Einkauf 4.0 Smarte Technologie für den stationären Handel der Zukunft

Redakteur: Margit Kuther

Der stationäre Handel befindet sich in einer schwierigen Phase. Doch er hat reelle Chancen, sich auch gegenüber Online-Riesen zu etablieren. Intel unterstützt ihn mit Technologien.

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Omnichannel: Alle Produkt- sowie Kundendaten stehen dem Händler unmittelbar während des direkten Kundenkontakts zur Verfügung.
Omnichannel: Alle Produkt- sowie Kundendaten stehen dem Händler unmittelbar während des direkten Kundenkontakts zur Verfügung.
(Bild: 2016 Josh Wood Photo/Intel)

Digitale Vertriebskanäle ziehen in vielen Branchen Marktanteile von den klassischen Ladengeschäften ab.

Händler versuchen, der digitalen Konkurrenz mit einem immer persönlicheren Einkaufserlebnis zu kontern, Angebot und Beratung werden möglichst individuell auf die Kunden zugeschnitten.

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Daten sind die Basis des Einkaufs der Zukunft

Hierbei sind Daten die grundlegende Basis aller aktuellen Trends im Handel. Ob ausführliches Fachwissen über die Produkte oder die Shopping-Historie des Kunden – über die zunehmende Vernetzung im Rahmen des Internets der Dinge (Internet of Things; IoT) entstehen riesige Datenfluten, deren Analyse und Auswertung diese Informationen umfassend liefern können.

Dank der neuesten Technik von Intel dokumentieren Sensoren und Sender beispielsweise lückenlos, an welchem Ort und in welchem Zustand sich die Ware gerade befindet.

Leistungsfähige Server entschlüsseln die Rohdaten

Das Verkaufspersonal kann vernetzte Tablets im Beratungsgespräch nutzen und so den aktuellen Stand über Verfügbarkeiten und Preise sowie einen detaillierten Überblick über die Produktfeatures erhalten.

Hinter den Kulissen arbeiten leistungsfähige Server und Algorithmen daran, aus den Rohdaten leicht nutzbare Hinweise und Hilfestellungen zu generieren. Unabhängig davon, wie man die derzeitige Phase des Handels bezeichnen möchte, wird eines deutlich: Am besten meistern Retailer diese branchenübergreifende Entwicklung durch den Einsatz von effizienter Technologie.

Neue smarte Technologien für den Handel

Der vermehrte Einsatz von Technik im Einzelhandel klingt zunächst nicht nach einem persönlichen und einzigartigen Einkaufserlebnis. Allerdings liegt die Zukunft des stationären Handels genau darin: Der Besuch im Einkaufszentrum soll für Kunden so angenehm wie möglich gestaltet werden und der Shopping-Spaß im Vordergrund stehen. Unternehmen nutzen daher immer häufiger aus dem Internet der Dinge gewonnene Daten für immer individuellere Einkaufserlebnisse.

Hundertprozentige Genauigkeit der Lagerbestände

Zum ersten Mal wird via IoT eine nahezu 100-prozentige Genauigkeit der Lagerbestände erzielt. Intel liefert hardware- und softwareseitig die entsprechenden Technologien. Mit RFID-Sensoren ausgestattete Waren können unkompliziert über Intels Retail-Sensor-Plattform nachverfolgt werden.

Sie sammeln Daten über das Produkt, zum Beispiel den Weg vom Lager zur Verkaufsfläche und in die Umkleidekabine. Über Cloud-basierte Analysetechniken werden diese Informationen nahezu in Echtzeit ausgewertet und direkt in wichtige Erkenntnisse über Lagerbestände, Kundenaufkommen und die örtliche Nachfrage umgewandelt.

Nutzung der Sensordaten bei Levi Strauss

Levi Strauss & Company gehört zu den ersten, die diese Technik bereits in ihrem Geschäft in San Francisco in die Praxis umgesetzt haben. Aus den generierten Sensordaten konnten innerhalb kürzester Zeit erste messbare Erfolge erzielt werden:

Umsatzeinbußen durch verlegte oder vergriffene Produkte wurden maßgeblich reduziert. Zudem stieg die Kundenzufriedenheit signifikant.

Wichtigster Gewinn war allerdings ein tieferes Verständnis für die Motivation der Kunden, welche Aktionen letztendlich zum Kauf geführt haben.

Die Real-Sensor-Plattform von Intel

Die Real-Sensor-Plattform von Intel liefert mittels Heatmaps von Kundenbewegungen und Videoanalysen detaillierte Einblicke in das Käuferverhalten.

Die Plattform informiert den Verkäufer zudem über den aktuellen Warenbestand und den Lagerort. Desweiteren kann der Verkäufer dem Kunden individuell und schnell bei der Suche nach bestimmten Produkten helfen.

Digitale Outfitberatung in der Umkleidekabine

Aber nicht nur auf der Verkaufsfläche und im Lager sind die RFID-Sensoren von Vorteil – auch in der Umkleidekabine ermöglichen sie ein völlig neues Einkaufserlebnis.

Über einen interaktiven Touchscreen kann der Kunde in der Umkleidekabine direkt mit einem Verkäufer kommunizieren und sich beispielsweise eine andere Größe in die Kabine bringen lassen. Desweiteren erhält der potenzielle Käufer eine digitale Outfitberatung. Dies ist bereits heute in ersten Pilotprojekten verfügbar.

Der MemoryMirror, ein elektronischer Spiegel auf Basis neuester Intel-Technologie, wird durch Gesten gesteuert und visualisiert verschiedene Outfits am Kunden. So können Käufer überprüfen, was ihnen am besten steht, bevor der Artikel gekauft wird.

Magic Mirror von Intel hilft bei der Produktwahl

Im Hintergrund arbeitet die Intel-RealSense-Technik, eine Kamera mit 3D-Funktion. Ein chinesischer Schmuckhersteller nutzt die Tiefenerkennungstechnologie bei seinem „Magic Mirror“: Zu Beginn wurden verschiedene Präsentationsschatullen miteinander kombiniert. So kann die ausgesuchte Kette mithilfe eines „ virtuellen Spiegels“ an den Hals des Kunden projiziert werden, lebensecht und ohne das tatsächliche Produkt zu berühren.

Von diesen Lösungen können Händler und Kunden gleichermaßen profitieren. Die Ladenfläche wird optimal bestückt. Damit ist Ware nie vergriffen und wird stets exakt nach Bedarf bestellt. Größen und Farben der Kleidungsstücke befinden sich immer an der richtigen Stelle, weil das Personal die Ware dank elektronischer Unterstützung am korrekten Platz einsortiert. Dass diese Technik im Hintergrund zudem Fehlerquellen und Versäumnisse der Händler reduziert, bemerken sie nicht einmal.

Egal, ob digital oder analog, der Kunde bleibt König

Eine Innenstadt ohne Ladengeschäfte – das ist auch für die progressivsten Zukunftsforscher unvorstellbar. Auf lange Sicht wird der stationäre Einzelhandel weiterhin zum gewohnten Bild in den Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen gehören. Wie die Geschäfte künftig operieren, was sie anbieten und welche Services die Kunden erwarten können, zeichnet sich schon heute ab.

Der Onlinehandel boomt und zieht in vielen Branchen an klassischen Ladengeschäften vorbei. Doch bei allem Kampf um Marktanteile und Umsätze, trotz des Kostendrucks und hauchdünner Margen – der Kunde bleibt König. Die potenzielle Käuferschaft ist verstärkt auf der Suche nach einzigartigen Shopping-Erlebnissen, erwartet mehr Service, bessere Preise und möglichst individuelle Angebote.

Mit Technik das Einkaufserlebnis im Geschäft verbessern

Allerdings hat die Mehrzahl der Einzelhändler diese Technik bislang kaum eingesetzt, um das Einkaufserlebnis für den Kunden zu verbessern. Nur wenige Retailer verfügen zum Beispiel über eine effiziente Bestandsüberwachung, damit fehlende Größen rechtzeitig nachbestellt oder vom Lager auf die Fläche geräumt werden können.

Damit ein Ladengeschäft zukünftig sowohl konkurrenzfähig als auch für Kunden attraktiv bleibt, braucht es keine Wunder – das Stichwort heißt Omnichannel. Alle Produkt- sowie Kundendaten werden zu einem einheitlichen Datensatz synchronisiert und stehen dem Händler unmittelbar während des direkten Kundenkontakts zur Verfügung. Dazu zählen beispielsweise Preisangaben sowie aktuelle Informationen zu Bestand, Lieferfähigkeit und Lieferdatum. Zudem können alle Informations- und Kaufentscheidungswege der Abnehmer in diesem Datensatz gebündelt und gesamtheitlich betrachtet werden.

IoT als Basis für den erfolgreichen Einzelhandel der Zukunft

Heatmaps, Videoanalysen, IoT und Big Data – das klingt wie aus dem Labor eines High-Tech-Startups und nicht nach Regalen, Kleiderstapeln und einer Ladenkasse. Doch der Handel gilt nicht umsonst weltweit als eine der innovativsten Branchen. Online-Riesen wie Amazon oder Zalando waren durch ihre disruptiven Geschäftsmodelle fast im Alleingang dafür verantwortlich, dass sich das Internet als echte Shopping-Alternative im täglichen Leben durchgesetzt hat. Grundlage dafür sind zum einen die Daten selbst und zum anderen die Handlungen, die Unternehmen aus der Analyse der Daten ableiten.

Hier kommt Big Data Analytics ins Spiel, das im Handel mittlerweile – nicht nur bei Online-Retailern – nach Kräften genutzt wird. Intel liefert durch die extrem leistungsfähigen Xeon-Prozessoren, die in vielen Servern von Handelsunternehmen verwendet werden, die Basis für schnelle und aussagekräftige Analysen. Intelligent aufbereitete Daten beschleunigen Entscheidungen, vermindern Fehler und bringen zahlreiche operative Vorteile für Marketing, Vertrieb und Interaktion mit den Kunden mit sich. So lassen sich Lagerhaltungen durch Datenanalyse optimal auf den Warenfluss abstimmen, Sonderangebote an Trends bei besonders nachgefragten Produkten in Echtzeit ausrichten und die passenden Produkte für Kunden erkennen und anbieten.

Der lokale Handel hat Chancen gegenüber Online-Riesen

IoT-Entwicklungen im Handel stehen noch am Anfang. Dabei ist es bereits heute möglich, das Verkaufspersonal mit mobilen Endgeräten und einer intuitiven Dashboard-Benutzeroberfläche auszustatten. So haben sie jederzeit direkten Zugriff auf die neuesten Informationen über jedes Produkt.

Die Bereitschaft, den Kampf gegen die Online-Riesen mit innovativer Technologie aufzunehmen, ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Dem stationären Handel wird bewusst, dass er in Zukunft so viele smarte Hilfsmittel wie möglich einsetzen sollte, um Kunden in seinen Geschäften zu halten und verloren gegangenes Potenzial zurückzugewinnen.

Ein effektiver und datenbasierter Geschäftsbetrieb ist dazu zwingend notwendig, um die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS erschienen.

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