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„Deutscher Startup Monitor“ und Bitkom-Studie

Sind deutsche Startups unglücklich?

| Autor: Sarah Gandorfer

Mit durchschnittlich über zwölf Mitarbeitern pro Neugründung etabliert sich das Startup-Ökosystem als bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland. In der Gründerszene spielen neue Technologien wie KI eine wichtige Rolle. Bemängelt wird fehlendes Kapital sowie bürokratische Hürden.

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(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Der Bitkom hat 321 IT- und Internet-Startups in Deutschland befragt und leitet daraus ein düsteres Bild der Gründerszene ab. So können sich aufgrund der seit Jahren schwierigen Finanzierung von Startups immerhin 27 Prozent vorstellen, ihr Unternehmen ins Ausland zu verlagern, weil es in Deutschland zu wenig Kapital gibt.

Durchschnittlich benötigen, gemäß dem Bitkom, hiesige Startups für die kommenden zwei Jahre 3,2 Millionen Euro. Das ist etwas mehr als noch vor einem Jahr (3,1 Millionen Euro) und deutlich mehr als noch 2017 mit 2,5 Millionen Euro. Gleichzeitig gibt nicht einmal jeder fünfte Gründer (18 %) an, dass dieser Kapitalbedarf bereits gedeckt ist. Vor einem Jahr hatten noch 26 Prozent der Startups genug Kapital für die kommenden beiden Jahre. Mit 79 Prozent ist allerdings die Mehrheit der Studienteilnehmer optimistisch, das nötige Kapital zu erhalten.

„Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten rund um Startups geschaffen. Gerade die Wachstumsfinanzierung mit ein- oder zweistelligen Millionenbeträgen ist aber unverändert schwierig“, findet Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die einseitige Fixierung auf die Gründungsphase schadet dem Startup-Standort Deutschland. Der im Koalitionsvertrag angekündigte deutsche Digitalfonds könnte zumindest ein erster Schritt für eine bessere Finanzierung sein.“

Der Kapitalbedarf unterscheidet sich je nach Größe der Startups. So fehlen Neugründungen mit ein bis drei Mitarbeitern im Schnitt nur rund 770.000 Euro, bei jenen mit 4 bis 9 Mitarbeitern sind es 1,3 Millionen Euro und bei solchen mit 10 bis 19 Mitarbeitern geht es um einen Kapitalbedarf von 3,6 Millionen Euro. Am meisten Kapital benötigen Startups mit 20 oder mehr Mitarbeitern, die im Schnitt 10,8 Millionen Euro brauchen.

Der „Deutsche Startup Monitor (DSM) 2018“ vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. ist im Gegensatz zu der Studie des Bitkom branchenübergreifend und mit Daten von 1.550 Startups zudem breiter aufgestellt. Neben dem bisher erhaltenen Kapital wollen knapp die Hälfte der Gründer weiteres Kapital aufnehmen. Entsprechend der größeren Zahl der Studienteilnehmer fällt dieser Betrag mit einer Milliarden Euro für die geplante Kapitalaufnahme für die nächsten zwölf Monate höher aus. Hier gaben 40 Prozent der Befragten an, mehr als eine Millionen Euro an Kapital aufnehmen zu wollen.

Dass im Vergleich zum Vorjahr weniger Gründer planen neues Kapital aufzunehmen, wertet der DSM, mit Bezug auf die ebenfalls abgefragten Unternehmensstrategien, als einen Beleg, dass die Startups Profitabilität gegenüber schnellem Wachstum priorisieren.

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Abhängigkeit von Digitalisierung

Es ist wohl wenig verwunderlich, dass eine Befragung der IT-Gründer-Szene, wie der Bitkom sie durchführt, dem Einsatz moderner Technologien sehr zugetan ist. So nutzen bereits drei von vier Startups Künstliche Intelligenz. 96 Prozent der Studienteilnehmer bemessen dem Thema eine große Bedeutung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu. Weiterhin als wichtig empfinden 97 Prozent Big Data und Analytics sowie mit 90 Prozent das Internet of Things, gefolgt von Cloud Computing (88 %). An fünfter Stelle steht die Robotik, welche 87 Prozent als bedeutend bezeichnen.

Wirft man einen Blick in den branchenübergreifenden „Deutschen Startup Monitor“, so wird auch hier der Einfluss des technologischen Fortschritts deutlich: 54 Prozent der Befragten geben an, dass sie von Digitalisierung im Allgemeinen bei ihrem Geschäftsmodell stark abhängig sind. Von Künstlicher Intelligenz hängt das Business von rund 16 Prozent ab, bei Virtual/Augmented Reality immerhin noch knapp fünf Prozent und von der Blockchain 2,7 Prozent.

Dabei geben drei von vier Startups an, Schwierigkeiten bei der Suche von IT-Fachkräften zu haben. Zumal der Anteil der Gründer mit einem Hintergrund in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Prozent zurückgegangen ist.

Fazit: Lebensqualität mit Hindernissen

Laut der DSM-Studie gaben 49 Prozent der Gründer an, zufrieden zu sein und eine gute Work-Life-Balance zu haben, obwohl sie durchschnittlich 56 Wochenstunden arbeiten. Das ist ein höherer Anteil, als in der Gesamtbevölkerung, wo nur 32 Prozent behaupten, zufrieden zu sein.

Vom Bitkom befragt nach den Qualitäten des Standortes Deutschland, gaben sich 94 Prozent zufrieden. Auch das Marktumfeld und die Infrastruktur passen. Als ärgerlich jedoch werden hierzulande die bürokratischen Hürden empfunden.

Der Bitkom und der Bundesverband Deutsche Startups sind sich einig: Die Politik muss innovativer und digitaler in Bezug auf Startups werden. So fordert der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups,Florian Nöll: „Bereits jetzt sehen fast 60 Prozent der Startups einen Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf ihr Unternehmen. Um diese und andere Schlüsseltechnologien zu fördern, braucht es eine politische Agenda, die eine signifikante Steigerung des Kapitalangebots für Startups vorantreibt. Zudem geben drei von vier Startups an, mit Schwierigkeiten beim Recruiting im IT-Bereich zu kämpfen. Auch hier ist die Politik befragt.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal IT-Business erschienen.

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