Expertenbeitrag

 Laurenz Kirchner

Laurenz Kirchner

Geschäftsführender Partner, mm1 Consulting & Management Partnerschaftsgesellschaft

Studie: Startup- und Innovationsmonitor 2020 Startup- und Innovationsprogramme im DACH-Vergleich

Autor / Redakteur: Laurenz Kirchner & Dr. Jens Lehnen* / Sebastian Human

Was Startups an Erfahrung fehlt, kompensieren sie meist durch Motivation und Kreativität. Daher sind sie für etablierte Unternehmen interessante Partner. Eine aktuelle Studie untersuchte deren Startup- und Innovationsaktivitäten im DACH-Raum. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Firma zum Thema

Startups eilt der Ruf einer agilen und innovativen Firmen- und Entwicklungskultur voraus, was sie als Kooperationspartner für etablierte Player zunehmend interessant macht.
Startups eilt der Ruf einer agilen und innovativen Firmen- und Entwicklungskultur voraus, was sie als Kooperationspartner für etablierte Player zunehmend interessant macht.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Unternehmen suchen zunehmend die Nähe zu Startups, um von deren positiven Eigenschaften wie Innovationskraft, Kreativität, technologischen Fortschritt sowie Agilität zu profitieren. Dazu werden immer mehr Startup- und Innovationsprogramme aufgebaut. Wir haben die Startup- und Innovationsaktivitäten der Unternehmen der Aktienindizes des DACH-Raums (DAX, MDAX, ATX, SMI) untersucht und geben einen detaillierten Einblick in die Zusammenarbeit von Unternehmen und Startups.

Die Startup-Landschaft der DACH-Region – ein Überblick

Startups werden als junge Unternehmen (<10 Jahre) mit geplantem Wachstum und innovativen Produkten, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen und/oder Technologien definiert. In den Ländern des DACH-Raums finden sich die meisten Startups in Ballungsräumen – in Deutschland beispielsweise Berlin oder die Region Rhein-Ruhr, in Österreich insbesondere Wien und Umgebung, in der Schweiz finden sich die meisten Startups im Kanton Zürich beziehungsweise der Hauptstadt selbst:

Bildergalerie

Startups gelten als kreativ, innovativ, ideenreich und kundenorientiert und arbeiten im Gegensatz zu vielen großen Unternehmen sehr agil. Auf dieser Wahrnehmung basierend versprechen sich Großunternehmen Vorteile von einer Zusammenarbeit wie Branding-Effekte, Steigerung der Innovationskraft, Förderung des kulturellen Wandels, finanzielle Vorteile sowie frühzeitige Trend- und Technologieidentifikation. Für die Zusammenarbeit mit Startups existieren unterschiedliche Arten von Programmen und Aktivitäten – eigene sowie kooperative:

  • Accelerator: In Form eines Bootcamps werden in einem vordefinierten Zeitrahmen marktgerechte Produkte beziehungsweise Services entwickelt und im Markt eingeführt.
  • Company Builder: Ideen kommen eher aus dem eigenen Unternehmen, Dauer und Vorgehensweise sind in der Regel individueller als bei Accelerator-Programmen.
  • Förderprogramme: Oftmals gehen diese Unterstützungen von staatlichen Institutionen aus (bspw. Hightech Gründerfonds).
  • Innovationshub: Raum zum Austausch, Diskussion und Brainstormen von Forschern, Entrepreneuren und Experten. Ziel ist es, Wissenstransfer zu generieren.
  • Innovationsplattform: Ziel solcher Plattformen (bspw. virtuelle Communities) ist es, externe Ideen und Wissen in das eigene Unternehmen zu bringen.
  • Intrapreneurship-Programm: Entrepreneure entwickeln im eigenen Unternehmen Ideen, Wissen und Kreativität. Dafür erhalten sie definierte Ressourcen (Budget, Arbeitszeit, Management-Support).
  • Kooperationsprogramme: Zusammenschluss von Unternehmen und/oder politischen und wissenschaftlichen Einrichtungen, um Ressourcen effektiv einsetzen und Kräfte bündeln zu können.
  • Startup-Programm: Ziel ist es, Kooperationen mit Startups zu etablieren, diese langfristig als eigene Kunden zu gewinnen bzw. das eigene Portfolio um deren Produkte und Lösungen zu erweitern.
  • Venture Capital (VC): Bei finanziellen VCs investieren Unternehmen in erfolgversprechende Startups und profitieren über die Beteiligung vom Erfolg des Startups. Bei strategischen VCs geht es nicht nur um finanziellen Gewinn, Investments sollen darüber hinaus zu den strategischen Zielen des Unternehmens beitragen.

Startup- und Innovationsprogramme im DACH-Vergleich: Überblick zu DAX, MDAX, SMI und ATX

Im Rahmen der DACH-Studie wurden die Geschäftsberichte aller 130 Unternehmen des DAX, MDAX, ATX und SMI hinsichtlich Startup- und Innovationsprogrammen untersucht. Zudem wurde eine intensive Internetrecherche durchgeführt.

Fast alle DAX-Unternehmen haben eigene Programme oder Aktivitäten. Passend zur Größe und Finanzkraft der Unternehmen setzen sie vor allem auf VCs.

Ein anderes Bild zeigt sich beim MDAX, dessen Unternehmen deutlich kleiner sind. Hier betreibt nur etwa die Hälfte der Unternehmen eigene Programme. Ein Ausbau der Startup- und Innovationsaktivitäten erscheint hier als wünschenswert.

Ähnlich sieht es beim ATX aus: Im internationalen Vergleich werden in Österreich die wenigsten Programme betrieben. Dies mag unter anderem an der vergleichsweise kleinen durchschnittlichen Unternehmensgröße liegen. Auch hier könnte eine Ausweitung der Aktivitäten zu der benötigten höheren Innovationskraft und Ideenvielfalt führen. Die SMI-Unternehmen sind im DACH-Vergleich besser aufgestellt, vor allem da eine Vielzahl an unternehmensübergreifenden Programmen betrieben wird. Bei den finanzstarken Schweizer Großunternehmen gibt es aber durchaus Potenzial, die eigenen Startup- und Innovationsaktivitäten weiter auszubauen.

Praxis-Erfahrungen zeigen: beide Parteien müssen aktiv mitarbeiten

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Startup-Programme sehr wertvoll sind, aber auch umfangreicher Planung und Ressourcen bedürfen. Außerdem sind sie nur dann erfolgreich, wenn beide Parteien aktiv daran mitarbeiten – eine klare Zieldefinition und Erwartungshaltung ist dafür grundlegend.

Der Aufbau sowie die erfolgreiche Durchführung von Startup- und Innovationsprogrammen bieten einige Herausforderungen für Unternehmen. So sollten grundlegende Punkte geklärt sein. Dazu gehören Fragen wie: Welche Ziele verfolgen wir mit dem Programm? Welche Aspekte sind für den Aufbau des Programms am wichtigsten? Wer muss dabei eingebunden werden?

Die vollständige Studie steht zum registrierungspflichtigen Download auf der Unternehmensseite zur Verfügung.

* Dr. Jens Lehnen leitet die mm1 Service Line Digital Products.

(ID:46807935)

Über den Autor

 Laurenz Kirchner

Laurenz Kirchner

Geschäftsführender Partner, mm1 Consulting & Management Partnerschaftsgesellschaft