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Expertenbeitrag

 Nitesh Bansal

Nitesh Bansal

Senior Vice President und Global Head of Engineering Services

New Work Smart Spaces: Asset-Effizienz und -Nachhaltigkeit

Autor / Redakteur: Nitesh Bansal / Sebastian Human

Nicht nur die Produktion der Zukunft, auch andere Arbeitsumgebungen werden smart. Vorteile können eine effizientere Energienutzung oder personalisierte Arbeitsplätze sein – und vor allem letzteres ist bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend gefragt.

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Zukünftige Arbeitskräfte haben konkrete Erwartungshaltungen hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Arbeitsumgebung – Unternehmen sollten daher beginnen, auch ihre physischen Infrastrukturen auf den Prüfstand zu stellen.
Zukünftige Arbeitskräfte haben konkrete Erwartungshaltungen hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Arbeitsumgebung – Unternehmen sollten daher beginnen, auch ihre physischen Infrastrukturen auf den Prüfstand zu stellen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Im Oktober 2019 veröffentlichte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Leitbild 2030 für Industrie 4.0: Im strategischen Fokus stehen Souveränität, Interoperabilität und Nachhaltigkeit. In der nächsten Phase der Industrie 4.0 geht es nun um die Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – und damit auch eines digitalen Ökosystems.

Um diesen Wandel erfolgreich umzusetzen, müssen die zukünftigen Arbeitskräfte digitaler werden. Bildungseinrichtungen und Unternehmen entwickeln und implementieren aktuell Programme, um ihre bestehende Belegschaft fit für die digitale Transformation zu machen sowie Berufseinsteiger auf ihre künftige Karriere vorzubereiten.

Obwohl wir momentan natürlich noch nicht wissen können, was die Zukunft mit sich bringt, ist bereits jetzt deutlich: Für die Arbeitskräfte der Zukunft gehören neue Technologien wie das Internet of Things, Big Data, Image Analytics oder Vision Sensing, künstliche Intelligenz und Machine Learning sowie die Interaktion mit technologischen Infrastrukturen zur Performance-, Produktivitäts- und Effizienzsteigerung zum Alltag.

Die Arbeitskräfte der Zukunft haben allerdings bestimmte Erwartungen und Anforderungen an ihre Arbeitgeber und ihre Arbeitsumgebung. Unternehmen müssen daher ihre bereits existierende physische Infrastruktur überdenken und digitale Technologien inkludieren, die unter anderem die Zusammenarbeit fördern, die operative Effizienz steigern und die Erfahrungen der Mitarbeiter positiv beeinflussen.
Die Umsetzung sogenannter Smart Spaces ist für Unternehmen entsprechend nicht länger ein „Nice-to-Have“, sondern ein „Must-Have“, um sich wettbewerbsfähig und zukunftssicher aufzustellen – sowohl aus wirtschaftlichen, umweltpolitischen und geschäftlichen als auch aus einer menschlichen Perspektive.

Internet of Things als wichtigster Treiber

Welche Rolle übernimmt dabei das Internet of Things? Das IoT ist der wichtigste Treiber und gleichzeitig die Basis von Smart Spaces – es schafft völlig neue und intuitive Anwendererfahrungenund rückt den Nutzer in den Fokus.

Das IoT ist sowohl für die Erfassung als auch für die Reaktion auf die Anforderungen und Präferenzen der Anwender innerhalb des Gebäudes verantwortlich – beispielsweise Beleuchtung, Kühlung – und erstellt eine Art digitalen Fußabdruck jedes Nutzers. Das System erkennt den Anwender, sobald er sich einloggt, und passt die individuellen Einstellungen der Arbeitsumgebung automatisch an seine Bedürfnisse an. Dieser individuelle digitale Fußabdruck und Datenstrom steht im gesamten Unternehmen zur Verfügung, das heißt wenn ein Mitarbeiter zu einer Niederlassung in einem anderen Markt reist, erkennt das System ihn trotzdem und stellt automatisch seine bevorzugte Arbeitsumgebung her. Ein großer Vorteil von Smart Spaces, aber Unternehmen müssen lokale/regionale Compliance-Regulierungen – wie die DSGVO in Deutschland – berücksichtigen und den Nutzern die Wahl lassen, ob sie daran teilnehmen oder nicht.

Andererseits reduziert der Einsatz von IoT-Lösungen in Kombination mit verbesserter Sicherheit und Asset-Verfügbarkeit sowie der Vernetzung zu physischen Assets den ökologischen Fußabdruck und fördert die Nachhaltigkeit – ein Thema, das in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Im Idealfall entwickelt sich der Smart Space weiter und vernetzt die intelligenten Systemlösungen im Inneren mit externen Systemen. Ein Beispiel ist der Infosys Mysore Campus in Indien. Das Referenzprojekt bietet ein ganzheitliches Ökosystem, das die folgenden Aspekte abdeckt:

  • Environment Sensing Network, inklusive Luftqualität, Fußgängerverkehr, Sonnen-/Lichtbelastung, Kondensation und Geräuschpegel
  • Energie und Nachhaltigkeit, darunter Micro und Smart Grids, fortschrittliche Messtechnik, dezentralisierte Solar- und Batteriespeicher, intelligente LED-Straßenlampen, drahtlose Energie sowie intelligente Strom-, Licht- und Klimasysteme, Vehicle-to-Grid-Ladung usw.
  • Kommunikation, inklusive Wi-Fi, Glasfaser und öffentliches Data Sharing
  • Mobilität, einschließlich dynamischer Ampeln, Shared Mobility, autonomer Fahrzeuge, intelligentes Verkehrs- und Parkraummanagement, Park- und Routenapplikationen, intelligenter Fußgängersicherheit, Hochwassersensoren usw.
  • Abfall, darunter GIS-Sensorik, Müllcontainersensoren und datenoptimierte Aufnahme und Beseitigung usw.
  • Innovation, einschließlich intelligente LED-Beschilderung, interaktive Kioske, Luftqualitätskontrolle, Echtzeit-Informationsreaktion
  • Abwasser, inklusive Wasserwiederverwendung, fortgeschrittene Messtechnik, integrierte Katastrophenhilfe, Verwaltung von Behandlungssensorsystemen, Vernetzungsanwendungen und weitere
  • Wellness, einschließlich Gesundheitsfernüberwachung, vernetzte Grünflächen, vernetzte und Ausbildungseinrichtungen

Das gesamte Ökosystem wird mit begrenzter manueller Unterstützung in einem Kontrollraum verwaltet. Daten werden in Echtzeit überwacht und gemessen, um Leistung und Effizienz zu verbessern. Innerhalb von nur zehn Jahren erzielten die intelligenten Campus-Ökosysteme wertvolle Ergebnisse und Benchmarks. Unter anderem wurde der Energieverbrauch um 55 Prozent reduziert, 46 Prozent der Elektrizität wird aus erneuerbaren Ressourcen geliefert, der Wasserverbrauch wurde um 60 Prozent gesenkt und Kunststoffabfälle werden zu 100 Prozent recycelt. Darüber hinaus wurden die Kohlenstoffemissionen jährlich um 9,3 Prozent reduziert, so dass der Campus seit 2020 kohlenstofffrei ist – eine Leistung, die mit dem UN Global Climate Action Award in der Kategorie Climate Neutral Now ausgezeichnet wurde. Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, was heute schon möglich ist, und bietet einen Ausblick in die Zukunft.

Smart Spaces sind die Zukunft. Unternehmen müssen Wege finden, um das Verständnis für Technologien zu fördern, Investitionsbarrieren abzubauen und gleichzeitig die Mitarbeiter zu motivieren, sich mit der neuen Arbeitsumgebung auseinanderzusetzen und die Akzeptanz zu fördern. Indem der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird, steigern neue Benutzererfahrungen automatisch Effizienz, Produktivität und Nachhaltigkeit.

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