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Expertenbeitrag

 David Hughes

David Hughes

Gründer, CEO und Vorstandsvorsitzender, Silver Peak

Netzwerkmanagement SD-WAN auf dem Vormarsch

| Autor / Redakteur: David Hughes / Sebastian Human

Die digitale Transformation treibt auch die Weiterentwicklung des Netzwerkmanagements an. Software Defined WANs (SD-WANs) überzeugen mit flexibler Konnektivität, die weniger komplex und kostspielig ist – ein Erfolgsrezept auch für die Zukunft der Vernetzung?

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Unternehmen setzen bei der Netzwerkverwaltung verstärkt auf die WAN-Transformation, um einen Multiplikatoreffekt bei Cloud-Investitionen zu erzielen.
Unternehmen setzen bei der Netzwerkverwaltung verstärkt auf die WAN-Transformation, um einen Multiplikatoreffekt bei Cloud-Investitionen zu erzielen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die meisten bisherigen SD-WAN-Implementierungen hatte man mit Kosteneinsparungen begründet: Diese konnten realisiert werden durch den Ersatz heterogener vorhandener Endgeräte in den Niederlassungen, der Kombination niedrigpreisiger Transportoptionen und der Effizienzsteigerung der Betriebsabläufe, indem zeitintensive und fehleranfällige manuelle Konfigurationen und Troubleshooting eliminiert wurden.

Viele Unternehmen erkennen gegenwärtig, dass mit der WAN-Transformation das volle Investitionspotenzial in SaaS, Cloud, in die digitale Transformation und in IoT-Vorhaben freigesetzt werden kann. Zukünftig werden Unternehmen verstärkt auf WAN-Transformation setzen, um Produktivitätsverluste aufgrund inkonsistenter User Experiences bei der Nutzung von Cloud-basierten Diensten zu vermeiden und dadurch die Vorteile strategischer Unternehmensinvestitionen und -Vorhaben zu nutzen.

Edge-Verlagerung wird zum kritischen Faktor

Traditionelle WAN-Architekturen basieren auf dem Rücktransport von Cloud-Traffic über lokale Perimeter-Firewalls. Diese Architekturen sind inzwischen überholt, da der Großteil des Datenverkehrs von den Niederlassungen in die Cloud fließt anstatt zum Datacenter. Erweiterte Sicherheitsfunktionen, wie CASB und ZTNA, werden in die Cloud geschoben und teilweise auch an die Endpunkte des Netzwerks anstatt, wie es bei traditionellen Next-Generation-Firewalls der Fall ist, an den Perimeter.

In Zukunft wird der WAN-Edge zum kritischen Faktor in Bezug auf die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien und den Einstieg ins Unternehmensnetzwerk.

Erweiterte SD-WAN-Integration mit großen Cloud-Anbietern

Da viele Unternehmen auf mehrere Cloud-Provider zurückgreifen, bietet SD-WAN eine einheitliche Struktur über die physikalischen Standorte und Multi-Cloud-Instanzen hinweg. Bereits in naher Zukunft werden die großen Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google weiterhin eine Vielzahl an Features und APIs auf den Markt bringen, welche die Funktionalität fortschrittlicher SD-WAN-Lösungen wirksam verbessern. Die Automatisierung wird dafür sorgen, dass Cloud-Instanzen schnell und einfach hinzugefügt werden können – trotz der Komplexität und Eigenheit jeder zugrunde liegenden Cloud-Umgebung. Da mehrere Transportwege zwischen den physischen Standorten und jeder Cloud-Instanz genutzt werden, kann eine fortschrittliche SD-WAN-Plattform eine zuverlässigere und konsistentere Nutzererfahrung liefern.

SD-WAN wird mobil

SD-WAN wird mobil

Denkt man an SD-WAN, denkt man typischerweise an die Vernetzung von Unternehmensniederlassungen, Handelsfilialen oder Warenlagern. Betrachtet man die Vorteile von SD-WAN, kommt einem oftmals die Produktivitätssteigerung der Mitarbeiter in den Sinn.

Es gibt jedoch einige neue Anwendungsfälle, in denen der SD-WAN-Edge jenseits der traditionellen Zweigstellen auf Schiffen, in Zügen oder Einsatzfahrzeugen und Ersthelfer-Rucksäcken ins Spiel kommt. In der Zukunft wird es eine ganze Reihe von Unternehmen geben, die eine qualitativ hochwertige, permanente Cloud-Konnektivität benötigen. Dieser Bedarf prägt das Bewusstsein für die zentrale Rolle einer zuverlässigen und hoch performanten M2M-Kommunikation bei einer gleichzeitig konsistenten Nutzererfahrung. Dieser Trend wird die WAN-Transformation beschleunigen.

Best-of-Breed-IT wird möglich

Mehr als zwei Jahrzehnte lang haben große Technologieanbieter die Wirtschaftlichkeit der Technologiebeschaffung aus einer Hand proklamiert. Mit der Zeit werden sich viele IT-Unternehmen allerdings darüber bewusst, dass es diese Wirkungsgrade nicht gibt und insbesondere Anbieterversprechen bezüglich einer nahtlosen Integration unterschiedlich gelagerter Produktgruppen nur auf dem Papier existieren.

Dennoch haben die führenden SD-WAN-Anbieter über die Jahre und tausende von Unternehmensumgebungen hinweg Erfahrungen in der Orchestrierung der Bereiche Routing, Security und Anwendungsoptimierung gesammelt.

Schon bald wird der SD-WAN-Orchestrator zum zentralen Faktor für eine nahtlose Integration über die Best-of-Breed-Technologien hinweg. Fortschrittliche SD-WAN-Orchestratoren, die die Probleme, welche die Integration von Routing, Firewalls und WAN-Optimierungen mit sich bringen, bereits gelöst haben, werden künftig auch Security-Services aus der Cloud integrieren, ebenso wie cloudbasierte Kommunikationsdienste und eine wachsende Palette an Infrastrukturelementen – von Campus Switching und Wi-Fi bis hin zu den neuen Netzwerkservices der großen Cloud-Anbieter.

Service Provider machen Fortschritte mit Managed SD-WAN-Services

Vor vier oder fünf Jahren hat sich SD-WAN noch in der Phase der Early Adopter befunden, sodass die meisten Implementierungen inhouse erfolgten. Als SD-WAN dann bei einer breiteren Anwenderschaft zum Einsatz kam, wägten viele Unternehmen ab, ob eher ein Insource- oder ein Outsource-WAN-Modell Sinn machen würde. An dieser Stelle entschieden sich über die Hälfte der Unternehmen für ein Managed-Service-Modell. Eine steigende Anzahl führender Service Provider ist jetzt dazu bereit, diese Nachfrage am Markt zu bedienen.

Service Provider, die sich schon früh mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, verfügen nun über rund zwei bis drei Jahre Erfahrung mit Pilotmodellen, die signifikante Erkenntnisse mit sich bringen. In vielen Fällen haben diese Provider erkannt, dass ihre ursprüngliche Auswahl an SD-WAN-Technologien erheblichen Einschränkungen unterlag. Zukünftig werden sie fortschrittliche SD-WAN-Lösungen von zwei oder drei Anbietern im Portfolio haben, um die individuellen Bedürfnisse all ihrer Kunden erfüllen zu können. Diese führenden Service Provider sind derzeit dabei, ihre Managed-Service-Angebote zu skalieren und weiterzuentwickeln, sodass sie in der Lage sein werden, eine SD-WAN-Enterprise-Lösung in der Größenordnung von mehr als 100 Niederlassungen pro Woche aufzusetzen.

Wireless als primärer WAN-Transportweg

Bisher hatte man sich bei LTE typischerweise auf WAN-Backup oder Anwendungsfälle für begrenzte Strecken beschränkt. Grund hierfür waren Bandbreitenlimitierungen und auch Kostenüberlegungen. In diesem Jahr werden diese Einschränkungen jedoch behoben werden - sowohl auf Technologieseite mit 5G-Rollouts, als auch an der Businessfront mit Service Providern, die attraktivere Preismodelle für ein wachsendes Angebot an SD-WAN-Anwendungsfällen bieten, die sich auf drahtlose Konnektivität stützen.

Hohe Bandreiten dank Low-Earth-Orbit-Satellitenanbindung

Die Anbindung an Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn (Low-Earth Orbit, LEO) verspricht hohe Bandbreiten sowie geringe Latenzzeiten – und zwar überall auf der Welt. Diese Form der Konnektivität befindet sich noch im Anfangsstadium und ist bereits so vielversprechend, dass Unternehmen diese sinnvollerweise als Faktor in ihren Planungen für die kommenden Jahre zu berücksichtigen sollten.

Sobald LEO greift, wird dieser Weg eine weitere attraktive Transportalternative darstellen, die mit Vorteilen wie weltweiter Abdeckung und unmittelbarem Verbindungsaufbau punktet. Sobald diese Technologie weiter ausgereift ist, wird sie sicherlich mit WAN-Verbindungsoptionen wie MPLS, DIA, Breitband und 4G in einem Atemzug genannt werden.

Branch-Router veralten zunehmend

Unternehmen werden die klassischen Zweigstellenrouter vermehrt abschaffen, zugunsten zentral verwalteter WAN-Edge-Systeme, die alle Anforderungen erfüllen. Dann werden bestehende Router in Zweigstellen nicht länger benötigt, was den klassischen Branch-Router-Markt in eine Krise stürzen wird, da Unternehmen einen neuen WAN-Edge aufsetzen, der auf Standard-Hardware basiert. Diejenigen, die neue Software auf alte Router aufspielen, werden von den kommenden Herausforderungen während des Deployments und der Integration frustriert sein.

WAN-Transformation wächst weiter

Während es einerseits viele SD-WAN-Erfolgsgeschichten zu verzeichnen gab, gab es in der Vergangenheit andererseits auch viele Erstanwender, die erkannten, dass ihre erste SD-WAN-Technologiewahl nicht die versprochenen Ergebnisse lieferte. Eine steigende Zahl an Unternehmen, die versuchten, Router-zentrierte WANs auszubauen oder einfache SD-WAN-Produkte einzusetzen, sollten ihre Entscheidung zugunsten umfangreicherer WAN-Lösungen überdenken. Perspektivisch werden IT-Organisationen ihren Fokus auf Anbieter legen, die im WAN-Bereich Erfolge nachweisen können. Sie werden nach Anbietern suchen, die aus tausenden Implementierungen bei Kunden gelernt haben Technologien bereitzustellen, die „einfach funktionieren“.

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