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Relayr-Studie So ist die (Krisen-)Stimmung in der Fertigungsindustrie

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die (Krisen-)Stimmung in der Fertigungsindustrie Deutschlands und der USA hat das IIoT-Unternehmen relayr untersucht. Danach spüren 54 Prozent der deutschen Unternehmen negative Effekte der Corona-Krise auf ihr Unternehmen; in den USA tun dies 67 Prozent. In beiden Ländern gilt Flexibilität als wichtigstes Instrument, um der Krise zu begegnen.

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Seit der Lockerung der Corona-Beschränkungen kommt die Industrie langsam wieder in Fahrt.
Seit der Lockerung der Corona-Beschränkungen kommt die Industrie langsam wieder in Fahrt.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Die Coronavirus-Pandemie hat eine globale Wirtschaftskrise ausgelöst, deren negative Auswirkungen noch nicht umfassend absehbar sind. Die für Deutschland wichtige Fertigungsindustrie ist erwartungsgemäß von der Krise stark betroffen, da diese wegen ihrer Globalität zu Engpässen in den Lieferketten, Umsatz und -Auftragsrückgängen führt bzw. führte. Aber auch andere Länder mit hohem Anteil der Fertigungsindustrie an der gesamten Wertschöpfung spüren die negativen Auswirkungen, so zum Beispiel die USA.

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Das IIoT-Unternehmen relayr hat jeweils 100 Unternehmen der produzierenden Industrie in Deutschland und den USA dazu befragt, wie sich die Krise auf ihr Unternehmen auswirkt, wie sie mit den Herausforderungen umgehen und wie sie die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung beurteilen.

Die Corona-Krise wird nach aktuellen Schätzungen sowohl in Deutschland als auch in den USA zu starken Konjunktureinbrüchen führen. Exportrückgänge und die schlechte Planbarkeit der zu erwartenden Entwicklung der Pandemie sowie der Wirtschaft hat eine Verunsicherung in der produzierenden Industrie zu Folge. Die kürzlich durchgeführte Studie von relayr und des Marktforschungsinstituts Forsa zeigt auf, wie Unternehmen der Fertigungsindustrien beider Länder selbst die Krise und ihre Auswirkungen auf das eigene Geschäft einschätzen.

Nicht alle Unternehmen wurden von der Krise getroffen

Laut der Umfrage beurteilen 21 Prozent der befragten deutschen Unternehmen die Effekte der Krise auf ihr Unternehmen als teils oder sogar sehr positiv, 25 Prozent bemerken keine relevanten Unterschiede. In den USA ist die Stimmung etwas schlechter. Aber auch dort schätzen immerhin 18 Prozent der Befragten die Krisenauswirkungen auf das eigene Unternehmen als teils oder sehr positiv ein, 15 Prozent sehen keinen Effekt auf ihr Geschäft.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen sieht jedoch negative Auswirkungen der Krise auf das Geschäft. 54 Prozent der deutschen Befragten sagen, die Krise habe einen teils oder sehr negativen Einfluss. In den USA sind es mit sogar 67 Prozent deutlich mehr. Als größte Herausforderungen der Krise wurden dabei ein Auftragsrückgang (D: 55 Prozent, USA: 58 Prozent), der Umsatzrückgang (D: 57 Prozent, USA: 54 Prozent) sowie die Sorge der Mitarbeiter vor einer Covid-19-Ansteckung (D: 44 Prozent, USA: 56 Prozent) genannt. Nur 16 Prozent der deutschen Unternehmen machen sich aber ernsthaft Sorgen um das Fortbestehen des Unternehmens; in den USA ist der Anteil mit elf Prozent noch geringer.

Investitionsverhalten überraschend stabil

Überraschend positiv fallen die deutschen Antworten auf die Frage aus, wie sich die Pandemie auf ihr Investitionsverhalten auswirkt. 30 Prozent der befragten deutschen Unternehmen wollen in 2020 ebenso viel investieren wie im vergangenen Jahr – 24 Prozent sogar mehr als 2019. In den USA ist die Investitionslaune nicht ganz so ausgeprägt: 17 Prozent wollen jenseits des "großen Teichs" Investitionen in gleicher Höhe wie im Vorjahr tätigen; 19 Prozent möchten mehr investieren. Demgegenüber planen 45 Prozent der deutschen Unternehmen niedrigere Investitionen als in 2019 – in den USA sind es 50 Prozent.

Doch welche Maßnahmen haben die befragten Unternehmen ergriffen, um die Herausforderungen der Krise zu meistern? Ganz vorne liegt hier die Antwort „erhöhte Flexibilität“ (D: 54 Prozent, USA: 59 Prozent). Den Kundenservice weiter verbessern 27 Prozent der deutschen und 24 Prozent der amerikanischen Unternehmen. Zudem setzen Unternehmen beider Länder auf technische Innovationen: 27 Prozent der deutschen sowie 25 Prozent der amerikanischen Unternehmen versprechen sich davon einen Weg aus der Krise. Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen in Deutschland (24 Prozent) wollen mit Veränderungen und Verbesserungen am bestehenden Produkt punkten – in den USA sind dies nur 14 Prozent.

Industrial Internet of Things auf dem Vormarsch

Die Unternehmen setzen verschiedene Technologien ein, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. In Deutschland wird mit großem Abstand das Industrial Internet of Things (IIoT) genannt, das bei 47 Prozent der Unternehmen zum Einsatz kommt. In den USA versprechen sich nur 32 Prozent der Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil durch den Einsatz von IIoT-Technologien.

Big Data bzw. Analytics nutzen in beiden Ländern je 33 Prozent. Auch bei der Nutzung künstlicher Intelligenz liegt Deutschland mit 35 Prozent deutlich vor den USA mit 22 Prozent. Diese Technologien werden dabei nicht nur grundsätzlich vorteilhaft für das jeweilige Geschäft angesehen, sondern auch in der aktuellen Lage. Von den Unternehmen, die eine oder mehrere der aufgelisteten Technologien verwenden, sind in Deutschland 95 Prozent der Ansicht, dies würde ihrem Unternehmen in der Krise helfen. In den USA sind es sogar 99 Prozent.

Equipment-as-a-Service-Geschäft wird immer beliebter

Eine komplette Änderung des eigenen Geschäftsmodells scheint aber nur für wenige der befragten Unternehmen eine Option zu sein: In Deutschland trifft das nur auf acht Prozent der Befragten zu, in den USA auf 16 Prozent. Dass neue Geschäftsmodelle wie Pay-per-Use-Modelle („Equipment-as-a-Service“) aber für Angebots- wie auch Nachfrageseite einen Vorteil in der aktuellen Krise darstellen könnten, erkennt ein Großteil der Befragten an. In Deutschland bewerten 26 Prozent der Unternehmen solche Geschäftsmodelle als großen oder sogar sehr großen Vorteil, 42 Prozent erkennen zumindest einen leichten Vorteil.

In den USA nennen 34 Prozent Pay-per-Use-Modelle jetzt einen großen bis sehr großen Vorteil. 29 Prozent sehen darin immerhin einen leichten Vorteil. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen gibt dann auch an, ein Pay-per-Use-Modell selbst zu nutzen (D: zehn Prozent, USA: 18 Prozent), anzubieten (D:17 Prozent, USA: 15 Prozent) oder sogar beides (D:14 Prozent, USA: neun Prozent.

Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen zeigen positive Effekte

Die ersten Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen, die im Mai vorgenommen wurden, zeigen erste positive Effekte. Acht Prozent der deutschen Unternehmen spüren seitdem eine deutliche Zunahme bei der Nachfrage nach ihren Produkten, 44 Prozent einen leichten Anstieg. In den USA sind die Zahlen noch etwas besser: Dort sehen 14 Prozent einen deutlichen Anstieg und 45 Prozent einen leichten im Vergleich zu den Wochen vor den Lockerungen.

Josef Brunner, CEO von relayr: „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind ein Ereignis, das sich mit nichts in der näheren Vergangenheit vergleichen lässt. Es ist daher besonders erfreulich, dass die für beide befragten Länder so wichtige Fertigungsindustrie eher optimistisch in die Zukunft schaut. Sie zeigt deutlich: Moderne Technologie, Flexibilität und Kundenzentriertheit sind extrem wichtige Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg insgesamt und die Bewältigung der aktuellen Situation im Besonderen. Auf diese Weise können Unternehmen auch in einer Ausnahmezeit die beste Basis dafür schaffen, ihre Zukunft und die Zukunft der Industrie mitzugestalten und zu sichern.“

Digitalisierung und Industrie 4.0: Aktueller Stand

Wo steht Deutschland bei der Digitalisierung seiner Industrie? In einer neuen Untersuchung vergleicht das Fraunhofer ISI erstmals, wie sich der Einsatz digitaler Technologien in
Industriebetrieben über mehrere Jahre hinweg verändert hat. Dazu wurden die Angaben von 1282 (2015) bzw. 1256 Unternehmen (2018) mit dem vom Fraunhofer ISI entwickelten „I4.0-Readiness Index“ ausgewertet, die im Rahmen der Erhebung Modernisierung der Produktion gesammelt wurden. Der Index erfasst anhand der drei Technologiefelder „Digitale Managementsysteme“, „Drahtlose Mensch-Maschine-Kommunikation“ sowie „Cyber-Physische Produktionssystem-(CPS-)nahe Prozesse“, wie weit sich Unternehmen auf den digitalen Wandel in der Industrie eingestellt haben.

Dabei gilt: Je besser die Unternehmen in den drei Technologiefeldern abschneiden, desto besser stehen sie im „I4.0-Readiness Index“ da. Dieser reicht von Unternehmen ohne jegliche I4.0-Technologien (Nicht-Nutzer), über Anwender von I4.0-Basistechnologien (Basisanwender) bis hin zu solchen, die in allen Teilgruppen und insbesondere auch den komplexeren Technologien (CPS-nahe Prozesse) weit fortgeschritten sind und diese aktiv anwenden (Spitzengruppe).

Die Ergebnisse zeigen, dass die digitale Transformation in den letzten Jahren vor allem bei den I4.0-Basisanwendungen stattgefunden hat. Das heißt im Umkehrschluss, dass der Anteil von Unternehmen, die keinerlei I4.0-Technologien anwenden, zurückging: So fiel der Anteil der Nicht-Nutzer in Deutschland von 23 (2015) auf 14 Prozent (2018), während der Anteil der Basisanwender von 61 auf 68 Prozent erhöht hat. In der Spitzengruppe gab es zwischen 2015 und 2018 hingegen nur einen geringen Zuwachs von zwei Prozent
.
Eine Betrachtung nach Betriebsgröße verdeutlicht zudem, dass vor allem kleinere Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Produktion aufholen konnten: Denn während der Anteil der Basisanwender zwischen 2015 und 2018 von 56 auf 71 Prozent anstieg, sank im gleichen Zeitraum der Anteil der Nichtanwender um 17 Prozent. Bei den Mittelständlern wurden dagegen nur geringe Fortschritte erzielt. Großunternehmen haben ihre gute Position beibehalten, konnten sich aber auch nicht verbessern – weder in der Spitzengruppe noch bei den Basisanwendern.

Originalpublikation

Relayr bietet Industrieunternehmen eine Komplettlösung für das Industrial Internet of Things (IIoT) und ermöglicht ihnen so eine risikofreie digitale Transformation. Das Unternehmen nutzt Datenerkenntnisse aus bestehenden Anlagen, Maschinen und Produktionslinien, um die Geschäftsergebnisse seiner Kunden zu verbessern. Relayr kombiniert IIoT-Technologie und deren Bereitstellung mit Finanz- und Versicherungsangeboten. Dadurch wird Industrieunternehmen der Weg für den Wechsel von CAPEX- (Investitionsausgaben) zu OPEX (Betriebskosten)-basierten Angeboten geebnet.

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