Expertenbeitrag

Dr. André Schmiljun

Dr. André Schmiljun

Mitarbeiter Presse & Öffentlichkeitsarbeit, InSystems Automation GmbH

Roboter in der Gesellschaft Sexistische KI und stereotype Roboter – Gesellschaftsprobleme und Roboterdesign

Autor / Redakteur: Dr. André Schmiljun & Janina Samuel* / Sebastian Human

Auf der Kinoleinwand oder in der Industrie dominieren männliche Roboter. Assistenzsysteme sind wiederum weiblich und heißen Alexa, Siri oder Cortana. Warum gendern wir Roboter ausgerechnet so? Ist es nicht längst Zeit für eine Genderrevolution in der Robotik?

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Während Roboter im Film zumeist vermeintlich männliche Attribute aufweisen, klingen Sprachassistenzsysteme oft weiblich.
Während Roboter im Film zumeist vermeintlich männliche Attribute aufweisen, klingen Sprachassistenzsysteme oft weiblich.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Roboter sind künstliche Akteure in unserer Mitte, die wir nach unserem Gesellschaftsverständnis erschaffen. Manchmal führt das dazu, dass wir auch unsere gesellschaftlichen Probleme auf sie übertragen. Je autonomer wir unsere sozialkompetenten Roboter machen wollen, desto mehr werden diese Maschinen auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen müssen.

Im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gibt es große Fortschritte, aber ebenso große Probleme: wir füttern KI mit unserem eingeschränkten Wissen und Daten, die nicht immer fair oder für alle potentiellen menschlichen Interaktionspartner passend sind – nehmen wir zum Beispiel Werbealgorithmen, die MINT-Berufe vorzugsweise Männern vorschlagen weil Männer statistisch mehr MINT-Berufe ausüben, oder Gesichtserkennungs-KI von kaukasischen Entwicklern, die für asiatische Nutzer nicht richtig funktioniert und Fehlermeldungen anzeigt, laut denen sie „blinzeln“.

Warum sind Industrieroboter meistens männlich, Sprachassistenten dagegen weiblich?

Soziale Roboter reflektieren soziale Konstrukte. Sehen wir uns zum Beispiel Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Cortana an – standardmäßig haben diese weibliche Stimmen, während wir bei ASTI beobachten, dass unsere Industrieroboter hauptsächlich männliche Namen erhalten. Es zeigt sich ein Rollenverständnis: weibliche Attribute für eine freundlich-höfliche Sekretärinnenrolle, männliche Namen für schwer hebende Lastentransporter.

Im Kontext dieses Artikels stellt sich außerdem die Frage, wo eigentlich die weiblichen Filmroboter sind. Männliche Filmroboter sind Soldaten (Terminator), Helden (Optimus Prime) Anführer (Ultron) und Wissenschaftler (Mr. Data), zu weiblichen gibt es weniger bekannte Beispiele. Die, die wir haben, fallen oft in die Genres Horrorfilm („Die Frauen von Stepford“) oder Romanzen („Her“) – manchmal in Kombination.

Möglicherweise sind weibliche Filmroboter so selten, weil das Konzept des Roboters eine enge Beziehung mit IT und Tech hat, Felder, die zurzeit eher männlich besetzt sind. Es könnte also an der Assoziation liegen. In der Wissenschaft geht die Frage nach weiblichen Robotern viel weiter – sie sorgt für philosophische Diskussion, Gesellschafts- und sogar Religionskritik. Es wird gefragt, wofür weibliche Roboter stehen, warum sie mehr objektifiziert werden als ihre männlichen Counterparts, entweder als Begierdeobjekt oder als unheimliche Kreatur. Fazit in jedem Fall ist, dass es an der Zeit ist, weibliche Filmroboter kritischer zu betrachten und in mehr Rollen zu repräsentieren.

Warum gendern wir Roboter?

Wir gendern unsere Roboter, weil es sie uns vertrauter macht. Ein Argument ist, dass die Annahme von bekannten Genderrollen den Robotern bei der Integration mit Menschen helfen kann – tatsächlich nutzt dieses Vorgehen aber oftmals veraltete Stereotypen, und es zeigt sich in Studien, dass es zwar einen Einfluss von Robotergender auf die Wahrnehmung von Probanden gibt, aber andere Faktoren wie Persönlichkeit haben stärkeren Einfluss. Es scheint daher besser, Roboter nicht dieserart zu gendern. Wenn es der gesellschaftliche Wunsch ist, Gender in allen Rollen und Gesellschaftsbereichen gleich zu repräsentieren, dann ergibt es Sinn, in künstlich-gesellschaftlichen Szenarien wie diesen bewusst diese gewünschte Verteilung zu reflektieren.

Ist es Zeit für eine Genderrevolution für Roboter?

Wir könnten unseren Robotern gar keine Namen und menschliche Merkmale geben. Aber angesichts dessen, wie selbstverständlich uns die Vermenschlichung unserer neuen künstlichen Helfer oft erscheint, ist das vielleicht unrealistisch

Stattdessen könnten wir also Genderattribute gleichmäßig verteilen – aber wer würde das überwachen? Und kann eine Workforce aus Entwicklern, die zurzeit hauptsächlich aus Männern besteht, wirklich alle Genderrollen akkurat repräsentieren? Hier könnte größere Diversität in Entwicklerrollen helfen.

Aber warum Roboter überhaupt in Mann und Frau gendern? Unsere Gesellschaft überdenkt und definiert das Konzept Gender zurzeit neu, also warum nicht nach Alternativen suchen?

Eine solche stellt zum Beispiel das Projekt Q dar, eine genderlose künstliche Stimme, die laut den Entwicklern mit Personen außerhalb des binären Genderverständnisses entwickelt wurde. Probanden nehmen sie zu 50 Prozent als genderlos, zu 25 Prozent weiblich und zu 25 Prozentt als männlich wahr. Q zeigt damit, dass genderloses Design möglich ist.

* Janina Samuel studiert im Master Msc Data Science (for Business), ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Roboterpsychologie.

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