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Disruption

Überleben 4.0

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Volker Franke, Harting: „Im Bereich Service und Betrieb könnten neue Teilnehmer auftauchen, die es besser verstehen, aus Betriebsdaten Informationen zu gewinnen.“
Volker Franke, Harting: „Im Bereich Service und Betrieb könnten neue Teilnehmer auftauchen, die es besser verstehen, aus Betriebsdaten Informationen zu gewinnen.“
( Bild: Copyright:Fotostudio Pescht )

Die Konkurrenz entsteht woanders

Das Verbundprojekt Digit-DL formuliert die Stellung, die ein Besitzer von Daten künftig einnehmen wird, deutlich: „Wer die Daten und die darauf aufbauenden Services beherrschen wird, wird künftig auch die industriellen Wertschöpfungssysteme dominieren.“ Diese Gefahr ist reell, sie ist greifbar. Denn Daten sammeln, analysieren und auswerten, ist nicht an die Branche gebunden oder an ein traditionsbeflissenes Unternehmen – und das Know-how dazu entstammt nicht der Fertigungsindustrie. Das sieht auch Franke, selbst wenn er seine Bedenken eher vorsichtig äußert: „Im Bereich Service und Betrieb könnten neue Teilnehmer auftauchen, die es besser verstehen, aus Betriebsdaten Informationen zu gewinnen und Einfluss auf Verfügbarkeit und Leistung von Anlagen zu nehmen.“

Mit Blickrichtung auf dieses Problem erklärt er jedoch im selben Atemzug: „Für ein sehr spezialisiertes Geschäft wie den Sondermaschinenbau ist die Gefahr eher gering, von einem Newcomer mit einer neuen Geschäftsidee vom Markt verdrängt zu werden.“ Leichtsinn? Wohl eher nicht, denn Harting ist bereits an der Entwicklung von konkreten Konzepten, um sich die digitalen Möglichkeiten nutzbar zu machen und im Wettbewerbskampf zu bestehen, so Franke. Vorsicht ist dennoch geboten. Michael Mücke, Managing Partner des Beratungsunternehmens Mücke, Sturm & Company, hat auf einer Veranstaltung im Mai vergangenen Jahres darauf aufmerksam gemacht, dass „die disruptiven Wettbewerber oft jene sind, die gar nicht aus der Branche kommen”.

Dominik Kaiser, Harmonic Drive: „Ich bin überzeugt davon, dass wir mit unseren Produkten weiterhin einzigartig auf dem Markt bleiben.”
Dominik Kaiser, Harmonic Drive: „Ich bin überzeugt davon, dass wir mit unseren Produkten weiterhin einzigartig auf dem Markt bleiben.”
( Bild: Harmonic Drive )

Der Angriff aus den eigenen Reihen

Gar keine Angst vor bekanntem und unbekanntem Wettbewerb scheint der Getriebehersteller Harmonic Drive zu haben. Allerdings baut auch er sein Geschäft entsprechend aus: Schnittstellen zur vorausschauenden Wartung sollen für den Endanwender an den Produkten integriert sein, außerdem „werden Daten erhoben und dienen dem Zweck, zu jeder Zeit auf den aktuellen Gesundheitszustand unserer Produkte hinzuweisen“, erklärt Dominik Kaiser, Senior Expert Geschäftsfeld­entwicklung bei Harmonic Drive.

Konkretere Gedanken hat sich der Sensoriker Fraba Posital gemacht. Er verkauft Drehgeber über Amazon. Ungewöhnlich, aber anscheinend erfolgreich. Selbstverständlich bietet man auch ein ausgeklügeltes eigenes Onlinesystem, das in wenigen Schritten zum passenden Sensor führen soll. Voraussetzung dafür ist jedoch das scheinbar Unmögliche. „Bestellt wird ab Losgröße 1“, freut sich Christian Leeser, Anteilseigner, „wobei die Lieferung nach drei Tagen erfolgt.“

Christian Leeser, Fraba Posital: „Über die Verlinkung von unserem digitalen Geschäftssystem mit globalen Webservices und Suchmaschinen wollen wir das Angebot für den Instandhaltungsmarkt revolutionieren.“
Christian Leeser, Fraba Posital: „Über die Verlinkung von unserem digitalen Geschäftssystem mit globalen Webservices und Suchmaschinen wollen wir das Angebot für den Instandhaltungsmarkt revolutionieren.“
( Bild: Fraba Posital )

Doch darauf ruht man sich nicht aus, denn schließlich ist die beste Strategie der Angriff: „Mit Hochdruck arbeiten wir an unserem Encoder-Match-Portal.“ Im Visier stehen nun nicht mehr OEMs, sondern Instandhalter. „Über die Verlinkung von unserem digitalen Geschäftssystem mit globalen Webservices und Suchmaschinen wollen wir das Angebot für diesen Markt revolutionieren“, so Leeser. Gewagte Worte. Umsetzen will Fraba sie, indem es selbst gebaute Drehgeber anbietet, die baugleich zu etablierten Encodern anderer Hersteller sind – Abnahme in Losgröße 1. Ein ähnliches Konzept verfolgt der Onlinehandel Autosen. Nur, dass das kleine Team die Sensoren nicht selbst baut.

REALITY CHECK 4.0 Scheitert die Digitalisierung im Mittelstand? Für alle, die sich mit Industrie 4.0 beschäftigen und in den typischen Konferenzen zum Thema keinen neuen Mehrwert sehen. Mehr unter: www.reality-check40.de

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Über den Autor

Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung, Werkstoffe und Materialfluss, Vogel Communications Group

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