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Cloud Computing

Sicherer, als Sie denken

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Ein Umzug sollte wohlüberlegt sein

Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Aufwand eines Umzugs in die Cloud. Dabei geht es nicht nur um technische Aspekte wie die Integration bestehender Applikationen oder die Realisierung übergreifender Prozesse. Auch betriebswirtschaftlich gibt es mitunter Hürden. „Bestehende Verträge können nicht immer direkt gekündigt werden“, erläutert Böhn und bezieht sich damit etwa auf die Wartung bestehender Systeme. Außerdem habe nicht jede Organisation die Budgetplanung und Freigabeprozesse für laufende Kosten in signifikanter Höhe, so Böhn weiter. Und auch bei jedem einzelnen Nutzer könne es zu Einschränkungen kommen, etwa wenn Customizing nicht möglich sei, damit eine ständige Update-Fähigkeit durch den Betreiber sichergestellt ist – was im Zweifelsfall erneutes Einlernen und neue Schulungen der Oberflächen und Bedienkonzepte notwendig macht.

Die bereits erwähnte Abhängigkeit vom Cloud-Betreiber kann ebenfalls zu Problemen führen. „Oft entscheidet der Anbieter, wann und welche Updates eingespielt werden – das kann zu mancher Überraschung führen, wenn Buttons nicht mehr da sind oder nicht mehr dort, wo sie vermutet wurden“, so Böhn.

Wirtschaftlicher Nutzen ist oft fraglich

Die Überlegung, in die Cloud zu ziehen oder nicht, sei im Grunde recht simpel, meint Dr. Karsten Sontow, Vorstand der Trovarit AG, Softwareberatung aus Aachen. „Entweder ist es wirtschaftlich sinnvoller, ich spare also Geld, oder es bringt mir einen derartigen Mehrwert, etwa durch eine modernere Lösung, dass es der On-Premise-Installation überlegen ist“, erklärt Sontow.

Gerade aber Maschinenbauer hätten meist schon ein oder zwei Dekaden Softwareerfahrung, dazu hochgradig integrierte und an die Bedürfnisse angepasste Systeme sowie eine entsprechend aufgestellte IT-Abteilung. Eine Variabilisierung des Infrastrukturbetriebs sei hier kaum möglich, so Sontow, da gerade Shopfloor-nahe Systeme, die nicht in die Cloud wandern, weiterhin betreut werden müssten. Die besonders im Maschinenbau verbreitete, hohe Individualisierung der Lösungen macht den Umzug in die Cloud zeitaufwendig und damit teuer.

„Die wirtschaftlichen Vorteile erschließen sich für viele Unternehmen, gerade im Maschinenbau, überhaupt nicht“, ergänzt Sontow. Dabei würden einige Anbieter ihre Cloud-Angebote künstlich attraktiver gestalten, indem sie ihre On-Premise-Varianten etwa verteuerten oder mit geringeren Innovationszyklen oder höheren Wartungskosten „diskriminieren“. Nach etwa drei oder vier Jahren, schätzt Sontow, werde eine Cloud-Lösung teurer, als die etablierte On-Premise-Variante. „Bei einem Lebenszyklus von 15 oder 16 Jahren ist das eine Katastrophe“, findet Sontow. Am Ende werde es schlicht keine On-Premise-Angebote mehr geben. Und: „Derjenige, der davon profitiert, ist heute aus meiner Sicht überwiegend der Anbieter.“

Trotz dieser negativen Aspekte sind Cloud-Angebote eine logische Fortentwicklung im IT-Betrieb. Meist nicht wertschöpfende Tätigkeiten wie technische Administration werden ausgelagert, dazu wird auf die Erfahrung von Experten zurückgegriffen. Nutzung und Funktionalität können flexibel erweitert werden, was gerade kleinen Unternehmen ohne eigenen IT-Betrieb Vorteile verschaffen kann.

Heute, so erklärt Martin Böhn, würden viele Cloud-Projekte vor allem in Mischformen betrieben, etwa mit Hybrid-Cloud-Modellen, bei denen Anwendungen und Daten teilweise im eigenen Haus gelassen werden. „Es ist hier wie in vielen Bereichen eine ‚Rent or Buy’-­Entscheidung. Für manche wird sich der Kauf stärker lohnen, für andere die Miete“, sagt Böhn. Er glaube, dass die Akzeptanz von Mietmodellen in den kommenden Jahren weiter steigen werde.

On Premise bleibt (noch) die Cash Cow

Viele Anbieter von Unternehmens-IT stehen sowieso noch am Anfang ihrer Cloud-Reise. Der ERP-Anbieter Pro Alpha etwa hat nach eigenen Angaben viel in die neue Technik investiert und gerade die ersten Kunden in die Cloud gebracht. Langfristig sei Cloud Computing nicht mehr wegzudenken, erklärt Michael Ludes, Leiter Presales. Für den derzeitigen Umsatz sei das Geschäft aber noch marginal. „Wir haben jetzt auch große Kunden, die wirklich extremes Interesse bekunden und sich da genau informieren“, erzählt Ludes über das wachsende Geschäft.

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Das On-Pre­mise-Geschäft werde aber auf viele Jahre noch das Standbein bleiben, wiegelt Ludes Befürchtungen ab, das Cloud-­Geschäft werde das bewährte Portfolio verdrängen. Derzeit betreibt Pro Alpha sein Cloud-Geschäft wie die meisten Anbieter mit einem Partner, eigene Rechenzentren sind (noch) Zukunftsmusik.

Cloud-Angebote werden in Zukunft also immer häufiger auf dem Markt zu finden sein. Die Vorteile liegen auf der Hand, aber auch die Nachteile sind nicht unerheblich. Ob und in welcher Form eine Cloud-Lösung für das eigene Unternehmen infrage kommt, sollte vor allem bedarfsgetrieben entschieden werden.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal MM MaschinenMarkt erschienen.

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