhin eher die Ausnahme. 

Und auch bei den medizinischen Gerätschaften könnte die technische Entwicklung längst deutlich weiter sein, als es vielerorts der Fall ist. Industrieanlagen, Fahrzeugflotten und selbst Aufzüge sind schon seit längerer Zeit dazu imstande, wichtige Informationen automatisch auszutauschen. Moderne Autos weisen den Fahrer auf Probleme hin, bevor diese womöglich unschöne Konsequenzen haben, und kommunizieren teils sogar selbständig mit der Werkstatt des Vertrauens. Speditionen und Autovermietungen haben ihre Fahrzeuge längst vernetzt und können einfach sehen, wo sich welcher LKW oder PKW gerade befindet. Und Aufzüge signalisieren anstehende Wartungsarbeiten lange bevor es zu einem Stillstand kommt. Umso erstaunlicher ist es, dass medizinische Geräte  und Einrichtungen weiterhin ohne Vorwarnung ausfallen können und somit nicht einsetzbar sind, wenn sie benötigt werden. Für Ärzte und Patienten kann das schwerwiegende Folgen haben.

IoT und M2M: Automobilhersteller machen es vor

Laut Vodafone nutzen bereits über 30 Automobilhersteller die IoT- und M2M-Produkte des Mobilfunkunternehmens. Andere Hersteller nutzen andere Partner, doch es dürfte kaum noch einen Autobauer geben, der nicht bereits auf entsprechende Vernetzung setzt. Viele Speditionen und Logistikunternehmen profitieren bereits von einer digitalen Flottensteuerung. Dabei werden laufend Daten wie Position, Route, Geschwindigkeit und Fahrzeugstatus mit Hilfe von Sensoren erfasst und über das Mobilfunknetz an die Zentrale gesendet. Dank der schnellen Übertragung und Auswertung der Daten kann umgehend auf kurzfristige Erfordernisse reagiert werden. Die Spedition hat so stets einen guten Überblick darüber, welche Fahrzeuge wo im Einsatz sind und kann im Bedarfsfall Einsatzpläne anpassen und diese auch gleich kommunizieren. Zu den weiteren Vorteilen gehören u.a. digitale Fahrtenbücher sowie die direkte Übermittlung von Dokumenten wie etwa Frachtbriefe. Im Fall eines Diebstahls kann das entwendete Fahrzeug ebenfalls schnell geortet werden.

Aufzüge sind mitunter besser vernetzt als Krankenhäuser und Kliniken

Selbst in der Aufzugsbranche ist man mitunter deutlich weiter als im Gesundheitswesen. Bevor es zu einem Ausfall kommt, melden sich moderne Aufzüge selbständig und fordern den Austausch von Verschleißteilen. Zu den weltweiten Marktführern beim intelligenten Aufzugsnotruf und -management gehört mit der TGE Gruppe sogar ein deutsches Unternehmen. Über die drei Firmen Siwaltec, Telegärtner Elektronik und TG Services bietet die Unternehmensgruppe nicht nur Notrufkomponenten bis hin zum SIM-Karten-Management an, sondern sogar einen eigenen Leitstand, bei dem die Notrufe aus den Aufzügen eingehen, sodass je nach Bedarf direkt entsprechende Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden können. Die Parallelen zum Gesundheitswesen und der Alterspflege liegen auf der Hand.

Doch obwohl sich die Lösungen von Vodafone, Volkswagen, TGE Gruppe & Co. sich in anderen Branchen und Bereichen bereits bewährt haben und diese teils ohne viel Aufwand auch im Gesundheitswesen einsetzbar wären, sucht man derartige Lösungen dort zumeist vergeblich. Dabei würden medizinische Gerätschaften mit der richtigen Vernetzung besser gewartet und somit seltener ausfallen, als es heutzutage der Fall ist. Der Diebstahl von Geräten, die im medizinischen Bereich oftmals sehr teuer sind, könnte wie bei einer Speditionsflotte ebenfalls leicht verhindert oder zumindest schneller aufgeklärt werden. Und über effizientes und transparentes SIM-Kartenmanagement könnten die Kosten im Auge behalten und besser kontrolliert werden. Selbst Leitstände für Notrufe, die für Aufzüge entwickelt wurden, ließen sich an vielen Stellen im Gesundheitswesen einsetzen. Dennoch sieht die Realität in deutschen Krankenhäusern, Kliniken und Arztpraxen zumeist anders aus. Ein Blick über den Tellerrand zur Industrie könnte hier sicherlich sehr hilfreich und heilsam sein. Dann könnte die medizinische Infrastruktur in Deutschland schon bald so gut sein wie es die hiesigen Ärzte bereits sind. 

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