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5G/Glasfaser-Ausbau

Scheitern IoT und Industrie 4.0 an der Glasfaser?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Der unzureichende Glasfaser-Ausbau in Deutschland (der zügige und flächendeckende Ausbau wäre essenziell für den Einstieg in 5G) gefährdet Industrie 4.0 und IoT. Zuletzt rutschte die Bundesrepublik im internationalen Vergleich sogar noch weiter ab.

Den Weg zur Glasfaser und damit ins Gigabitzeitalter scheint Deutschland gründlich zu verschlafen.
Den Weg zur Glasfaser und damit ins Gigabitzeitalter scheint Deutschland gründlich zu verschlafen.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Der Blick in die jüngsten Statistiken ist ist mehr ernüchternd - er ist deprimierend. Beim beim Glasfaserausbau, der eine wichiger Enabler von Industrie 4.0 und des neuen Mobilfunkstandards 5G ist, laut FTTH Council in der EU weit abgeschlagen auf Platz 20 und in der Weltrangliste sogar nur auf Platz 59 von 63 Nationen. Doch was noch schlimmer ist: Anstatt nach vorne zu rücken, rutschte die Bundesrepublik zuletzt sogar noch weiter ab.

Deutschland sei dabei, die „digitale Revolution“ zu verschlafen. Obwohl sich an dieser Frage die Zukunft des Landes entscheiden dürfte - so der Tenor bei der Hautversammlung des Deutschen Verbandes für Telekommunikation und Medien (DVTM). Der frühere E-Plus-Chef Dr. Horst Lennertz, Grandseigneur des Mobilfunks in Deutschland, forderte daher auf einem hochkarätig besetzten Panel eine Milliarden-Investition sowie eine konzertierte Aktion der Politik und aller anderen Marktteilnehmer. Der Verband selbst kündigte noch für 2018 eine Digitalisierungs-Initiative an.

Digitalisierung ist in „nationalem Interesse“

Da er nun nicht mehr nur das Interesse eines einzelnen Unternehmens vertrete, könne er unabhängig sagen, was für die „digitale Revolution“ in Deutschland nötig sei, so Lennertz auf der Paneldiskussion. Seiner Meinung nach entscheide sich an dieser Stelle das Wohl und Wehe der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Insofern sei die Digitalisierung ganz klar von „nationalem Interesse“. Lennertz: „Wenn wir den Standort Deutschland entwickeln möchten, brauchen wir 5G und damit Glasfaser. In den nächsten sechs Jahren ist dies dringend erforderlich.“

Der frühere E-Plus-Chef schätzt in diesem Zusammenhang Kosten in Höhe von 70 Milliarden Euro. Die könnten „meiner Meinung nach durch eine „Gemeinschaftsplattform“, eine Netzgesellschaft, in die alle Marktplayer Ihre Assets mit einbringen, geschultert werden. Im Rahmen derer sollten alle Marktteilnehmer – die kleinen und die großen – abgesprochen und zeitlich befristet für dieses Projekt zusammenarbeiten“, fuhr er fort. Lennertz fordert weiterhin eine Renditegarantie für verlegte Glasfaser, egal wer sie verlege und einbringe Damit stünde dann genügend Kapital zur Verfügung, sodass der Ausbau vorangetrieben werden könnte. Auch die Politik müsse ihren Beitrag im Sinne des „nationalen Interesses“ leisten und eine Führungs- und Vorreiterrolle übernehmen.

Dr. Iris Henseler-Unger, Geschäftsführerin von WIK Consult, unterstützt diesen Ansatz: Südkorea, Japan und Singapur hätten andere Wege als Europa beschritten und seien gute Beispiele dafür, dass mit hohem staatlichen Engagement der Glasfaserausbau erfolgreich voran getrieben wurde und trotzdem ein intensiver Dienste-Wettbewerb zum Wohl des Kunden herrsche.

Mehr Glasfaser, eine Initialzündung und Wettbewerb

DVTM-Vorstandsvorsitzender Renatus Zilles kündigte noch für 2018 eine „Digitalisierungs-Initiative“ seines Verbands gemeinsam mit dem DVTM „Think Tank“ an. Er forderte endlich mehr Glasfaser, eine Initialzündung und Wettbewerb: „Wir haben in unserem „Think Tank“ zur „Digitalen Revolution“ in Deutschland in den letzten Tagen und Wochen kontrovers diskutiert, uns viele Gedanken gemacht, erste Lösungsansätze konzipiert und entwickeln weiterführende Ideen, wie der Prozess kurzfristig, effizient und nachhaltig angeschoben werden kann.

Denn es gehe hierbei weniger um Wettbewerbsthemen, als vielmehr um die Wahrung „nationaler Interessen“. Das sei dringend nötig. Dem DVTM "Think Tank“ gehört unter anderem "Medienurgestein" Helmut Thoma, ex-RTL-Chef und jetzt Aufsichtsrat-Chef der freenet AG an, der auch an der Talkrunde bei der Hauptversammlung teilnahm. Seine ernüchternde Analyse: „Viele haben die Bedeutung des Themas noch nicht erfasst. Dazu gehört auch die Politik, die nicht weitsichtig genug denkt, sondern nur bis zur nächsten Wahl. Das muss sich ändern.“

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