Künstliche Intelligenz

Vergleich: KI-Strategien weltweit

| Redakteur: Jürgen Schreier

Beim Digitalverband Bitkom ist man überzeugt: Künstliche Intelligenz bedeutet für die Weltwirtschaft eine neue Stunde null, denn KI sei vergleichbar mit der Erfindung von Rad, Buchdruck oder Dampfmaschine.
Beim Digitalverband Bitkom ist man überzeugt: Künstliche Intelligenz bedeutet für die Weltwirtschaft eine neue Stunde null, denn KI sei vergleichbar mit der Erfindung von Rad, Buchdruck oder Dampfmaschine. (Bild: Pixabay / CC0)

Deutschland soll zu einem Top-Standort für Künstliche Intelligenz werden. Dafür will die Politik erhebliche Summen in die Hand nehmen. Eine Studie der Konrad Adenauer Stiftung hat die KI-Strategien weiterer wichtiger Industrieländer untersucht, darunter die USA und China.

Künstliche Intelligenz: Aus dem Hype um maschinelles Lernen, neuronale Netzwerke und Deep Learning wird langsam Ernst. So veröffentlichte die Bundesregierung im Juli 2018 ein Eckpunktepapier für die deutsche Strategie zur Künstlichen Intelligenz (KI) und erkennt darin an: „Künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren eine neue Reifephase erreicht und entwickelt sich zum Treiber der Digitalisierung und Autonomer Systeme in allen Lebensbereichen“. Deshalb seien Staat, Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, und Wissenschaft dazu angehalten sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, und sich deren Chancen und Risiken zu stellen. Eine aktuelle Studie der Konrad Adenauer Stiftung vergleicht die KI-Strategien relevanter Industrieländer.

Den Ankündigungen sollen nun offenbar Taten folgen. Bis 2025 will der Bund Presseberichten zufolge etwa drei Milliarden Euro für die Umsetzung der Strategie zur Verfügung stellen, um Deutschland als weltweit führenden KI-Standort zu etablieren. Das hat das Kabinett am 14. November 2018 auf seiner zweitägigen Digitalklausur beschlossen. Dabei hofft man in Berlin, dass die "Hebelwirkung" dieses Engagements auf Wirtschaft, Wissenschaft und Länder mindestens zur Verdoppelung dieser Summe führen wird.

Eine umfassende deutsche KI-Strategie wird bis Ende November ausgearbeitet und deren Ergebnisse auf dem BMWi Digitalgipfel Anfang Dezember 2018 in Nürnberg präsentiert. Ziel sei es, das Thema Künstliche Intelligenz prominent in die Digitalpolitik der Bundesregierung einzubetten.

Mehr Datenwissenschaftler braucht das Land

Die neue Strategie der Bundesregierung legt darüber hinaus ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Mit 100 neuen Professuren soll unter anderem die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorangetrieben werden. „Wir benötigen eine völlig neue Generation von Datenwissenschaftlern mit Expertise sowohl in der Informationsverarbeitung als auch in einem konkreten Forschungsfeld“, ist Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, überzeugt. „Alle Wissenschaftler werden in Zukunft nicht nur Kenntnisse auf ihrem jeweiligen Fachgebiet, sondern auch in der Analyse großer Datenmengen und in der Anwendung neuer Methoden haben müssen.“

Motiviert sind diese KI-Strategien teils durch spektakuläre Fortschritte in Forschung und Anwendung von Systemen der Künstliche Intelligenz, die auf maschinellem Lernen (Machine Learning) und Deep Learning sowie weiteren Spielarten künstlicher neuronaler Netzwerke basieren. Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie, der von Seiten der Politik und der Wirtschaft enorme Umsatz- und Wachstumspotenziale zugeschrieben werden, die aber auch als Grundlage "dystopischer Zukunftsentwürfe" sowie Instrument gesellschaftlicher Kontrolle und autokratischer Weltmachtphantasien vermehrt Eingang in die öffentliche Debatte findet.

Eine neue Stunde null für die Weltwirtschaft

„Künstliche Intelligenz bedeutet für die Weltwirtschaft eine neue Stunde null. KI ist vergleichbar mit der Erfindung von Rad, Buchdruck oder Dampfmaschine. Es ist ungewöhnlich, dass eine Bundesregierung eine nationale Strategie für eine Technologie verfasst. Der Schritt unterstreicht, dass die Politik die Bedeutung dieser Zukunftstechnologie erkannt hat. Wir begrüßen das klare Bekenntnis der Bundesregierung, jetzt das Tempo erhöhen zu wollen. Dieses Ziel muss aber noch stärker mit konkreten Maßnahmen und den notwendigen Mitteln verfolgt werden", so Bitkom-Präsident Achim Berg.

Die von der Konrad Adenauer Stiftung vorgelegte Studie "Vergleich nationaler Strategien zur Förderung von Künstlicher Intelligenz" analysiert die nationalen KI-Strategien der USA, Chinas, Großbritanniens, Frankreichs, Finnlands und Südkoreas. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die USA und mit Abstrichen China im Feld der Künstlichen Intelligenz aktuell führend sind. Für Deutschland und Europa werde es darauf ankommen, die eigenen strategischen Stärken – etwa im Bereich der Grundlagenforschung, wie auch der Ethik- und Humanorientierung – auszuschöpfen und einer Künstlichen Intelligenz „Made in Germany/Europe" zum Durchbruch zu verhelfen, resümieren die Autoren der Studie.

Nachfolgend - kurz zusammengefasst - die Strategien der untersuchten Länder:

USA: Verteidigung der globalen KI-Führungsposition

  • Weltweit führend in KI aufgrund etablierter Kooperationsstrukturen zwischen Regierung, Privatsektor und Hochschulen: Der Staat legt den Förderschwerpunkt auf Grundlagenforschung und die Privatwirtschaft auf die Anwendungsforschung.
  • Öffentliche Förderprogramme fokussieren ihre Anstrengungen auf die kontextuelle Anpassungsfähigkeit von KI (die sogenannte „Dritte Welle“).
  • Der Gesichtspunkt Ethik hat unter der Administration Trump keine große Bedeutung.

China: Aufholen und Überholen mit massivem Kapitaleinsatz

  • Die Strategie ist das einzige der verglichenen Dokumente, das messbare volkswirtschaftliche Ziele und Benchmarks enthält.
  • Bestrebungen, KI Förderung zu zentralisieren und den Einsatz von KI zu kontrollieren
  • Förderung der KI-Grundlagenforschung durch neue Institute und Lehrstellen sowie durch die Anwerbung von Forschern mit Hilfe des Thousand Talents-Programms
  • Ausbildung in sogenannten „KI+“-Berufen mit Schnittstellen zu KI Aufbau thematischer Innovationsplattformen in Kooperation mit Technologiefirmen

Großbritannien: Top-KI-Wissenschaft, Herausforderungen für die Kommerzialisierung

  • Förderung von KI auf Basis einer Vereinbarung zwischen Privatsektor und Regierung
  • Hauptaugenmerk liegt auf dem Alan Turing Institut zur Förderung von Forschung sowie Instrumenten zur Kommerzialisierung geistigen Eigentums von Universitäten.
  • Fokus zudem auf Ethik und KI durch ein dafür gegründetes Zentrum und eine geplante internationale Konferenz zur Entwicklung von KI-Governance-Standards
  • Indizien weisen in Folge des Brexit auf engere Kooperation mit den USA hin.

Frankreich: Führungsanspruch auf dem Mittelweg

  • Netzwerk aus interdisziplinären KI-Instituten (R3IA), Fokus auch auf Nischenthemen
  • Forscher können die Hälfte ihrer Zeit kommerziell tätig sein.
  • „Innovations-Spielwiesen“ und Start-up-Förderung
  • Verwaltung: Beratung und Lernen von KI-Startups der „Station F“
  • Netzwerk aus freiwilligen Experten für Beratung und Sicherheit („KI-Reserve”)

Finnland: Auf dem Weg zum Top-Anwenderland

  • Starke Kooperation zwischen Wirtschaft, Forschung und Verwaltung
  • Fokus auf Anpassung, Anwendung und Kommerzialisierung, etwa im Gesundheitssektor
  • Hauptsponsor Business Finland vergibt u. a. „Innovations-Voucher“ für Firmen
  • Protokoll für internationalen Datenaustausch („IHAN”)

Südkorea: Hidden Champion der „vierten industriellen Revolution“

  • Ausbildung von 1400 KI-Talenten
  • Ausweitung von KI-Grundlagenforschung mit Fokus auf Hirnforschung
  • Techologieparks („Innopolis”) für enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft
  • „Elektronische Personen“ und Übergangslizenzen in Testzonen

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