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IDC-Studie Trotz Corona: Industrieunternehmen wollen IIoT-Investitionen erhöhen

Redakteur: Sebastian Human

Wie steht es um den Technologie-Einsatz rund um das Industrial Internet of Things? Einer aktuellen Studie zu Folge, bremst die aktuelle wirtschaftliche Situation zwar die generelle Investitionsbereitschaft, beim IIoT sind aber Ausnahmen zu beobachten.

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IDC befragte für Ihre Studie zum Einsatz des IIoT in Deutschland über 250 Unternehmen.
IDC befragte für Ihre Studie zum Einsatz des IIoT in Deutschland über 250 Unternehmen.
(Bild: IDC 2020)

Die Corona-Pandemie hat weitreichende Einflüsse auf das Geschäft vieler Industrieunternehmen. Das ist klar und die Folgen werden die Wirtschaftswelt noch längere Zeit prägen. Dementsprechend verhalten agieren Unternehmen momentan auch, wenn es um das Thema Investitionen geht. Doch beim Thema IIoT ist von Abschwung nicht viel zu spüren. Zwar geben laut einer aktuellen Studie von IDC viele Organisationen an, in ihren Plänen gebremst zu werden, ein Erliegen der Aktivitäten ist jedoch nicht zu verzeichnen. So betonen 40 Prozent der befragten Industrieunternehmen, ihre Investitionen in das IIoT erhöhen zu wollen.

Die Studie, die unter rund 250 industriellen und industrienahen Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten Ende September durchgeführt wurde, birgt drei zentrale Erkenntnisse:

  • Rund 39 Prozent der Unternehmen mit IoT-Plattformen im Einsatz bauen Business Ökosysteme mit Innovationspartnern auf.
  • Technologische Entwicklungen bei Edge Computing, 5G und KI fördern neue Anwendungsszenarien und IIoT-Adaption.
  • Der aktuellen Situation geschuldet steht Optimierung mehrheitlich im Vordergrund, neue Geschäftsmodelle haben bisher nur knapp ein Viertel der Befragten umgesetzt und bleiben damit hinter ihren eigenen Planungen aus dem vergangenen Jahr zurück.

Aufbau von Innovations-Ökosystemen hoch im Kurs

Bekanntermaßen liegt ein zentraler Benefit des Industrial Internet of Things in der weitläufigen Vernetzung verschiedener Datenquellen in Produktion und Peripherie, wie den ERP- oder CRM-Systemen. Von den befragten Unternehmen, die eine IoT-Plattform bereits im Einsatz haben, geben 58 Prozent an, diese für tiefere Einblicke oder neue Services und Produkte bereits umfangreich oder zumindest in Pilotprojekten mit anderen IT-Systemen interner Abteilungen vernetzt zu haben. Laut Marco Becker, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC, liegt großes Potenzial jedoch auch in der Vernetzung mit externen Partnern.

„Immer mehr Wertschöpfung wird digital und in Kooperationen mit anderen Unternehmen in Ökosystemen stattfinden – zunehmend auch zwischen komplett verschiedenen Branchen. Für die Schaffung neuer, gemeinsamer datenbasierter Geschäftsmodelle haben sich immerhin schon rund 39 Prozent der Nutzer von IoT-Plattformen umfassend oder in Pilotprojekten mit externen Innovationspartnern vernetzt.“, so Becker.

Edge Computing als Treiber neuer Anwendungen und Geschäftsmodelle

Wollen Unternehmen eine relevante Rolle in einem solchen Ökosystem spielen, kommen sie nicht umhin, relevante Daten generieren und mit den Partnern teilen zu können. Laut der aktuellen Erhebung soll Edge Computing hierbei besonderes Gewicht zukommen. Bereits 42 Prozent der befragten Firmen haben die Technologie schon im praktischen Einsatz – die Bandbreite reicht auch hier von Pilotprojekten bis hin zur etablierten Produktion. Geplant sind entsprechende Piloten außerdem bei 29 Prozent. Prominente Einsatzszenarien sind dabei das Tracking und Monitoring zur Optimierung des Asset-Einsatzes. Weiterhin kommt die Datenverarbeitung am Netzwerkrand in der Kommunikation unter Fahrzeugen im Bereich Automotive oder beim Einsatz von autonomen Robotern in der Prozessfertigung bei für Menschen gefährlichen Prozessschritten zum Einsatz.

Daten sollen zukünftig über 5G fließen

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll laut der Umfrage die Weiterentwicklung des IIoT und insbesondere von Edge Computing maßgeblich vorantreiben, doch aktuell setzt die Mehrheit der Befragten mit 43 Prozent noch auf kabelgebundenen Datentransfer. Doch das könnte sich in naher Zukunft ändern. Denn sowohl dezentrale und großflächige Anwendungen, die hohe Performanceanforderungen mit sich bringen, beispielsweise das autonome Fahren, als auch kleinflächige Anwendungen mit einer hohen Zahl an Geräten, wie sie in einer automatisierten Fabrik zu finden sind, profitieren von den höheren Datenraten beziehungsweise werden durch sie erst möglich. Aktuell rangiert der Einsatz bei den befragten Organisationen in entsprechenden (Pilot-)Projekten noch bei 13 Prozent, doch bereits 46 Prozent planen mit dem neuen Mobilfunkstandard. Auch das Thema private Campus-Netze gewinnt laut IDC zunehmend an Popularität.

AI und IoT verschmelzen zum AIoT

Methoden der Künstlichen Intelligenz, wie Machine Learning, sind gegenwärtig in aller Munde – und das manifestiert sich auch bereits im praktischen Einsatz: Lösungen aus dem KI-Bereich befinden sich gegenwärtig bei 49 Prozent der Befragten produktiv oder in Pilotprojekten im Einsatz. Hier ist ein interessantes Wechselspiel mit dem Internet of Things zu beobachten: KI profitiert von den großen Mengen erzeugter Daten, leitet aus ihnen Maßnahmen ab und präzisiert Vorhersagen. Auf diese Weise könnte das Internet of Things zum Artifical Internet of Things (AIoT) avancieren, das unternehmensweite Entscheidungen im zentralen Rechenzentrum um dezentrale Entscheidungen in den Endgeräten ergänzt. Speziell der Transfer von KI an den Edge birgt also Potenzial – zum Beispiel in Fahrzeugen oder auf dem Gebiet der Computer-Vision. Rund 11 Prozent der konsultierten Unternehmen planen, ihre Betriebsdaten vorzugsweise am Edge in entsprechenden Algorithmen zu verarbeiten.

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IoT-basierte Geschäftsmodelle auf Wachstumskurs

Obwohl in den Unternehmen, beispielsweise mit Predictive Maintenance, bereits zahlreiche erprobte Einsatzszenarien zu finden sind, zögern die meisten aktuell noch, wenn es darum geht, hieraus neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Erst rund 27 Prozent der Befragten haben darauf basierend einen Service für die eigenen Kunden umgesetzt oder sind dabei einen solchen umzusetzen. Nicht viel anders verhält es sich bei der Monetarisierung der eigenen Daten. Hier spricht IDC von 25 Prozent, die zum Beispiel anonymisierte Nutzungsdaten der eigenen Produkte in der Fertigung oder Umgebungsdaten wie Luftwerte zu Geld machen konnten oder können. Product-as-a-Service-Geschäftsmodelle erfreuen sich ebenfalls erst bei 22 Prozent der Studienteilnehmer aktiver Nutzung.
Allerdings denken bereits 37 Prozent der Firmen über entsprechende neue Geschäftsmodelle und deren zukünftige Realisierung nach.

Zusammenfassung und Prognose

Fasst man die Erkenntnisse der Studie zusammen, wird deutlich, dass die Corona-Krise zwar eine nicht zu verleugnende Bremskraft hat, viele Unternehmen profitieren jedoch auch bereits von ihren Investitionen in neue Technologien wie das Industrial Internet of Things. Zahlreiche Organisationen scheinen außerdem interessiert daran, hier gleichzuziehen und entsprechende, bislang ungenutzte Potenziale zu heben und davon zu profitieren.

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