Softwarequalität Testautomatisierung: Deutschland liegt vorn

Redakteur: Jürgen Schreier

Trotz sinkender Budgets für Software-Testing und -Qualitätssicherung (QS) liegt der Fokus auf Qualität statt auf "reiner" Kostensenkung. Positive Impulse erwartet man sich vom Test von Mobilanwendungen und im IoT. Das geht aus dem World Quality Report 2017 von Capgemini und Sogeti hervor.

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18 Prozent der Testdaten werden in Deutschland mit Hilfe von Testdaten-Tools automatisiert ermittelt und 18 Prozent der funktionalen Testfälle automatisiert unter Einsatz von Testerzeugungs-Tools.
18 Prozent der Testdaten werden in Deutschland mit Hilfe von Testdaten-Tools automatisiert ermittelt und 18 Prozent der funktionalen Testfälle automatisiert unter Einsatz von Testerzeugungs-Tools.
(Bild: Pixabay / CC0 )

International führt Deutschland führt bei der Testautomatisierung im Softwarebereich: 18 Prozent der Testdaten und –fälle werden in Deutschland automatisiert ermittelt, verglichen mit dem weltweiten Durchschnitt von 16 Prozent. Außerdem haben international nahezu alle Testing Teams (99 Prozent) mit Agile und DevOps zu kämpfen - so der neue World Quality Reports (WQR) 2017, den Capgemini und Sogeti in diesem Jahr zum neunten Mal veröffentlichen. Gleichzeitig sinken gehen die Budgets im zweiten Jahr in Folge deutlich zurück, dieses Mal auf ein Viertel (26 Prozent) des IT-Budgets.

IT zwischen Budgetdruck und wachsenden Herausforderungen

Im Spannungsfeld zwischen Budgetdruck und wachsenden Herausforderungen legen deutsche IT-Leiter dennoch immer größeren Wert auf Qualität. Dieser Spagat lässt sich jedoch nur mit neuen Ansätzen wie Automatisierung (16 Prozent) und Smart-Testing-Technologien (16 Prozent) bewältigen. Hier ist Deutschland inzwischen weltweit Spitzenreiter.

Vincent Groener, CSO bei Sogeti Deutschland: „Testing Teams werden zwar erwachsen, haben aber mit dem Wechsel auf agile Anwendungen große Probleme. Wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit von Qualitätssicherungs- und Testorganisationen wird es vor allem sein, sich in Richtung eines automatisierten Testing-Ökosystems mit prädiktiven Analysen und einer intelligenzgesteuerten Qualitätssicherung zu entwickeln. Und da das oberste Management immer stärker auf den konkreten Beitrag der IT auf die Geschäftsziele vertraut, müssen auch Qualitätssicherung und Testing höheren Ansprüchen gerecht werden."

Deutsche IT-Leiter setzen auf Automatisierung

Deutsche IT-Leiter nennen die „höhere Qualität der Softwarelösungen“ als das größte Ziel ihrer IT-Strategie. In Deutschland tun das 17 Prozent, weltweit 12 Prozent. Ebenfalls weit oben auf der Agenda stehen die Themen "Verbesserung der Kundenerfahrung“ (15 Prozent in Deutschland) und mehr Sicherheit (13 Prozent). Ähnliche Prioritäten verfolgen CIOs bei ihrer QS- und Testing-Strategie. Auch hier steht die Qualitätssteigerung der Softwarelösungen mit 26 Prozent an erster Stelle.

Ein weiterer bedeutsamer Trend in Deutschland ist die Automatisierung: Bei QS und Testing ist Deutschland weiter als der Rest der Welt. 18 Prozent der Testdaten werden hierzulande mit Hilfe von Testdaten-Tools automatisiert ermittelt (verglichen mit dem weltweiten Durchschnitt von 16 Prozent) und 18 Prozent der funktionalen Testfälle automatisiert unter Einsatz von Testerzeugungs-Tools (verglichen mit dem weltweiten Durchschnitt von 16 Prozent).

Datenschutz-Grundverordnung bereitet Testern Sorge

Auch auf die Herausforderungen bei der Testautomatisierung wiesen die von Capgemini und Sogeti Befragten hin: Knapp die Hälfte (43 Prozent) hat „Schwierigkeiten bei der Integration verschiedener Automatisierungstools“ (weltweit 39 Prozent). Ebenso viele klagen über „Automatisierungs-Tools, die mobiles Testing nicht unterstützen“ (weltweit 42 Prozent) und bestätigen „Herausforderungen bei der Servicevirtualisierung“ (weltweit 38 Prozent). Weitere 43 Prozent stellen einen „Mangel an ausgebildeten und erfahrenen Ressourcen für die Testautomatisierung“ fest (statt 39 Prozent). Schwierigkeiten bereitet den Testern hierzulande außerdem die Vorbereitung auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 rechtsbindend wird.

Die Budgets für Qualitätssicherung und Testing sinken bereits das zweite Jahr in Folge; jedoch sollen sie künftig wieder steigen. Von 35 Prozent und 31 Prozent des IT-Budgets in den letzten zwei Jahren auf 26 Prozent im Jahr 2017 zeigt der Abwärtstrend eine deutliche Verschiebung weg vom Personal und hin zu Hardware und Infrastruktur. Dafür werden aktuell 46 Prozent des Testbudgets eingeplant.

Mobile Anwendungen und Internet der Dinge fordern mehr Budget

Trotz dieses Rückgangs dürfte eine höhere Nachfrage nach Tests mobiler Anwendungen und im Internet der Dinge (IoT) zu einem Anstieg der Budgets bis 2020 auf 32 Prozent führen. Die Budgets für Testing schwanken stark je nach Unternehmen: von unter 10 Prozent des IT-Budgets bis zu mehr als 50 Prozent. Durch die

Umstellung auf intelligentere, automatisierte Testlösungen im gesamten Entwicklungsportfolio werden Unternehmen in der Lage sein, besser zu planen und mehr Effizienz aus ihren Budgets zu holen.

Das zunehmende Bedeutung von von Agile und DevOps fordert die traditionelle Struktur von Qualitätssicherung und Testing Teams heraus. Als Reaktion darauf verlagern Organisationen Testpersonal von zentralen Testing Centers of Excellence (TCoE) in einzelne Entwicklungsteams. Ziel ist die Schaffung von mehr Flexibilität. Allerdings bestätigen 99 Prozent der Befragten Komplikationen bei der Prüfung von Agile; 46 Prozent beklagen einen Mangel an Daten und instabile Umgebungen als größte Hürde. Ein neues Modell, bei dem TCoEs eine einheitliche Orientierung und die Basis für die Entscheidungsfindung rund um Werkzeuge und Plattformen bieten, entwickelt sich gerade.

Intelligente Testtechniken werden (zu) sparsam eingesetzt

Organisationen versuchen sich gerade an der intelligenten Testautomatisierung, um smarte Anwendungen und immer komplexerer IT-Landschaften zu bedienen. Mittels der effektiven Automatisierung können sie Qualität garantieren und dabei Testressourcen für neue Entwicklungsarbeit freigeben. Doch trotz greifbarer ROIs, wie ein schnellerer Markteintritt, nutzen nur 16 Prozent der Befragten die Automatisierung wirklich effizient. Die wichtigsten Herausforderungen, vor denen die Hälfte der Organisationen stehen, sind exponentiell wachsende Datensätze, fluide Anwendungen auf Basis von künstlicher Intelligenz und bevorstehende Regulierungen wie die DSGVO.

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