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Digitale Wende

The Digital Turn - Transformation von der Informations- zur Wissensgesellschaft

| Autor/ Redakteur: Prof. Volker M. Banholzer / Silke Höffken

Die Agenda ist von Schlagworten wie Digitalisierung, Big Data, Robotics, Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz etc. bestimmt. In der Tat scheint es, als ob durch eine fortschreitende Digitalisierung eine tiefgreifende Veränderung in Geschäftsprozessen, in der Gestaltung von Arbeit, im Empfinden von Zeit und vor allem im Umgang mit Informationen ausgelöst hat.

( Bild: © Aleksandar Mijatovic; ©Neyro - Fotolia.com )

Wir beobachten eine digitale Wende, die von vielen als tiefgreifend erlebt wird. Newsletter, Tweets, Pushmails, Posts, V-Logs gehören zum Alltag in der Kommunikation. Dinge, die vor der Digitalisierung nicht zu unserem Alltag gehörten. Oder? Der spanische Politikwissenschaftler Manuel Arias-Maldonado mahnt, nicht auf eine akademische Wendeindustrie hereinzufallen. Trotzdem scheint die Digitalisierung Veränderungen hervorzurufen, die viele, wenn nicht alle Gesellschaftsbereiche beeinflusst. Zu fragen bleibt, wie sich Medien in diesem Kontext wandeln können, oder müssen, um ihre Funktionen noch erfüllen zu können, damit Wandel nicht zur Verunsicherung, sondern zur Irritation wird. Ein Grund, das etwas genauer zu analysieren.

Digitalisierung – ein eindeutig mehrdeutiger Begriff

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es derzeit ohne das Label „Digitalisierung“ oder „4.0“ nicht geht. Die Industrie 4.0, die Arbeit 4.0 erfordert, Wirtschaft 4.0. die Journalismus 4.0 braucht. Von der ‚digitalen Wirtschaft‘, über eine ‚digitale Revolution‘, die wiederum ‚digitale Strategien‘ erfordert oder ‚digitale Kompetenzen‘ von Beteiligten einfordert, was dann zu einer ‚digitalen Identität‘ wird. Das ‚Digitalisierungszeitalter‘ wird in ‚Digitalisierungskongressen‘ erörtert und es wird vor einem ‚digitalen Debakel‘ in Deutschland gewarnt, wenn wir nicht lernen, die ‚digitalen Werkzeuge‘ anzuwenden, um endlich zur ‚digitalen Gesellschaft‘ zu werden. Dabei ist der Begriff ‚Digitalisierung‘ eindeutig mehrdeutig, wie der Wirtschaftswissenschaftler Hansjürgen Paul feststellt. „Digital“ ist der Gegensatz zu „analog“. „Analog“ bedeutet „stetig“, „kontinuierlich“; „digital“ steht für „gestuft“ und „diskret“. Digitaluhren, so Paul, stellen den Zeitverlauf gestuft dar, Analoguhren kontinuierlich. Vinyl-Schallplatten geben Audiosignale kontinuierlich, stetig wieder, CDs gestufte Abbildungen des ana-logen Signals. Computersysteme arbeiten digital, Daten sind in ihnen nicht in physikalischen Größen, sondern in Kombinationen von Bits dargestellt. Damit bezeichnet „Digitalisierung“ den Vorgang der Aufbereitung von nahezu jeder Form von Information zum Zweck der Speicherung und Verarbeitung in digitaler Form, wie Texte, Bilder, Audio- und Videodaten. Diese technische Aufbereitung von Information von einer analogen Existenz in ein digitales Abbild auf unterschiedlichen Speichermedien eines Computers ist nur eine Seite der Medaille. Dies wird im Englischen als „digitization“ bezeichnet. „Digitalization“ meint dagegen die Annahme oder verstärkte Nutzung von Computertechnologie durch eine Volkswirtschaft, einen Wirtschaftszweig oder eine Organisation sowie die Art, in der sich viele Gesellschaftsbereiche um digitale Kommunikation und mediale Infrastruktur neu ausrichten.

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