Expertenbeitrag

 Nils Herzberg

Nils Herzberg

Senior Vice President und Global Head for Strategic Partnerships for Digital Supply Chain & Industrie 4.0 , SAP SE

Globale Partnerschaften Unified Business Networks in der Praxis

Autor / Redakteur: Nils Herzberg / Sebastian Human

Vertraulichkeit, Transparenz, Flexibilität: Wie Geschäftsnetzwerke Wertschöpfungsketten gegen äußere Einflüsse schützen und die Zusammenarbeit effizienter machen.

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Der Grundgedanke eines Ökosystems – die Symbiose – ist auch auf entsprechende Geschäftsnetzwerke übertragbar.
Der Grundgedanke eines Ökosystems – die Symbiose – ist auch auf entsprechende Geschäftsnetzwerke übertragbar.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Machine Learningist in der deutschen Wirtschaft angekommen. Wie eine Studie von IDG zeigt, beschäftigen sich beinahe zwei Drittel der befragten Unternehmen mit dieser Technologie. Die Daten dafür liefern immer öfter Maschinen selbst, das Internet of Things ist fester Bestandteil vieler Arbeitsabläufe.

Das automatisierte Auswerten von Tracking-Daten erlaubt es etwa, Lieferketten zu optimieren. Betriebe können so frühzeitig auf Lieferengpässe reagieren. Verbleiben diese Erkenntnisse jedoch in einem Unternehmen, bleibt auch ihr Nutzen limitiert. Die Coronakrise hat gezeigt, wie problematisch Punkt-zu-Punkt-Geschäftsbeziehungen gerade für deutsche Unternehmen sind. Kollaboration zwischen den Partnern in der weltweiten Wertschöpfungskette ist nötig, um dem entgegenzuwirken – und sie bietet auch Raum, um Wachstum voranzutreiben. Punkt-zu-Multipunkt-Beziehungen oder Unified Business Networks heißen die Strategien für eine gewinnbringende Zukunft. Doch gilt es dabei verschiedene Aspekte zu beachten.

Die Datenhoheit behalten

Zwei der wichtigsten Aspekte bei Unified Business Networks sind Vertraulichkeit und Datenhoheit: Denn Daten sind für Unternehmen wertvoll und schützenswert – und nicht alle sind geeignet, um sie Geschäftspartnern uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Es sind also Plattformen notwendig, die es Unternehmen erlauben, Informationen vertraulich zu teilen – zum Beispiel über den Industrial Data Space, eine von mehreren global etablierten Kollaborationsplattformen.

2014 hoben die deutsche Wirtschaft und Politik das Projekt aus der Taufe. Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) entwickelte einen virtuellen Datenraum, der einen gesicherten Datenaustausch sowie die Verknüpfung von Daten in geschäftlichen Ökosystemen ermöglicht. Die Eigentümer der Daten behalten ihre Souveränität, während der Weg frei ist für innovative Geschäftsprozesse.

Kompatibilität mithilfe von Standards sicherstellen

Die Möglichkeit, den Geschäftspartnern Daten kontrolliert zur Verfügung zu stellen, reicht allein jedoch nicht. Es müssen außerdem Plattformen zum Einsatz kommen, die ausreichende Interoperabilität bieten. Offene Standards und darauf basierende Ende-zu-Ende-Prozesse sind nötig, damit Unternehmen zum Beispiel Backend-Systeme wie Datenbanken und ERP-Lösungen miteinander vernetzen können. Auch die wachsende Bedeutung des IoT in der Wirtschaft muss Beachtung finden. Schließlich sind Maschinendaten oft heterogen und nicht ohne Weiteres zueinander kompatibel. Ein Lösungsansatz ist die OPC Unified Architecture (OPC UA): ein Standard, um Daten zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller auszutauschen. OPC UA liefert Plattform-Unabhängigkeit, indem sie unter anderem klassische PC-Hardware ebenso unterstützt wie Micro Controller basierend auf der ARM-Architektur.

Transparenz fördern, wettbewerbsfähig bleiben

Nicht zuletzt ist Transparenz bei Geschäftsnetzwerken elementar. Die beteiligten Betriebe sollen stets nachvollziehen können, wie es um Lieferungen und Verfügbarkeit von Waren bestellt ist. Offene Plattformen erlauben diesen Austausch: Sie bündeln Tracking- und Tracing-Daten, vereinheitlichen betriebswirtschaftliche Prozesse wie Bestellungen und Zahlungsverkehr. Auf zentralisierten Einkaufsplattformen können Unternehmen gemeinsam von besseren Konditionen für Rohstoffe profitieren, auf Bewertungsportalen teilen sie Feedback, etwa zur Zuverlässigkeit von Lieferanten. Am Ende profitiert das Netzwerk von den gegenseitigen Erfahrungen und kann Abläufe verbessern.

Produzenten, Logistikfirmen, Händler: Fast jedes Unternehmen, das Teil einer internationalen Wertschöpfungskette ist, kann branchenübergreifend von Unified Business Networks profitieren. Um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen deutsche Unternehmen die Möglichkeiten der Industrie 4.0 ausreizen – und globale Netzwerke sind dazu ein ideales Mittel.

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