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Digitalisierung

Smart Strategy

| Autor/ Redakteur: Dr. Jochen Schlick* / Sebastian Human

Der Industrie 4.0 Index 2018 zeigt: Jedes zweite Industrieunternehmen in Deutschland hat im Rahmen der eigenen digitalen Transformation bereits die operative Phase erreicht. Wem der Weg in Richtung Smart Factory noch bevorsteht, muss vorher allerdings einige Hürden überwinden.

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Eine Smart Strategy hilft beim Weg in die Digitalisierung.
Eine Smart Strategy hilft beim Weg in die Digitalisierung.
( Bild: Photo by rawpixel on Unsplash / CC0 )

Der Begriff ‚Industrie 4.0‘ tauchte erstmals Anfang des Jahrzehnts auf, als Vision für die nahe Zukunft. Inzwischen sind wir in dieser Zukunft angekommen, denn Industrie 4.0 und Digitalisierung setzen sich mehr und mehr durch. Das zeigt der Mehrjahresvergleich der Ergebnisse im Industrie 4.0 Index: 2014 hatte sich ein gutes Drittel der Unternehmen noch überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt, 2016 waren es nur noch ein Fünftel und in diesem Jahr sind es weniger als ein Zehntel der rund 450 für die Studie befragten Unternehmen, die vor allem aus dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Automotive-Sektor stammen.

Entsprechend ist die Anzahl der Unternehmen angestiegen, die zumindest Einzelprojekte aus dem Bereich der Smart Factory umsetzen, von 14 Prozent im Jahr 2014 auf 43 Prozent. Da weitere neun Prozent der Unternehmen das Konzept umfassend operativ nutzen, ist der Kern der Industrie 4.0 somit in diesem Jahr in gut jedem zweiten Unternehmen angekommen.

Nachholbedarf gibt es hingegen immer noch bei den neuen Geschäftsmodellen – Stichwort Smart Business. Nur gut ein Viertel der Unternehmen (26 Prozent) hat entweder bereits einzelne smarte Produkte oder Services im Angebot (21 Prozent) oder das Portfolio schon um komplett neue digitale Geschäftsmodelle erweitert (fünf Prozent). Immerhin sind weitere 30 Prozent der Unternehmen dabei, entsprechende Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln.

Insgesamt wird aus dem zum fünften Mal erhobenen Industrie 4.0 Index klar, dass die Rede vom digitalen Rückstand zu einseitig ist. Die digitale Transformation und die damit verbundenen ‚Smart‘-Konzepte entwickeln sich mit beachtlicher Geschwindigkeit.

Dabei werden zuerst die eher niedrig hängenden Früchte gepflückt: Automatisierung und Effizienzsteigerung. Smarte Produkte und Services sind schon seltener und vollständig digitalisierte Geschäftsmodelle werden nur von einer Minderheit verwirklicht.

Disruptive Angriffe

Dieses Gefälle zwischen Produktionstechnik und kundenseitigen Angeboten zeigt sich auch in den Motiven der Unternehmen: Effizienz (80 Prozent) und Transparenz (71 Prozent) sind in erster Linie der Motor des unternehmerischen Handelns. Die Verwirklichung disruptiver Geschäftsmodelle verbleibt dagegen meist im Hintergrund. Dabei ist den Geschäftsführungen bewusst, dass jederzeit ein anderes Unternehmen als Pionier ein neues, digitales Geschäftsmodell verwirklichen und den Markt aufbrechen kann. Laut aktuellem Industrie 4.0 Index erwartet gut jedes vierte Unternehmen schon innerhalb der nächsten zwei Jahre einen disruptiven Angriff auf das eigene Geschäftsmodell.

Die Konkurrenz von Start-ups oder gar von Silicon-Valley-Riesen befürchten Unternehmen aus den betrachteten Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik und Automotive dabei nicht. Vielmehr rechnet die Mehrheit (70 Prozent) mit einer Bedrohung durch direkte Konkurrenten. Das ist sicher eine vernünftige Annahme, denn die Erfolgsfaktoren der deutschen Weltmarktführer können nicht so leicht nachgeahmt werden. Wie die ebenfalls in diesem Jahr von der Unternehmensberatung Staufen durchgeführte Studie „Best Strategy 2018 – Was deutsche Weltmarktführer besser machen“ ergab, sind dies in erster Linie die Nähe zu den (B2B-)Kunden und eine an den Nutzerbedarf angepasste Produktpalette.

Für Unternehmen mit überdurchschnittlichen Renditen sind neben diesen Punkten zwei andere Faktoren die Erfolgsgaranten: 90 Prozent nennen Innovationsstrategie und -fähigkeit, 75 Prozent betonen die Bedeutung der Unternehmenskultur. Es hilft also, sich die Weltmarktführer und Spitzenreiter in einzelnen Märkten genau anzuschauen, um Erfolg in der digitalen Transformation zu haben. Genaue Marktkenntnis und ein Blick auf die Bedürfnisse der Kunden helfen auch beim Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen, erfordern jedoch spezifisches Know-how.

Unternehmen mit erfolgreichen Digitalisierungsaktivitäten bauen gezielt digitales Wissen auf und setzen darüber hinaus auf ein strukturiertes Vorgehen mit klaren Prozessen. Trotzdem scheitern auch Digitalisierungsprojekte zu einem nicht unerheblichen Teil. Immerhin 14 Prozent der Unternehmen mit konkreten Projekten sind laut des aktuellen Industrie 4.0 Index mit den Ergebnissen bisher nicht zufrieden.

Smarte Produkte und Services

Eines zeigt die Befragung der Weltmarktführer ebenfalls: Es mangelt den Unternehmen nicht am Interesse an wichtigen Zukunftsthemen und neuen Ideen. Stattdessen ist eine gewisse Unsicherheit spürbar, wie der optimale Weg aussehen kann und vor allem, wie man das erworbene Wissen in Kompetenz und letztendlich auch in unternehmerischen Erfolg wandeln kann. Dabei sind die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen wirklich erfolgreicher, über den Erwartungen liegender, Digitalisierungsprojekte kein Geheimnis. Sie lassen sich aus den genannten Studien, aber auch aus konkreten Beratungsprojekten ableiten.

So kann jedes Unternehmen den Weg in die digitale Transformation gehen, wenn es die folgenden sechs Schritte beherzigt und die dort jeweils genannten Faktoren beachtet. Im Überblick lauten die sechs Schritte:

  • Das Top-Management als Treiber befähigen,
  • Kompetenzen gezielt aufbauen,
  • Erfahrungen mit Pilotprojekten sammeln,
  • Partner einbinden,
  • Produkte oder Services entwickeln und testen und schließlich
  • den Markt systematisch entwickeln.

Allerdings können die Unternehmen nicht davon ausgehen, diesen Pfad im Eiltempo zu bewältigen. Jeder Schritt benötigt seine Zeit und sollte keinesfalls überstürzt vorgenommen werden. Es ist auch keine gute Idee, einen Wegpunkt einfach auszulassen. Das beginnt schon beim ersten Schritt, der die Grundlage für alles Weitere legt: Das Top-Management muss die Digitalisierung verstehen und die Rolle des Treibers einnehmen.

Denn bevor sich das Gros der Mitarbeiter digitales Wissen aneignet, muss das bereits für die gesamte Führungsebene geschehen sein – vom Inhaber oder Geschäftsführer bis hin zu den Abteilungsleitern. Doch wie kommt „das Digitale“ in eine eher traditionell ausgerichtete Geschäftsführung? Durch Lernen! Zum Beispiel durch Besuche und Gespräche mit den Vorreitern in und außerhalb der eigenen Branche sowie durch Versuch und Irrtum. Digitalisierung bedeutet, sich und das Unternehmen ständig und schnell an sich ändernde Gegebenheiten anzupassen und weiterzuentwickeln. Zudem gibt es in jedem Unternehmen digitale Vorreiter, häufig aus der jüngeren Generation, die dieses Thema in die Hand nehmen und bei ihren Kollegen dafür werben sollten.

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