Cloud-Projekt So funktionieren die Gaia-X Federation Services

Von Sandro Kipar

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Auf der GXFS Connect 2022 wurde die Werkzeugkiste für Gaia-X-Dienste anhand eines konkreten Beispiels gezeigt. Auch die Kritik an dem Projekt wurde immer wieder aufgegriffen.

Sie gehören zu den ersten Anwendern von Gaia-X: Vivien Witt (Moderation), Jan Henrik Schönke (Leiter Forschung und Entwicklung der Lmis AG), Shalini Sahoo (Leitende Forscherin bei Bechtle), Gino Barnard (Projektmanager bei Univention), Harald Wagener (Gruppenleiter Cloud und IT an der Berliner Charité) und Jens Böcker (Böcker Ziemen Management Consultants).
Sie gehören zu den ersten Anwendern von Gaia-X: Vivien Witt (Moderation), Jan Henrik Schönke (Leiter Forschung und Entwicklung der Lmis AG), Shalini Sahoo (Leitende Forscherin bei Bechtle), Gino Barnard (Projektmanager bei Univention), Harald Wagener (Gruppenleiter Cloud und IT an der Berliner Charité) und Jens Böcker (Böcker Ziemen Management Consultants).
(Bild: Eco)

Gaia-X, das europäische Cloud-Projekt, muss zügig in die breite Öffentlichkeit gelangen. Da sind sich alle Teilnehmer der GXFS Connect 2022 am 7. und 8 September in Berlin einig. Das Ziel der Konferenz war deshalb: Gaia-X erlebbar machen. In großen Teilen gelang das den insgesamt 40 Speakern auch, wobei die Fortschritte von Gaia-X vor allem dann sichtbar wurden, als es um die GXFS Werkzeugkiste ging.

GXFS steht für „Gaia-X Federation Services“. Sie stellen die technischen Mindestanforderungen für den Aufbau und Betrieb eines cloudbasierten Dateninfrastruktur-Ökosystems dar. Auf dieser Grundlage sollen Open-Source-Dienste entwickelt werden, die von der Gaia-X Community schließlich weiterentwickelt werden können. Was auf dem Papier noch sehr abstrakt klingt, wurde auf der GXFS Connect zum ersten Mal in der Öffentlichkeit praxisnah gezeigt.

Daten bleiben beim Nutzer

Wie es der Name schon vermuten lässt, baut GXFS auf Föderationen auf. Dabei kann es sich zum Beispiel um Unternehmen handeln, die sich zu einem Daten-Ökosystem zusammengeschlossen haben. Zentraler Punkt dieser Föderationen ist der Katalog. Hier werden die Teilnehmer und ihre angebotenen Dienste aufgelistet. Mithilfe eines Suchfeldes können zum Beispiel Geschäftspartner schnell feststellen, ob innerhalb dieser Föderation jemand den aktuell benötigten Dienst anbietet. Mit wenigen Klicks kann der gewünschte Dienst schließlich in Anspruch genommen werden. Möglich mache das ein Data Contracting Service, mit dem rechtswirksam digital ein Vertrag unterschrieben werden kann sowie ein Data Exchange Logging Service, der die Transaktion nachvollziehbar und transparent aufzeichnet. Da Dienste sich verändern können, soll auch das im Katalog abgebildet werden.

Doch wie kommen Anbieter und Dienste in den Katalog und wie können Anwender auf diesen konkret zugreifen? Um Details in einem föderierten Katalog angezeigt zu bekommen, muss der Nutzer sich zunächst anmelden. Dies geht jedoch nur mit einer digitalen Identität. Nutzer bekommen diese in der Regel über ein Unternehmen. Dieses kann entscheiden, wie viele Daten seine Mitarbeiter innerhalb des Ökosystems teilen dürfen. Die Identität wird schließlich in einem sogenannten Wallet abgelegt. Ein Anbieter eines Dienstes entscheidet im Gegenzug, welchen Attributen, also bei der Identität hinterlegten Daten, er vertraut. Ein Attribut könnte etwa sein, dass die Person bei Daimler arbeitet oder die Position eines Systemadministrators inne hat.

Um Missbrauch zu vermeiden, werden die Selbstbeschreibungen der Nutzer per Self-Sovereign Identity (SSI) gespeichert. Jeder Teilnehmer am Ökosystem besitzt also mit seinem Wallet auch seine persönlichen Angaben. Sie werden nirgends zentral abgelegt. Die Kontrolle der Selbstbeschreibungen übernimmt ein Notarisierungsdienst. Ziel dieser Maßnahmen ist es, dass jeder innerhalb des Gaia-X-Ökosystems seinem Gegenüber und dessen Selbstbeschreibungen zu jeder Zeit vertrauen kann. Nur so könne der Handel mit Daten gelingen.

Das klingt kompliziert, weshalb auf der GXFS Connect 2022 ein konkretes Beispiel vorgeführt wurde. Der Nutzer muss zunächst das Portal seiner Föderation in einem Web-Client ansteuern. Er möchte einen Nging Webserver auf einer virtuellen Maschine buchen und gibt deshalb in das Suchfeld ein „Nginx Virtual Machine“. Ähnlich wie bei einer Suchanfrage in einem Web-Shop erscheint nun eine Liste mit Anbietern, die derzeit eine solche Infrastrukturkomponente anbieten. Mithilfe von Filtern kann der Nutzer außerdem das Suchergebnis verbessern, zum Beispiel bei der Frage des Serverstandorts. Für die Detailansicht der gelisteten Angebote ist eine Anmeldung erforderlich. Der Nutzer kann nun auf seinem Smartphone sein Wallet öffnen und einen QR-Code zur Authentifizierung scannen. Nun kann der Service mit wenigen Klicks gebucht und aus dem Portal heraus installiert werden. Im Dashboard erhält der Nutzer einen Überblick über gebuchte Services und kann weitere Daten zu deren Performance abrufen.

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Kritik am Zeitplan

Auch wenn die Stimmung auf der Bühne meistens ausgelassen und optimistisch war, bröckelte dieses Bild immer wieder. Die Veranstalter waren sich bewusst, dass es an dem Projekt Gaia-X durchaus Kritik gibt, was die Moderation am Anfang der GXFS Connect vorwegnehmen wollte. Ernst Stöckl-Pukall, Referatsleiter für Digitalisierung und Industrie 4.0 im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, wurde deshalb gleich als erstes gefragt, ob der Zeitplan für das Projekt in Gefahr ist. „Der Zeitplan passt eigentlich noch. Öffentliche Vergaberechte dauern eben“, erklärte daraufhin Stöckl-Pukall. Harald Summa, Hauptgeschäftsführer vom Verband Eco ergänzte: „Es ging 2019 los und kurz darauf brach die Pandemie aus. Wir standen vor der Herausforderung, viel Know-how mithilfe von digitalen Konferenzen zu delegieren.“ Die Remote-Arbeit bewerten die beiden Speaker als sehr ineffizient. Zweifler werde es zudem immer geben.

Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie, äußerte Verständnis für Kritiker, die sagen, dass es bei dem Projekt nicht schnell genug voran geht. „Ich werde wie viele andere Leute etwas nervös. Vielleicht hätten wir in den vergangenen fünf Jahren schneller vorankommen müssen“, so Plöger. Es sei wichtig, dass die digitalen Herausforderungen trotz anderer Krisen nicht aus den Augen verloren werden.

Und KMU? Als hätte er auf diese Frage gewartet, wendet sich Matthias Brucke, Gründer der Embeteco GmbH & Co. KG, während seines Panels plötzlich an das Publikum: „Wie viele Vertreter von KMU sind heute hier?“ Nur sehr wenige Hände gehen nach oben. „Die zentrale Fragen für KMU bei technischen Innovationen sind in der Regel: Was kostet es? Was bringt es? Bei den klassischen deutschen Mittelständlern ist das aktuell noch schwierig zu beantworten. Am ehesten könnten wir aktuell Software-Mittelständler erreichen“, erklärt Brucke. KMU bräuchten Schulungen und Blaupausen, um Gaia-X effektiv nutzen zu können. Mit einer Veranstaltung wie der GXFS Connect 2022 erreiche man sie nur schwierig.

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