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Industrial Data Space wird internationalisiert

Sicherer Datenaustausch im virtuellen Datenraum

| Redakteur: Jürgen Schreier

Bundesregierung und Fraunhofer treiben Internationalisierung von Industrie 4.0 voran. So soll die Architektur des Industrial Data Space internationale Verbreitung finden.

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Der Industrial Data Space ist das „Datenscharnier“ zwischen Smart Services und der Industrie-4.0-Produktion und -Logistik.
Der Industrial Data Space ist das „Datenscharnier“ zwischen Smart Services und der Industrie-4.0-Produktion und -Logistik.
(Bild: Pixabay / CC0)

Das Stichwort heißt Datensouveränität: Teilnehmer entscheiden, steuern und kontrollieren souverän, wer ihre Daten erhält und wozu diese genutzt werden dürfen. Mit einer Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von fünf Millionen Euro geht die Initiative "Industrial Data Space" nun in die zweite Phase. Das Ziel: Die Architektur soll internationale Verbreitung finden.

Industrial Data Space - die Architektur für sicheren Datenraum steht

Daten stellen für Unternehmen eine Ressource dar, die zunehmend über den Geschäftserfolg entscheidet. Je mehr Die Daten an Wert gewinnen, desto höher ist der Bedarf, sie zu schützen und zu kontrollieren. Das ist eine schwierige Aufgabe, da die immer komplexer werdenden Leistungsangebote und neuen digitalen Geschäftsmodelle einen fortlaufenden Austausch von Daten erfordern.

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Vor diesem Hintergrund arbeiten zwölf Fraunhofer-Institute bereits seit zwei Jahren an einer Lösung: dem sogenannten Industrial Data Space. Das erste Etappenziel ist nun erreicht.

Der Industrial Data Space ist das „Datenscharnier“ zwischen Smart Services und der Industrie-4.0-Produktion und -Logistik. Smart Services bieten Unternehmen die Chance, sich im Wettbewerb zu differenzieren. Doch sie steigern die Komplexität von Supply Chains und Produktionsprozessen enorm. Die Lösung liegt in der Autonomisierung und Vernetzung von Produktion und Logistik, also Industrie 4.0.

Daten werden nur mit vertrauenswürdigen Partnern ausgetauscht

Beides braucht Daten: über Kunden und ihren Kontext (also Lokation, Präferenzen etc.), über Produkte und Waren. Diese Daten kann jetzt jeder Marktteilnehmer mit jedem anderen austauschen. Der Industrial Data Space bildet ein Fundament für Industrie 4.0, indem er sicheren und zertifizierten Datenaustausch zwischen Unternehmen ermöglicht, ohne dass die Eigentümer der Daten die Souveränität, also die Kontrolle über ihre Daten verlieren.

Die Daten verbleiben bei ihrem Eigentümer und werden „on demand“ sicher vernetzt. Sie werden nur dann ausgetauscht, wenn sie von vertrauenswürdigen, zertifizierten Partnern angefragt werden. Im Extremfall werden nicht die Daten selbst ausgetauscht, sondern nur die Analyseverfahren. Datensicherheit und Datensouveränität sind die wesentlichen Merkmale des Industrial Data Space.

Entstanden ist eine Architektur für einen sicheren Datenraum; erste branchenübergreifende Use Cases sind bereits implementiert. Das vom BMBF geförderte vorwettbewerbliche Forschungsprojekt geht mit einer Förderung in Höhe von fünf Millionen Euro in eine zweite Runde.

Daten machen nicht an Landesgrenzen halt

"Deutschland muss bei systemrelevanten Innovationen eine Spitzenreiterposition einnehmen. Wir haben hier und jetzt eine echte Chance, aus Deutschland heraus einen wesentlichen Standard für die Digitalisierung der Wirtschaft zu setzen, der europa- und sogar weltweit Akzeptanz findet", so Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. "Datensouveränität ist für Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Unsere Initiative schafft die idealen Voraussetzungen dafür."

"Unsere deutschen und europäischen Unternehmen sollen sich sicher sein, dass ihre Daten mit dem Konzept des Industrial Data Space in guten Händen sind. Wenn es uns gelingt, dies zu einem internationalen Standard zu machen, ist das auch ein Vorteil für die deutsche Wirtschaft", ist Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka überzeugt.

Das Ziel der kommenden Förderphase besteht darin, den Industrial Data Space im Zusammenspiel internationaler Architekturansätze positionieren, wie sie derzeit etwa vom Industrial Internet Consortium (IIC) aus den USA oder der Industrial-Value-Chain-Initiative aus Japan erarbeitet werden. Der Grund: Daten machen in der global vernetzten Wirtschaft nicht an Landesgrenzen halt. Deshalb brauchen die Unternehmen Lösungen aus einem Guss.

Initiative Industrial Data Space mit vielen Partnern im Gespräch

"Der Industrial Data Space ist in zahlreichen Workshops und Gesprächen im Rahmen der G20-Präsidentschaft Deutschlands auf enormes Interesse gestoßen. Datensouveränität ›Made in Germany‹ kommt gut an", betont Prof. Boris Otto, Forschungschef der Initiative Industrial Data Space und Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST. "Wir stehen in Gesprächen mit Partnern aus beispielsweise Argentinien, China, Indien, Japan, Mexiko und den USA, um den Industrial Data Space international zu etablieren."

Damit das Zusammenspiel mit diversen internationalen digitalen Standards passt, entwickelt das Projekt technische Lösungsmuster für Datensouveränität. In enger Kooperation mit dem Anwenderverein, der Industrial Data Space Association, setzen Fraunhofer-Forscher die Ergebnisse dann direkt bei Partnerunternehmen in Use Cases um.

16 Use-Cases in der Umsetzung

Aktuell befinden sich 16 konkrete Use-Cases in der Umsetzung. Darüber hinaus liegen rund 60 weitere Use-Case-Kandidaten vor. Die Use-Cases spezifizieren die Unternehmen innerhalb der Industrial Data Association selbst. Neue Mitglieder können sich jederzeit in bestehende Use-Cases einbinden oder neue Use-Cases anregen. Die Use-Cases befassen sich derzeit mit den Handlungsfeldern „Transparenz in Lieferketten und Supply Chains“, „Verbesserung von Produktion und Industrie 4.0“ sowie „Unterstützung für Ende-zu-Ende-Kundenprozesse“ (z. B. Automobilität, Medizinversorgung). Sie sollen auf alle Branchen ausgeweitet werden.

Mehr zu den technischen Aspekten des Industrial Data Space lesen Sie in dem Whitepaper INDUSTRIAL DATA SPACE - DIGITALE SOUVERÄNITÄT ÜBER DATEN.

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