Cyber-Crime

Spy-Chips schnüffeln US-Server aus: Fakt oder Fake?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Bei im Ausland eingekauften Geräten oder IT-Komponenten weiß man nicht genau, welche "Funktionen" diese neben den Grundfunktionen sonst noch besitzen.
Bei im Ausland eingekauften Geräten oder IT-Komponenten weiß man nicht genau, welche "Funktionen" diese neben den Grundfunktionen sonst noch besitzen. (Bild: Pixabay / CC0)

Cyberattacken werden gerne Russland zugeschrieben. Doch diesmal sitzen die Angreifer offenbar in China. "Schnüffelchips" auf Computerplatinen eines US-Herstellers sollen Server amerikanischer Firmen ausspioniert haben.

Nach einem Bericht der vom Medienkonzern Bloomberg verlegten Zeitschrift "Businesweek" soll es der chinesischen Regierung gelungen sein, sich Zugang zu den Servern von mehr als 30 US-Unternehmen - darunter Apple und AWS - zu verschaffen. Erfolgt ist dies nach Angaben der Businessweek-Redakteure mithilfe von Mikrochips von der Größe einer Bleistiftspitze an Mainboards, die auf Servern in den USA eingesetzt wurden.

Die Chips wurden von dem Online-Händler und IoT-Plattformbetreiber Amazon entdeckt, der den Vorfall auch dem FBI meldete. "Verwanzt" waren Motherboards der Firma Super Micro mit Hauptsitz im kalifornischen San José. Ziel dieser Angriffe, so Bloomberg, sei es gewesen, vertrauliche vertraulichen Daten und Informationen der betroffenen Unternehmen abzugreifen.

Apple und Amazon dementieren Angriffe

Nach einer aktualisierten Meldung von Spiegel Online weisen Apple und Amazon jedoch mit Nachdruck den Bloomberg-Medienbericht zurück. Beide Unternehmen reagierten am Donnerstag mit ausführlichen Dementis. "Apple hat noch nie bösartige Chips, Hardware-Manipulationen oder Schwachstellen gefunden, die absichtlich in einen Server eingebaut wurden. Apple hatte nie Kontakt mit dem FBI oder einer anderen Behörde über einen solchen Vorfall. Uns sind keine Ermittlungen des FBI bekannt, ebenso wenig wie unsere Kontakte zur Strafverfolgung", heißt es in einer Pressemeldung der Firmenzentrale.

In der Praxis würden Server, bevor sie bei Apple in Betrieb genommen werden, auf Sicherheitsschwachstellen überprüft, heißt es weiter. Außerdem aktualisiere man alle Firm- und Software mit den neuesten Schutzfunktionen. Apple: "Wir haben keine ungewöhnlichen Schwachstellen in den Servern entdeckt, die wir von Super Micro gekauft haben, als wir die Firmware und Software nach unseren Standardverfahren aktualisiert haben."

Auch Amazon erklärte, dass man keine Bestätigung für Behauptungen über Spionage-Chips oder modifizierte Technik gefunden habe. Schützenhilfe erhalten Appple und AWS von Homeland Security. Nach einem Bericht des Internetportals Techcrunch habe die Behörde keinen Grund, die Aussagen von Apple, Amazon und Super Micro zu bezweifeln.

Spionage-Chips aus China: US-Behörden ermitteln schon länger

Wie die FAZ berichtet, laufen bereits seit drei Jahren geheime Ermittlungen der amerikanischen Behörden im Zusammenhang mit den Spionage-Chips. Die Ermittler hätten herausgefunden, dass sie in Fabriken in China in die Elektronik der Server von Super Micro eingeschleust worden seien und vermuteten chinesische Militärhacker dahinter.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Bereits vor Jahren hatte der Security-Experte Dr. Detlef Houdeau, Senior Director Business Development beim Chip-Hersteller Infineon Technologies, im Rahmen eines VDMA-Infotags zum Thema "Industrial Security" vor zu viel IT-sicherheitstechnischer Blauäugigkeit bei der Beschaffung von Systemen im Ausland gewarnt: „Bei im Ausland eingekauften Geräten kennt man zwar die Grundfunktionen, doch weiß man nicht genau, welche Funktionen diese sonst noch besitzen.“

Dass China in Sachen Halbleiter dich mehr kann als "Schnüffelchips", will jetzt Huawei beweisen. Nach einen Korrespondentenbericht der FAZ stellte der Netzwerkausrüster am 10.Oktober 2018 eigene Hochleistungschips vor. der in den "hauseigenen" Servern von Huawei Servern zum Einsatz kommen. Die Performance des Chips namens "Ascend 910" soll nach Angaben von Huawei an die Prozessoren der amerikanische Konkurrenten Qualcomm, Intel und Nvidia heranreichen und auch die Abarbeitung komplexer Algorithmen, wie sie beispielsweise in Anwendungen der Künstlichen Intelligenz vorkommen, ermöglichen.

Ob allerdings Amerika den Huawei-Chips vertraut, ist nach Einschätzung von Hendrik Ankenbrand, FAZ-Wirtschaftskorrespondent für China, mehr als fraglich. So steht Huawei in Washington unter Dauerverdacht, für die Volksrepublik zu spionieren – eine Mutmaßung, die sich nicht zuletzt durch die in der vergangenen Woche gegen Peking erhobenen Spionagevorwürfe (siehe oben) noch lange in den Vereinigten Staaten halten dürfte.

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