Digitale Transformation Survival of the fittest - Innovation als Wettbewerbsvorteil in der Fertigung nutzen

Autor / Redakteur: Ronnie Wilson* / Sebastian Human

Wie kaum ein anderes Gut haben Daten das Potenzial, Industrieunternehmen neue Geschäftsfeder zu eröffnen und die Betriebe krisensicher zu machen. Diese Erfahrung machen Unternehmen bereits, doch sollten sie sich nicht auf ersten Erfolgen ausruhen.

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Wollen Unternehmen Widerstandsfähigkeit gegen Krisenzeiten entwickeln, können digitale Technologien helfen, einen umfassenden Überblick über Finanzen, IT- und weitere Unternehmenswerte zu erhalten.
Wollen Unternehmen Widerstandsfähigkeit gegen Krisenzeiten entwickeln, können digitale Technologien helfen, einen umfassenden Überblick über Finanzen, IT- und weitere Unternehmenswerte zu erhalten.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Kein Thema hat das vergangene Jahr so bestimmt, wie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Alltag, Gesellschaft und Wirtschaft. Viele Unternehmen sahen sich mit nicht vorhersehbaren Herausforderungen konfrontiert, denn ganze Industriezweige mussten im Frühjahr 2020 plötzlich ihre Produktion ein- oder umstellen.

Um die unmittelbare Gefahr durch die Pandemie abzufedern, blieb vielen Entscheidungsträgern nur, ihre geplanten Investitionen zu verwerfen und kurzfristige Entscheidungen zu treffen. Rund 44 Prozent der deutschen Unternehmen sahen sich aufgrund gestiegener Notwendigkeit durch Covid-19, dazu veranlasst, stärker in die Digitalisierung ihres Unternehmens zu investieren. Maßnahmen zur technischen Modernisierung, Vereinfachung und Konsolidierung wurden dabei von Betrieben über sämtliche Bereiche hinweg implementiert um im „New Normal“ wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Corona-Krise sorgte dabei zu einem akuten Digitalisierungsschub in vielen Produktionsbetrieben, der sich auch langfristig weiter verstärken wird. Damit haben sich jedoch auch die Spielregeln geändert, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen müssen. „Aufgezwungene“ Maßnahmen haben sich nahtlos zu einer Erwartungshaltung entwickelt, die es zu erfüllen gilt.

Innovationen, die sich erfolgreich in der Pandemie bewährt haben, werden zur Voraussetzung und ihre Weiterentwicklung als gegeben angesehen. Der Druck, die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen und eine erfolgreiche digitale Transformation voranzutreiben, war dabei noch nie so groß wie jetzt.

Investition in maßgeschneiderte Lösungen

Nach einem Jahr mit großen Kostendruck und finanziellen Engpässen könnten jedoch einige Firmen dazu verleiten sein, sich auf bereits implementierten technologischen Lösungen auszuruhen und weitere Investitionen zurückzustellen, bis sich die Situation entspannt hat. Eine solche Entscheidung wäre zwar verständlich, doch um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, kann dies nicht die Lösung sein. Die Frage, ob in Innovationen investiert wird, sollte nicht die Frage sein, sondern vielmehr in welche.

Anders als im letzten Jahr, wo viele Modernisierungsentscheidungen aus purer Notwendigkeit heraus getroffen wurden, muss jetzt – auf Grundlage fundierter Erkenntnisse – strategischer vorgegangen werden. Es gilt nicht nur die aktuellen Herausforderungen des Marktes zu meistern, sondern auch sich in einem rasch verändernden Umfeld zukunftssicher aufzustellen. Basis aller Entscheidungen sollte und muss dabei eine Analyse der Echtzeit-Unternehmensdaten sein. Das Ergebnis ist dann eine maßgeschneiderte Investition in Bereiche, die am meisten Mehrwert versprechen.

Ein solcher Bereich könnte zum Beispiel die ganzheitliche Produktion sein. In Branchen wie der Automobilindustrie oder Pharmazie, waren interne Prozesse schon vor Corona oft mit Sicherheits-, Produktivitäts- und Effizienzrisiken belastet. Doch das vergangene Jahr hat gezeigt, welche Herausforderungen es zu meistern gilt. An diesen Stellen könnte die Digitalisierung bislang manueller Prozess, hin zu datengesteuerten Abläufen, eine zukunftsweisende Lösung sein. Die damit einhergehende Verschlankung der Prozesse wäre dabei der vielleicht direkteste Weg zu einer Rendite hinsichtlich der getätigten Investitionen.

Wichtigste Innovationsfelder: Nachhaltigkeit und Servitization

Während Lean Manufacturing eine interne Rationalisierung der Kosten darstellt, wird ein Großteil 2021 wichtigen, wertschöpfenden Innovationen, kundengetrieben sein. Investitionen sind nur dann erfolgreich, wenn sie auch Anklang beim Kunden finden. Daher ist es entscheidend, hier vorausschauend zu reagieren, will man konkurrenzfähig bleiben. Die zwei wichtigsten Trends, die es hier im Auge zu behalten gilt, sind Nachhaltigkeit und Servitization.

Das Thema Nachhaltigkeit wird bereits seit einigen Jahren immer wichtiger. Während der damit verbundene Aktionsdruck wohl am deutlichsten im Einzelhandel und in den Lieferketten zu spüren ist, sind auch die Hersteller von den Auswirkungen betroffen. Die Verbraucher wünschen sich heute Nachhaltigkeit in jedem Abschnitt des Produktzyklus – und die Produzenten liefern. So kündigte Daimler letztes Jahr an, dass zukünftig eine nachhaltige Produktion „knallhartes Vergabekriterium“ bei der Zusammenarbeit mit Zulieferern des Autobauers werden soll. Aber auch in anderen Branchen erzielen Hersteller, die heute in nachhaltige Methoden investieren, später einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bei der Akquise neuer Umsatzmöglichkeiten.

Mit der Digitalisierung und dem Aufgekommen des Internets der Dinge wird auch im industriellen Umfeld die Wertschöpfung durch datengetriebene Services zunehmend wichtiger. Durch die sogenannte „Servitisierung“ verlagert sich dabei die industrielle Wertschöpfung von der Güter- in die Dienstleisterperspektive, in der Wert durch Interaktion zwischen Anbietern und Nutzern geschaffen wird. Der Druck, dem Kunden Mehrwertdienste anzubieten, wird zukünftig ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sein, da die Auswirkungen dieser unmittelbar sichtbar und spürbar sind. Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt und neben ihrem produktorientierten Geschäft schon industrielle Dienstleistungen als festen Bestandteils ihres Portfolios integriert. Um dem Konkurrenzdruck standzuhalten, sollten Betriebe deswegen jetzt – sollten sie es nicht schon getan haben – in einen kundenzentrierten Ansatz investieren.

Daten: Die Geheimwaffe jedes Unternehmens

Mittel- bis langfristige Wachstumsstrategien – sowie die Investition in diese – sollten stets im Fokus wichtiger Überlegungen sein. Jedoch ist auch klar, dass nach über einem Jahr Pandemie viele Unternehmen immer noch mit deren Auswirkungen zu kämpfen haben. Investitionsentscheidungen müssen angesichts kurzfristiger Cashflows weise und überlegt getroffen werden. Im Wesentlichen bedeutet das, mehr aus den Kostenbudget herauszuholen, um bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung und Verbesserung des Services-Levels auch noch in zukünftige digitale Innovationen investieren zu können.

Dafür benötigen die Verantwortlichen einen vollständigen Überblick über alle Finanzen, IT- und andere Unternehmenswerte, sowie über die betrieblichen Leistungsdaten und die damit verbundenen Kosten. Nur durch eine transparente Betrachtung können Ausgaben und Strategie effizient angepasst und Kosten im Vergleich zum Wert abgewogen werden. Dies wiederum ist die Basis für richtige und vor allem auch datengestützte Entscheidungen. Hersteller, die eine End-to-End-Sicht auf ihre gesamten Abläufe haben, können die Daten effektiv nutzen und ihre Budgets zur Finanzierung von Wachstum optimieren und einen Return on Investment zu garantieren.

* Ronnie Wilson arbeitet als stellvertretender Geschäftsführer bei Serviceware.

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