Expertenbeitrag

Dr. Martin Klapdor

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Senior Solutions Architect, Netscout

eHealth Telemedizin - Was für ein optimales Erlebnis erforderlich ist

Autor / Redakteur: Martin Klapdor / Sebastian Human

Die Welt kam im März zum Stillstand, als die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zu einer globalen Pandemie erklärte. Die Telemedizin verzeichnete hingegen einen großen Aufschwung. Doch auch hier gibt es noch einiges zu tun.

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Viele Menschen stehen Telemedizin potenziell offen gegenüber, doch um die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen, müssen Anbieter einiges beachten.
Viele Menschen stehen Telemedizin potenziell offen gegenüber, doch um die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen, müssen Anbieter einiges beachten.
(Bild: Netscope)

Die COVID-19-Pandemie verdeutlichte zunehmend die Bedeutung der Modernisierung des deutschen Gesundheitswesens. Dies hat den Bundestag dazu veranlasst, einen Fonds in Höhe von 3 Milliarden Euro bereitzustellen, mit dem Krankenhäuser in moderne Notfallkapazitäten, Digitalisierung, IT-Sicherheit sowie Telemedizin, investieren können.

Da sich die Gesundheitsversorgung derzeit in einem Paradigmenwechsel befindet, besteht ein klarer, ungedeckter Bedarf, neue Versorgungsmodelle zu schaffen, um bezahlbare und schnelle Gesundheitsleistungen zu erbringen. Im Mittelpunkt steht dabei die Notwendigkeit, das traditionelle klinik- und krankenhausbasierte Modell der Gesundheitsversorgung durch Modelle zu ergänzen, die neue Technologien einbeziehen. Dieser Wandel muss bei gleichzeitiger Optimierung der Erfahrungen von Patienten und Leistungserbringern stattfinden - die telemedizinischen Technologien zeigen ein großes Potenzial für die Bewältigung der heutigen Erwartungen.

Wie funktioniert Telemedizin?

Telemedizin ist eine interaktive Zwei-Wege-Echtzeit-Kommunikation zwischen Patienten und Arzt an verschiedenen Orten. Das Ziel moderner Anbieter von Telemedizin ist es, eine sichere Alternative zu persönlichen Besuchen zu bieten und passende Termine schneller buchen zu können. Mit dem dramatischen Anstieg der Nachfrage nach solchen Diensten müssen die Anbieter sicherstellen, dass ihre technologische Infrastruktur sowohl den Patienten als auch den Angehörigen der Gesundheitsberufe ein einwandfreies Erlebnis bietet.

Der Schlüssel zur Gewährleistung der Qualität und Zuverlässigkeit von Telemedizin ist eine effektive Netzwerküberwachung. In vielen Fällen schließt dies Systeme zu Unified Communications and Collaboration (UC&C) ein, die hochkomplex sind.
Das bedeutet, dass die IT-Abteilung im Vorfeld des Termines genau wissen muss, wie die Erfahrungen der Endbenutzer aussehen werden. Daher ist eine effektive Netzwerküberwachung, die sich auf Paketdaten stützt, von entscheidender Bedeutung, um dringend benötigte Einblicke in die Funktionsweise von UC&C-Protokollen zu gewinnen. So kann die IT-Abteilung etwaige Abweichungen auswerten und eine sichere Real-Time-Transport-Protocol-Nutzlastumgebung (RTP) schaffen, die für die Übertragung digitaler Medienströme in IP-Netzwerken verantwortlich ist.

Darüber hinaus werden bei den Fern-Sprechstunden auch diagnostische IoT-Geräte verwendet, um kritische medizinische Daten wie Blutdruck, Puls, Sauerstoffversorgung des Blutes, Herzfrequenz und Gewicht von zu Hause aus zu übertragen.

Die Schlüsselmodule eines telemedizinischen-Service

Telemedizinische Services nutzen folgende Module, die Krankenhäuser und Kliniken dabei unterstützen, die Kapazität zu erhöhen und ein optimales Erlebnis für die Patienten und das medizinisches Fachpersonal zu gewährleisten:

1. Terminbuchung
Die Buchung von Sprechstunden durch Telemedizin erfordert es, dass die Termine sowohl für die Patienten als auch für den Anbieter so bequem wie möglich geplant werden können. Ständig erreichbare Portale zur Planung interaktiver Sitzungen sind eine kritische Komponente. Wenn ein Patient oder Gesundheitsdienstleister keine Termine oder Folgebesuche planen kann, können Verzögerungen und Unannehmlichkeiten die Erfahrung des Patienten ernsthaft beeinträchtigen.

2. Zuverlässiger Zugang zu elektronischen Akten
Auch Online-Termine müssen pünktlich laufen. Bei Anschlussbesprechungen und nur einem virtuellen Wartezimmer muss der Arzt nahtlos von Patient zu Patient navigieren können und jederzeit Zugang zu seiner Krankengeschichte und seinen Akten haben. Alle telemedizinischen Anwendungen müssen einen zuverlässigen und sicheren Zugang zu bestehenden elektronischen Patientenakten (EMR) und elektronischen Gesundheitsakten (EHR) bieten, vor Ort und in der Cloud.

3. Zugang zum Web-Portal
HTTP/S ist das bevorzugte Anwendungsprotokoll für Telemedizin-Dienstleistungen. Für die meisten telemedizinischen Anwendungen ist es wichtig, verfügbare, leistungsstarke Web-Front-End-Systeme zu unterhalten.

Selbsterklärende Dashboards sind ausschlaggebend für die schnelle Identifizierung von Nichtverfügbarkeiten und deren Ursachen, wie Performanzeinschränkungen, Bandbreitensättigung und eingeschränkte Serverkapazitäten. IT-Teams von Krankenhäusern und Praxen sind somit in der Lage, sich schnell mit den entsprechenden Anbietern zu koordinieren und zusätzliche Serverleistung hinzuzufügen, um das zu handhaben, was zur neuen Norm für die Einführung und Nutzung der Anwendung geworden ist.

4. Audio- und Videoqualität
Mit dem Angebot virtueller Sprechstunden geht der Anspruch an ein reibungsloses Erlebnis für Patienten und Mitarbeiter des Gesundheitswesens einher. Eine qualitativ hochwertige Verbindung ist für eine präzise Diagnose sowie für die Gewährleistung und Förderung einer klaren Kommunikation zwischen Patienten und dem Ansprechpartner wichtig, um passgenaue Rezepte zu formulieren.

Das ordnungsgemäße Funktionieren solcher Dienste ist besonders wichtig für Risikogruppen, die um jeden Preis vermeiden sollten, persönlich zu einer nicht dringenden Konsultation zu kommen und Gefahr zu laufen, sich anzustecken. Anrufunterbrechungen, Einschränkungen beim Zugriff auf die Anwendung, Probleme bei der Verbindungsherstellung oder ruckartige Sprach- oder Videoübertragung sind beispielhafte Komplikationen, die es zu vermeiden gilt. Dafür muss eine technologische Infrastruktur bereitgestellt werden, die ein Vielfaches an Nachfragevolumen in kürzester Zeit aushält und die Transparenz schafft, um Ausfälle schnellstmöglich zu erkennen und schließlich das Angebot zu gewährleisten.

5. Schutz der Privatsphäre
Das so genannte E-Health-Gesetz trat 2016 in Kraft, um einen rechtlichen Rahmen für den Umgang mit Patientendaten in telemedizinischen Services zu schaffen. Die Verarbeitung solcher Daten bedarf eines erhöhten Maßes an Sorgfalt und Sicherungsmaßnahmen. Jeder potenzielle Verstoß muss präventiv behandelt werden.

Der Umgang mit den besonders zu schützenden Gesundheitsdaten erfordert eine sichere Infrastruktur, die einen Zugriff durch Dritte verhindern sollte. Dazu gehören nicht nur gesicherte Internetverbindungen, sondern auch Sichtbarkeit über alle Web-Verbindungen sowie Firewalls und Load Balancer. Auf diese Weise erreichen Gesundheitsorganisationen Geschäftskontinuität und schützen gleichzeitig die Patienten.

Fazit

Mit Blick auf unsere "Post-Pandemie"-Welt werden virtuelle Termine für einfache Konsultationen unbestreitbar weit verbreitet sein. Patienten werden längere Wartezeiten in Arztpraxen bei nicht dringenden Fällen nicht mehr in Kauf nehmen, und Ärzte werden ihr Geschäft kosteneffizienter betreiben wollen. Diese Erwartungen unterstreichen die Rolle der telemedizinischen Technologien, und beweisen, dass die Zukunft des Gesundheitswesens virtuelle Dienste erfordert, die perfekt funktionieren.

(ID:47021281)

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