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Digitale Wende

The Digital Turn - Transformation von der Informations- zur Wissensgesellschaft

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Der Code ist das Gesetz

Die letzten Jahre waren geprägt durch eine Informationsfülle, produziert durch die Bereitschaft von Bürgerinnen und Bürgern, Inhalte zu produzieren, zu reproduzieren, zu teilen. Eine Entwicklung der Konnektivität. Der Blick muss sich aber auf die Mechanismen dahinter richten. „Die Programmierung ist die wahre Triebkraft der digitalen Revolution.“ (Manuel Arias-Maldonado) „Der Code ist das Gesetz“ (Lawrence Lessig), das den Raum konturiert, den wir nutzen können, um Zugang zu Informationen zu bekommen. Dieses Gesetz definiert den Standard, wie Informationen verwaltet, moduliert und verteilt werden. Dabei dürfen die Codes nicht ausschließlich als Programmzeilen gelesen werden, sondern auch in ihrer übertragenen, ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Der Code hat die Fähigkeit, dass etwas geschieht, eine Wirkmacht, die von der Einblendung eines Werbebanners in einem Artikel bis hin zu automatischen Softwareupdates reicht. Der Code definiert auch den Handlungsrahmen einer Person. Bei der Bestellung eines Buches über einen Online-Shop, folgen wir einer Entscheidungsarchitektur, die von dritten entworfen worden ist, die subtil Richtungen vorgibt und vor allem auch andere Richtungen ausschließt.

Aber: die virtuellen Technologien transformieren nicht das Dasein bzw. ersetzen nicht reales Handeln, sondern ergänzen es. Es entsteht laut Arias-Maldonado ein Paradoxon: Je mehr Virtualität es gibt, desto mehr Realität gibt es. Die digitalen Aktionen produzieren Daten, die zu Metadaten geordnet werden, was durch Klassifizierung und Filter die Inhalte für Suche und Zugriff aufbereitet, die Grundlage für neue reale Handlungen bilden. Die dunkle Seite der Medaille ist die Rückverfolgbarkeit der Aktivitäten über die hinterlassenen Datenfragmente und Spuren. Der zentrale Aspekt ist die Analyse dieser unzähligen hinterlassenen Spuren, der Massendaten. Isolierte Daten bringen keinen Nutzen. Die Zusammenstellung der Daten für die Analyse produziert aber oftmals Ex-Post-Muster, die auch unvorhergesehene Bedeutungen erschließen. Mit Behavioural Targeting etwa werden Nutzungsgewohnheiten, Interessen und demographische Merkmale durch kommerzielle Suchmaschinen evaluiert.

Die neuen, digitalen Anwendungen sind durch die Auswertbarkeit (positiv) und Rückverfolgbarkeit (negativ) keine bloßen funktionalen Werkzeuge, sondern sie bringen dabei echte Ideologien hervor, die mit Lebensgewohnheiten verbunden sind, deren Basis der Glaube an die neue Leistungsfähigkeit einer Technologie ist. Alleine schon in der Tatsache, dass es die Reichweite einer Kommunikation, das dem Menschen wesenseigen ist, vervielfacht, liegt revolutionäres Potenzial.

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