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Digitale Wende

The Digital Turn - Transformation von der Informations- zur Wissensgesellschaft

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Verändertes Zeitempfinden

Wie steht es aber um die einzelne Person? Die digitale Erfahrung erscheint als radikal individualisierte Form von Massenkommunikation, Personalisierung, Individualisierung und gleichzeitig stetige Verfügbarkeit von Wissen und Information (Adrian Athique). Was sich dabei radikal verändert ist das Empfinden von Zeit. Das Zeitgefühl ändert sich durch die Gleichzeitigkeit laufender Kommunikationen. Die digitale Zeit ist eine im Zusammenhang mit der Erwartung organisierte Zeit, so Arias-Maldonando. Der Mensch ist immer verfügbar und offen gegenüber allen Kontakten. Wesensmerkmal dieser Situation ist die abwartende Haltung, in einem phantomhaften Raum voller Nachrichten, Informationen und Kommentare, die aus dem Nichts kommen und gleichzeitig nach einer umgehenden Antwort verlangen. Die die digitale Zeit wird beschleunigt und hat dazu beigetragen, die analoge Zeit des Alltags ebenfalls zu beschleunigen. Gleichzeitig hat die Digitalisierung einen verlängernden Effekt. Das Hinterlassen von Spuren und deren Rückverfolgbarkeit fordert von den Teilnehmern eine für die gesamte Zeit anhaltende tugendhafte Verhaltensweise und schafft Verunsicherung. Auf der anderen Seite erzeugt die permanente Kommunikation mit vertrauten Menschen und Gruppen ein starkes Sicherheitsgefühl (Athique), was auch eine Erklärung für die Offenheit in sozialen Netzwerken ist, was in kommunikationswissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde. Das Gefühl von Isolation existiert gleichzeitig mit der Empfindung, sich mit Angehörigen und dem Freundeskreis in ständiger Verbindung und Kommunikation zu sein, Gesellschaft und Gemeinschaft koexistieren.

Individualisierte Massenkommunikation

Im Gegensatz zu früherer Massenkommunikation, die auf dem Konzept des großen Publikums beruhte und damit eine gewisse Distanz beinhaltete, ist die digitale und somit individualisierte Form der Massenkommunikation eher als intim zu beschreiben. Die Digitaltechnologien verweisen auf eine zunehmende soziotechnische Hybridisierung. Das Subjekt ist in einer Welt mit den Dingen. Diese Dinge sind zudem noch selbst aktiv, sprechen die Subjekte ständig an und schaffen eine ständige Verbindung. Diese technischen Objekte haben die Qualität von autonomen Aktanten, bewusstseinslose, nichtmenschliche Akteure, die aber einen Einfluss auf die sozialen Prozesse ausüben. Was die Diskussion um Social Bots in der Debatte um Brexit oder den Wahlkämpfen deutlich macht.

Das hat Auswirkungen auf die politischen Systeme. Die Demokratie durchläuft aktuell das Zeitalter des Zuschauers (Jeffrey Greene). In Zeiten der Hyperkommunikation ist alles als Show konzipiert, die für die Augen der übrigen Teilnehmer geplant wird. Gleichzeitig ist die Demokratisierung des Produktionsprozesses von Inhalten zu beobachten. Jeder hat durch die Digitalisierung weitergehende Möglichkeiten, Meinungen zu äußern und zu verbreiten. Unterschiedliche Kanäle verschmelzen oder verflechten sich. Die TV-Debatte wird auf Twitter kommentiert, weil dieser Kanal Inhalte benötigt, die den Nutzern gemeinsam sind, und will dadurch verhindern, dass sich die Nutzer in Mikrogruppen zersplittern, die nicht verbunden werden können. Gleichzeitig werden die Tweets und Posts wieder in der TV-Debatte thematisiert.

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