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eHealth Souverän mit den eigenen Gesundheitsdaten umgehen

| Autor / Redakteur: Axel Kölling* / Vivien Deffner

Schaut man an die Handgelenke vieler Menschen, finden sich dort immer häufiger Fitness-Tracker, Sportuhren oder Smart Watches. Diese erfassen dabei auch sensible persönliche Daten. Ein neues Forschungsprojekt möchte nun einen Weg zu einem selbstbestimmten Umgang mit den persönlichen digitalen Daten finden.

Fitnesstracker und Smart Watches sammeln alle möglichen Daten - nun wird an einer Möglichkeit geforscht, wie Menschen selbstbestimmt mit ihren Daten umgehen können.
Fitnesstracker und Smart Watches sammeln alle möglichen Daten - nun wird an einer Möglichkeit geforscht, wie Menschen selbstbestimmt mit ihren Daten umgehen können.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die eigene Gesundheit und deren Vermessung gehören derzeit zu einem der großen gesellschaftlichen Trends. Dadurch haben sich auch Fitness-Tracker, Sportuhren und Smart Watches in den vergangenen Jahren stark verbreitet. Sie kombinieren Werte wie die Herzfrequenz, das Gewicht und verschiedene Bewegungsdaten, um den Anwendern bei der Führung eines gesunden Lebensstils zu helfen.

Zwar können die sogenannten Wearables die Nutzer dabei unterstützen, gesünder zu leben oder sich mehr zu bewegen, doch der Zugriff und die Verwaltung der gesammelten Daten gestaltet sich of schwer. So ist die Verwendung der Daten nicht immer leicht zu verstehen und auch die passenden Datenschutzeinstellungen lassen sich nur schwer vornehmen. Die Arbeitsgruppe Mensch-Technik-Interaktion vom Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen entwickelt daher jetzt gemeinsam mit Partnern neue Technologien, die für Transparenz sorgen und einen souveränen Umgang mit den eigenen Daten ermöglichen sollen. Letzteres beschreibt beispielsweise Infografiken, die mit Hilfe von Augmented Reality (erweiterte Realität) in den Raum projiziert werden, um Datenflüsse anschaulich darzustellen.

Interaktive Nutzerprofile für die Datenübersicht

Zur statischen Bebilderung von Einverständnis- und Datenschutzerklärungen gibt es bereits verschiedene Ansätze. Das Projekt InviDas (Interaktive, visuelle Datenräume zur souveränen, datenschutzrechtlichen Entscheidungsfindung) will darüber hinaus gehen: im Mittelpunkt der Forschung stehen interaktive Darstellungen, um Einverständnis- und Datennutzungserklärungen verständlich und erlebbar zu machen. Dies soll durch Infografiken, Gamification (spielerisches Lernen) und In-Situ-Visualisierung ermöglicht werden.

Der konkrete Anwendungsfall hat zum Ziel, den Umfang des Datenprofils der Person mithilfe von Datenvisualisierung bildlich darzustellen. Daraus soll es dann möglich sein, Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten zu ziehen und Personen oder Organisation zu identifizieren, die Zugriff auf bestimmte Daten haben. Bisher existieren solche Nutzerprofil-Repräsentationen nur in nüchterner Textform, was die Interaktionsmöglichkeiten begrenzt.

„Über die Selbst-Quantifizierung des persönlichen Verhaltens führen diverse Endgeräte und Plattformen persönliche Daten zusammen und bieten die Möglichkeit, ein komplexes Profil der Nutzenden und ihrer Umgebung zu erstellen“, erklärt Dr. Johannes Schöning, Professor für Mensch-Computer-Interaktion am TZI. „Bei den Daten, die durch Wearables erhobenen werden, handelt es sich oft um sensible biometrische Gesundheitsdaten, deren Weitergabe und Verarbeitung nicht im Nachhinein geändert werden kann. Entsprechend hoch ist der Bedarf an einer Grundlage für die erleichterte, reflektierte Entscheidungsfindung zur Verwendung dieser Daten.“

TZI mit zwei Projekten im BMBF-Förderprogramm vertreten

Die Arbeitsgruppe Mensch-Technik-Interaktion bringt in das Projekt die umfassende Erfahrung in der Gestaltung, Entwicklung und Evaluierung von Benutzerschnittstellen sowie in der Datenvisualisierung ein. Weitere Projektpartner sind die Gesellschaft für Informatik (Verbundkoordinator), die RWTH Aachen, die Garmin Würzburg GmbH, die Stiftung Digitale Chancen und die Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Das Projekt läuft bis April 2023 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Technik zum Menschen bringen mit insgesamt 1,82 Millionen Euro gefördert. Im gleichen Förderprogramm ist das TZI bereits mit dem Projekt UsableSec@Home vertreten. Dort geht es um den Schutz vor Sicherheitslücken im Smart Home.

* Axel Kölling arbeitet in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Technologiezentrum für Informatik und Informationstechnik.

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