WannaCry & Co. Sicherheitskonzepte für die Health-Care-Industrie

Redakteur: Jürgen Schreier

Das Gesundheitswesen ist Teil der digitalen Transformation und wird dadurch Angriffsziel, wie die jüngsten Ransomware-Attacken belegen. Der Beitrag gibt einen Überblick über zu Sicherheitsstrategien und Best Practices.

Medizintechnische Geräte sind oft mit älterer Software ausgestattet, die sich nicht oder nur bedingt updaten lässt.
Medizintechnische Geräte sind oft mit älterer Software ausgestattet, die sich nicht oder nur bedingt updaten lässt.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Personenbezogene Daten geheim und sicher zu halten, ist im Gesundheitssektor außerordentlich wichtig. Mittlerweile ist es bereits 21 Jahre her, seit Titel I des Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA) in den USA verabschiedet wurde, um den Krankenversicherungsschutz für Arbeitnehmer und Familien zu gewährleisten.

2003 wurde Titel II als nationaler Standard für elektronische Transaktionen im Gesundheitswesen und nationale Kennzeichnungsvorschriften für Versorger, Krankenversicherungen und Mitarbeiter eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt wurden etliche Datenschutz- und Sicherheitsregeln zum Schutz elektronischer Gesundheitsdaten (e-PHI) definiert.

Gesundheitseinrichtungen sind Teil der digitalen Transformation

Vor einigen Jahren haben der US-Kongress und das Department of Health and Human Services (Gesundheitsministerium HHS) im Cybersecurity Act von 2015 die Health Care Industry Cybersecurity (HCIC) Task Force eingerichtet. Grund war die wachsende Sorge um Risiken und Bedrohungen der Cybersicherheit für das Gesundheitswesen. Erst vor kurzem hat die Task Force ihre Ergebnisse in einem sehr detaillierten Report on Improving Cybersecurity in the Health Care Industry veröffentlicht. Der Report betont die Dringlichkeit der empfohlenen Maßnahmen angesichts der wachsenden Zahl komplexer Cyberbedrohungen. Das Gesundheitswesen müsse eben diese Maßnahmen zeitnah zum Schutz der Systeme und Patienten umsetzen.

Gesundheitseinrichtungen sind Teil der digitalen Transformation. Das damit verbundene Versprechen: bessere Betreuung der Patienten und besserer Service. Patientenakten liegen heute fast immer vollständig digitalisiert vor, Patientenkontrolle und Datenerfassung sind inzwischen ebenfalls voll automatisiert. Nur folgerichtig steigt mit mehr digitalen Daten und Prozessen auch das Risiko von Cyberattacken exponentiell an.

Betriebssysteme von medizintechnischen Geräten oft veraltetet

Gesundheitseinrichtungen und -organisationen sind allein schon wegen hoch sensibler Patientenakten und des potenziell entstehenden Schadens ein lohnendes Angriffsziel. Zudem gelten sie als leicht angreifbar, weil eine Vielzahl von Personen und Mitarbeitern sich mit allen möglichen Geräten und zugänglichen Netzwerken verbinden.

Darüber hinaus sind ältere, anfälligere medizintechnische Geräte immer noch in Gebrauch. Sie sind häufig schwer zu aktualisieren, teuer zu ersetzen oder sehr wertvoll für die tägliche Patientenversorgung- Ein aktuelles Beispiel, das für Schlagzeilen sorgte, war die WannaCry-Ransomware-Attacke, die auf eine bekannte Windows-Schwachstelle abzielte. WannaCry richtete sich auch gegen zahlreiche Gesundheitseinrichtungen und verursachte in einigen Ländern - zum Beispiel UK - erhebliche Schäden. Dieser Angriff hätte mit einem einfachen Patch verhindert werden können.

Während die Arbeit der HCIC Task Force und die Veröffentlichung des Berichts zur Cybersicherheit eine Vielzahl von Richtlinien formulieren, die am NIST Cybersecurity Framework ausgerichtet sind, müssen die technischen Sicherungsmaßnahmen von HIPAA Teil der Cybersicherheits-Strategie aller Gesundheitsorganisation sein. Dieser kürzlich von Health IT Security veröffentlichte Artikel Implementing HIPAA Technical Safeguards for Data Security, bietet auch für Anwendungen hierzulande einen guten Überblick über technische Sicherungsmaßnahmen - und dazu, was passiert, wenn sie fehlen.

Was sind technische Sicherungsmaßnahmen?

Nach Definition der HIPAA Security Rule sind technische Sicherungsmaßnahmen die Technologie und die Richtlinien sowie Verfahren für ihren Einsatz, die elektronisch geschützte Gesundheitsdaten (e-PHI) absichern und den Zugriff darauf kontrollieren.

Zu den technischen Sicherungsmaßnahmen nach der HIPAA Security Rule gehören:

  • Zugangs-/Zugriffskontrolle - Eine vom Gesetz erfasste Einrichtung (Covered Entity) muss technische Richtlinien und Verfahren implementieren, die nur autorisierten Personen den Zugang zu e-PHI erlaubt.
  • Sicherheitsprüfungen und Kontrollen - Eine Covered Entity muss Hardware-, Software- und/oder Verfahrensmechanismen implementieren, um den Zugang und andere Aktivitäten in Informationssystemen, die e-PHI enthalten oder verwenden, zu erfassen und zu untersuchen.
  • Integritätskontrollen - Eine Covered Entity muss Richtlinien und Verfahren implementieren, um zu gewährleisten, dass e-PHI nicht missbräuchlich verändert oder gelöscht werden. Es müssen elektronische Maßnahmen getroffen werden, um zu bestätigen, dass e-PHI nicht missbräuchlich verändert oder gelöscht wurden.
  • Übertragungssicherheit - Eine Covered Entity muss technische Sicherheitsmaßnahmen implementieren, die vor unberechtigtem Zugang zu/Zugriff auf e-PHI schützen, die über ein elektronisches Netzwerk übertragen werden.

Warum technische Sicherungsmaßnahmen gemäß HIPAA implementieren?

Sicherheitsmaßnahmen nach HIPAA nicht zu implementieren ist für eine Organisation/ein Unternehmen im Health-Care-Bereich keine Option, über die sich lohnen würde, nachzudenken. Technische Sicherungsmaßnahmen tragen dazu bei sicherheitsrelevante Vorkommnisse zu verhindern. Zudem müssen Unternehmen im Gesundheitswesen HIPAA-konform sein. Beispielsweise wenn ein Auditor sie prüft.

Ist damit garantiert, dass kein sicherheitsrelevantes Ereignis eintritt? Leider nicht! Aber die Einhaltung der HIPAA-Richtlinien und das Implementieren von Best Practices der IT-Sicherheit, weisen nach, dass das betreffende Unternehmen HIPAA-konform ist, wenn ein Sicherheitsvorfall eintritt. Das schützt unter Umständen vor hohen Geldstrafen im Falle einer Datenschutzverletzung.

Digitale Zertifikate für Menschen, Geräte, Dienste, Anwendungen

Die HIPAA Security Rule definiert keine spezifischen Anforderungen an einen bestimmten Technologietyp. Jede Gesundheitsorganisation kann ihre eigenen Sicherheitsmaßnahmen implementieren, um den Standard und die Spezifikation zu erfüllen. Zertifizierungsstellen wie GlobalSign messen digitalen Zertifikaten eine wichtige Rolle zu, wenn Gesundheitseinrichtungen und -organisationen technische Sicherungsmaßnahmen nach HIPAA angehen. Die Schlüsselbegriffe: eindeutige Benutzeridentifikation, Verschlüsselung und Entschlüsselung, Authentifizierungs- und Integritätskontrollen.

Best Practices in der IT-Sicherheit beginnen mit der Identität. Wenn jedes "Ding" eine Identität hätte, wäre alles sicherer. Menschen, Geräte, Dienste, Anwendungen und all jene Dinge, die sich mit dem Internet verbinden, müssen eine Identität besitzen, um Kommunikationen und Transaktionen zu verschlüsseln, sich für einen Dienst zu authentifizieren, einen ordnungsgemäßen Zugang zu autorisieren und ihre Integrität nachzuweisen. Digitale Zertifikate bieten diese Identität und das damit verbundene Vertrauen. Sie ermöglichen viele Sicherheitsanwendungen, die Teil der technischen Sicherungsmaßnahmen nach HIPAA sind:

  • Web- und Serversicherheit - Weisen Sie nach, dass Ihre öffentlichen und privaten Websites und Server legitim sind und schützen und verschlüsseln Sie Datenübertragungen und -transaktionen mit SSL/TLS-Zertifikaten.
  • Benutzer- und Geräteauthentifizierung und Zugangskontrolle - Implementieren Sie starke Authentifizierung, ohne die Endbenutzer mit Hardware-Token oder Anwendungen zu belasten, und gewährleisten Sie, dass nur zugelassene Benutzer, Computer und Geräte (einschließlich Mobilgeräte) Zugang zu autorisierten Netzwerken und Diensten haben.
  • Dokumentensignierung - Digitale Signaturen mit vertrauenswürdigen digitalen Zertifikaten ersetzen handschriftliche Unterschriften und schaffen ein manipulationssicheres Siegel zum Schutz Ihrer Patientenakten und anderer Dokumente, die sicher und geheim gehalten werden müssen.
  • Sichere E-Mail - Digitales Signieren und Verschlüsseln aller internen E-Mails mindert die Risiken von Phishing und Datenverlust durch eine klare Verifizierung der Nachrichtenherkunft. Damit können Empfänger legitime Nachrichten von Phishing-Mails unterscheiden, und es wird gewährleistet, dass nur bestimmungsgemäße Empfänger Zugang zu E-Mail-Inhalten haben.

Zweifellos ist Sicherheit im Gesundheitswesen eine komplexe Angelegenheit, aber sie ist notwendig, um sensible Daten zu schützen. Verordnungen wie HIPAA und Leitlinien der HCIC Task Force bieten einen sehr guten Rahmen für die Einführung von Best Practices. Digitale Zertifikate sollten auf jeden Fall Teil eines mehrschichtigen Sicherheitsansatzes sein.

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