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Digitalisierung

Smarte Flughäfen: mehr Sicherheit, mehr Komfort

| Autor/ Redakteur: Bernhard Müller-Hildebrand / Jürgen Schreier

Der Airport London-Heathrow startet mit dem Internet of Things und Datenanalyse voll durch. Weltweit optimieren immer mehr Flughäfen mit Hilfe der Digitalisierung ihren Betrieb. So erhöhen sie die Sicherheit und verbessern den Komfort für den Reisenden.

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Die Digitalisierung bietet Flughäfen große Chancen bei der Optimierung des Betriebs
Die Digitalisierung bietet Flughäfen große Chancen bei der Optimierung des Betriebs
(Bild: Flughafen München)

Als siebtgrößter Flughafen der Welt platzt London-Heathrow bereits heute aus allen Nähten. Mit 78 Millionen Passagieren – 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr – wurde 2017 ein neuer Rekord erreicht. Wenn hier eine Maschine landet und die Fluggäste aussteigen, geht im Untergrund die Arbeit so richtig los. Mehrere Stockwerke unter der Erde rasen Hunderte Koffer über kilometerlange Gepäckförderanlagen durch Tunnel in jene Terminals, von denen aus direkt weitergeflogen wird. Wenn eine dieser Anlagen ausfällt und die Koffer hängen bleiben, kann das zum Albtraum für die Passagiere werden – und teuer für die Airlines. Je klüger und ausgereifter die Technologie in den Katakomben von Heathrow, desto zuverlässiger der Gepäckservice.

Seit Siemens vor wenigen Monaten einige Kilometer Förderanlagen an sein offenes IoT-Betriebssystem Mindsphere angebunden hat, läuft es rund in London. „Die Anlage arbeitet nahezu ohne Ausfälle“, freut sich Michael Reichle, CEO von Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics (SPPAL). Der Auftrag des Airport-Managements war klar: Die Verfügbarkeit der Gepäckförderanlage weiter zu verbessern. Deshalb erarbeitete das Siemens-Team ein neues Wartungskonzept und setzte dabei erstmals intelligente Sensoren, das Internet of Things und Cloud-Technologie ein.

„Damit beugen wir Anlagenstillständen vor und vermeiden kostspielige Betriebsunterbrechungen“, erläutert Reichle. Der Flughafenbetreiber profitiere so von einer noch effizienteren und zuverlässigeren Gepäckförderanlage – rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Gleichzeitig sei der Einsatz von Mindsphere ein Schritt in Richtung digitale Transformation des größten britischen Airports

Gepäckförderanlage wird vorausschauend gewartet

Dazu stellt Heathrow den Service der Gepäckförderanlage sukzessive von der Wartung nach festgelegten Intervallen („time-based maintenance“) auf eine zustandsorientierte Wartung („condition-based maintenance“) um. Zur Unterstützung dieses innovativen Ansatzes wurden überall an den Förderanlagen Sensoren angebracht, die Geräusche aufnehmen und die Dicke von Blechen und Rollenbeschichtungen sowie die Schwingungen der angetriebenen Wellen messen. Diese Daten werden an die Mindsphere-Plattform übertragen und mit den Solldaten verglichen.

Die Auswertung visualisiert Siemens mit einer eigenen Dashboard-Lösung, die bereits erfolgreich an großen internationalen Flughäfen wie dem von Los Angeles oder Dubai im Einsatz ist. Das Dashboard läuft auf allen Geräten mit Internetzugang vom Laptop über Tablet-PCs bis zum Smartphone. Anhand anschaulicher Grafiken erkennt das Service-Team vor Ort eventuelle Auffälligkeiten auf einen Blick. Das Personal kann notwendige Wartungsmaßnahmen rechtzeitig einplanen, und die Anlage bleibt dauerhaft voll funktionsfähig.

„Neben der Prozessoptimierung für die Flughafenbetreiber haben wir auch immer die Verbesserung des Passagierkomforts im Fokus“, sagt Michael Reichle. Schon heute würden über 80 Prozent der Passagiere Heathrow als „sehr gut“ oder „ausgezeichnet“ bewerten. Der digitale Wandel des Airports solle dafür sorgen, dass dies so bleibe oder sogar noch besser werden. Das Internet of Things, cloudbasierte Datenanalytik und Künstliche Intelligenz könnten dabei helfen, ein deutliches Plus an Effizienz, Transparenz und Planbarkeit zu erreichen.

Bluetooth-Beacons für Plug & Play-Installation

So sorgt das Analytics Starter Kit von Siemens dafür, dass sich Flughafenbetreiber und Bodenabfertigungsfirmen schnell und einfach mit den Möglichkeiten der Datenerfassung und -auswertung vertraut machen können. Das Set umfasst zum Beispiel Bluetooth-Sensoren, die von den Mitarbeitern nach dem Plug & Play-Prinzip selbst an ihren Anlagen angebracht werden können.

Diese Beacons übertragen die erfassten Daten direkt an Mindsphere. Dort erfolgen je nach Bedarf zum Beispiel Vibrations- oder Temperaturanalysen. Anhand dieser Messdaten lassen sich Ausfälle vorhersagen und sinnvolle Wartungsmaßnahmen veranlassen. Der Anwender erhält eine App, die einfach zu installieren und in Betrieb zu nehmen ist und auf der die Analyse-Ergebnisse leicht verständlich präsentiert werden.

Bei der PPC-Software (Planning, Prediction & Control) – einem weiteren Element – geht es darum, eventuelle Engpässe frühzeitig und zuverlässig vorherzusagen sowie Personal- und Anlagenressourcen optimal zu planen. Mindsphere ermöglicht es hier beispielsweise, Gepäckdaten transparent zu machen und mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) intelligent zu verknüpfen.

„Das bietet entscheidende Vorteile für die Fluggäste: So steigt der Passagierkomfort beispielsweise durch eine Verringerung der Wartezeit bei der Gepäckabholung deutlich“, ist Reichle überzeugt. Darüber hinaus könnten so die Ursachen für Gepäckverluste besser aufgedeckt und effektiv bekämpft werden.

Riesige Datenmengen in Echtzeit auswerten

Doch die Digitalisierung der Gepäckförderung ist erst der Anfang. Viel Potenzial sieht der SPPAL-CEO künftig vor allem bei der digitalen Optimierung der gesamten Transportkette – den Weg von der Haustür bis zum Flugzeugsitz unter dem Stichwort „Seamless Travel“. Zur Lösung der anstehenden Aufgaben, Komfort und Sicherheit der Passagiere zu verbessern und die Betriebsabläufe kostengünstig zu optimieren, sei Mindsphere als offene IoT-Plattform optimal geeignet. "Mit Mindsphere lassen sich schnell neue Apps und digitale Services entwickeln und betreiben. So können die immensen Datenmengen, die im Flughafen anfallen, in Echtzeit gesammelt und ausgewertet werden. „Gleichzeitig werden damit bisher getrennte Datensilos vernetzt und daraus Informationen zur späteren Optimierung der Prozesse abgeleitet“, unterstreicht Reichle.

Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Internet oft Things und Industrie 4.0.
Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Internet oft Things und Industrie 4.0.
(Bild: Autor)

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