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Interview Danya Golan & Markus Löhr, 3d Signals "Unabhängig von Hersteller, Alter oder Steuerung, können wir jede Maschine in unter einer Stunde mit Sensoren vernetzen"

| Redakteur: Sebastian Human

Noch immer tun sich viele KMUs schwer damit, Maschinendaten und somit auch deren Produktivität zu visualisieren. Ein Interview zu Hintergründen, Gegenmaßnahmen und Innovationsgeist made in Israel.

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Danya Golan ist VP Marketing bei 3d Signals und arbeitet seit über 10 Jahren im Bereich B2B Global Marketing, Produkt Strategie und Business Development. Markus Löhr ist Geschäftsführer Deutschland bei 3d Signals mit über 15 Jahren Berufserfahrung in der Fertigungsindustrie.
Danya Golan ist VP Marketing bei 3d Signals und arbeitet seit über 10 Jahren im Bereich B2B Global Marketing, Produkt Strategie und Business Development. Markus Löhr ist Geschäftsführer Deutschland bei 3d Signals mit über 15 Jahren Berufserfahrung in der Fertigungsindustrie.
(Bild: 3d Signals)

Die noch relativ junge Firma 3d Signals will Unternehmen mit einer nicht-invasiven Lösung helfen, Transparenz in den Produktionsalltag zu bringen und setzt – ganz im Start-up-Geist – auf Plug & Play und unternehmensübergreifenden Austausch. Wir haben uns mit Danya Golan, VP Marketing, und Markus Löhr, Geschäftsführer Deutschland, von 3d Signals über die „Startup Nation“, das Nachrüsten von Anlagen out of the box und offen Allianzen unterhalten.

Herr Löhr, 3d Signals wurde 2015 in Israel gegründet. Der Kernmarkt ist die DACH-Region. War das von Anfang an so geplant, oder ist das eher eine zufällige Entwicklung?

Als 3d Signals vor fünf Jahren gegründet wurde, befasste man sich zunächst mit einem sehr komplexen Thema, und zwar Predictive Maintenance. Der Markt war aber noch gar nicht bereit dafür, beziehungsweise gab es ganz andere Probleme in den Fabriken. Die meisten Unternehmen erfassen nämlich keinerlei Daten über Ihre Maschinen, aber diese bilden die Grundlage für Digitalisierung und Industrie 4.0. Anfang 2018 besuchte unser CEO Ariel Rosenfeld dann die Samson AG in Frankfurt und sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr Andreas Widl über dessen Ansichten zur Fabrik der Zukunft und über die Herausforderungen die Samson damals hatte. Die Gespräche führten letztendlich dazu, dass wir das Produkt verändert und der starken Nachfrage am Markt angepasst haben: Echtzeit Performance-Monitoring. Außerdem bietet Deutschland als eines der wichtigsten Industrieländer der Welt und den vielen Mittelständlern die perfekte Ausgangslage für unsere Lösung. Dazu kommen noch unsere begeisterten Kunden und deshalb konzentrieren wir uns aktuell ausschließlich auf die DACH Region.

Frau Golan, die Tech-Startup-Szene in Israel boomt gerade. Man spricht auch vom „Silicon Valley des Nahen Ostens“. Wie kommt es, dass hier gerade so viele innovative Ideen, speziell im Umfeld des IoT und Industrie 4.0, entstehen?

Israel hat eine sehr interessante Geschichte, nicht nur kulturell, sondern vor allem auch ökonomisch. Es gibt viele Gründe, die dazu beitragen, dass uns ‚Startup Nation‘ oder ‚Silicon Valley des Nahen Ostens‘ nachgesagt wird. Das hat zu einem mit der israelischen Kultur zu tun, denn Israelis sind generell risikofreudig. Des Weiteren hat das aber auch mit der Vergangenheit und den geographischen Umständen zu tun. Israel hat nur sehr wenig natürliche Ressourcen, deshalb ist die Wirtschaft von der Kreativität und vom Vordenken der Menschen abhängig. In Israel gehört es zum Alltag, einfach mal was auszuprobieren und outside the Box zu denken und wenn es nicht funktioniert oder falsch gemacht wurde, dann macht keiner eine große Welle. Das ist natürlich sehr hilfreich, wenn man Entrepreneur sein will.
Dann kommt noch die Armee mit ins Spiel, die sicherlich der größte Inkubator der gesamten Tech Szene ist. Wenn die jungen Leute mit Anfang 20 aus der Armee austreten, habe Sie bereits ein starkes Skillset und ein tiefes Verständnis für sehr komplexe Technologien, die auch die Grundlage für IoT-Produkte, Industrie-Lösungen, Algorithmen und vielem mehr darstellen. In Israel hat man sich zum Beispiel schon Anfang der 90er Jahre mit Cyber Security beschäftigt und ehemalige Mitarbeiter der berühmten Tech Elite, 8200, sind heute Verantwortliche in den erfolgreichsten IT-Unternehmen.
Außerdem hatte die israelische Regierung bereits in den 80er Jahren mit der Förderung angefangen und somit internationale Investoren angelockt. Das Ganze hat dazu geführt, dass Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder SAP, um nur einige zu nennen, in Israel internationale R&D Zentren eröffnet haben. Diese R&D Zentren sind offen für Startups wie uns und dadurch erhalten wir Zugang zu Know-how, Investments oder sogar potentiellen Kunden.

Ich möchte noch kurz die zahlreichen Erfolgsgeschichten ansprechen. 2019 war das Rekordjahr hinsichtlich Exits und M&As mit einer totalen Summe von fast einer Milliarde US Dollar. Warum Industrie 4.0? Wenn Sie die bereits genannten Faktoren zu Grunde legen, dann ist der lokale Markt einfach viel zu klein für uns. Israel ist ungefähr so groß wie Hessen. Deshalb heißt es für uns ‚Think Big‘ und somit stürzen wir uns direkt auf große Industrien und Märkte, wie zum Beispiel Deutschland oder die USA.

Unter anderem vermutlich mit Ihrer Plug&Play-Lösung zur Digitalisierung von Maschinen und Anlagen. Was soll sie konkret leisten? Können Sie hier etwas ins Detail gehen?

Markus Löhr: Wir helfen Industrieunternehmen dabei, den ersten Schritt in Richtung Digitalisierung zu gehen. Dieser erste Schritt ist allgemein immer der schwerste und in der Regel sprechen wir bei mittelständischen Industrieunternehmen von teils völliger Intransparenz was die Produktivität von Maschinen und Anlagen betrifft. Wir tragen mit unserer Plug & Play-Lösung maßgeblich zur Digitalen Transformation bei, ohne dabei signifikante Veränderungen im Betriebsalltag oder in der IT-Infrastruktur einer Fabrik vornehmen zu müssen. Unabhängig von Hersteller, Alter oder Steuerung, können wir jede Maschine in unter einer Stunde mit Sensoren vernetzen. Die Messungen übertragen wir dann an unser IoT-Gerät, welches die Signale in Daten umwandelt und in die Cloud schickt. Dort können die Nutzer vor allem drei Werte analysieren: On, Idle und Off - je nachdem ob die Maschine gerade produziert, im Leerlauf steht oder ausgeschaltet ist. Weitere Features sind Echtzeit-Benachrichtigungen, Live-Ansichten und unterschiedlichste Alarme und Auswertungen

Wir sprechen also von einem Edge-Gerät als Hardware- und einer cloud basierten Monitoring Plattform als Software-Komponente. Aber wo kommen die angesprochenen benötigten Sensoren für die Anlagen her? Muss der Kunde diese zusätzlich erwerben?

Markus Löhr: Unser Produkt besteht aus zwei Hauptkomponenten, der dEdge Hardware und der dView Software, genau. 3d Signals oberste Priorität ist es, dem Kunden schnell helfen zu können. Deshalb stellen wir ihm ein Out of the Box Produkt zur Verfügung, das heißt die dEdge Hardware wird von Werk aus mit einer breiten Palette nicht-invasiver Sensoren für Stromstärke, Vibration oder Akustik mitgeliefert, die nach Anschluss dann den Maschinenstatus in Echtzeit aufzeichnen. Wir liefern die Hardware direkt zum Kunden, wo unsere Techniker dann die Installation vornehmen. Unsere Cloud-basierte Software ist eigentlich fast selbsterklärend und kann vor allem von jedem Endgerät aus bedient werden. Unsere Kunden profitieren auch von regelmäßigen Schulungen, automatischen Software Updates und alle 14-Tage sogar von neuen Features.

Wie kompatibel ist das gesamte System mit älteren Anlagen?

Unser System wurde besonders für ältere Anlagen, sogenannte Brownfield-Anlagen konzipiert. Sie können sich vorstellen, wie viele Betriebe immer noch mit sehr alten Maschinen arbeiten. Aber solange diese Teile produzieren und ihren Zweck erfüllen, besteht keine Notwendigkeit für eine Neuanschaffung. Nur die Technik in den Steuerungen der älteren Anlagen liefern keinerlei wertvolle Daten und da kommen wir ins Spiel und rüsten nach. Ein wesentlicher Vorteil unserer Lösung ist ein einheitliches Dashboard für die gesamte Fabrik und somit auch eine einheitliche Übersicht. Unsere Kunden schätzen vor allem, dass sämtliche Maschinen abgebildet werden - Neue und Alte, unabhängig von Typ oder Hersteller und somit kann zwischen den unterschiedlichen Anlagen verglichen werden. Das bringt neue Erkenntnisse und Transparenz in den Produktionsablauf.

Apropos ‚unabhängig‘: Sie sind mit Ihrem Unternehmen Ende letzten Jahres der Open Industry 4.0 Alliance beigetreten. Was versprechen Sie sich von diesem Schritt?

Durch den Beitritt zur Open Industry 4.0 Alliance möchten wir gemeinsam mit anderen Anbietern, Kunden dabei helfen, das Internet der Dinge für sich zu entdecken und so gut vorbereitet für die Zukunft zu sein. Vor allem wollen wir sie aber dabei unterstützen, die Effektivität zu verbessern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ich denke, dass wir alle gemeinsam zusammenarbeiten müssen, um Erfahrungswerte austauschen. Denn unsere Kunden verstehen oft gar nicht so richtig, was alles auf sie zukommt und daher kann die Open Industry 4.0 Alliance als verlängertes Sprachrohr des Kunden dienen und proaktiv zur Weiterentwicklung der Wirtschaft beitragen. Außerdem definieren wir gemeinsam einen Standard für die Digitale Transformation und stellen Kunden Best Practices für den Erfolg zusammen.

Danke für das interessante Gespräch.

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