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VDMA Konjunktur Robotik und Automation im Abschwung

| Redakteur: Jürgen Schreier

Ein schrumpfender Auftragseingang kennzeichnet die Situation im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Insgesamt lagen die Aufträge in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres um real neun Prozent unter Vorjahresniveau. Die Sparte Robotik und Automation rechnet für 2019 und 2020 ebenfalls mit Umsatzrückgängen.

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Der KR 3 AGILUS von Kuka gilt als der schnellste Roboter seiner Klasse. Seine hohe Flexibilität und Präzision ermöglichen effiziente Automatisierungslösungen für kleinste Bauteile.
Der KR 3 AGILUS von Kuka gilt als der schnellste Roboter seiner Klasse. Seine hohe Flexibilität und Präzision ermöglichen effiziente Automatisierungslösungen für kleinste Bauteile.
(Bild: Kuka)

Auch die deutsche Robotik und Automationsbranche kann sich der konjunkturellen Abkühlung im Maschinen- und Anlagenbau nicht entziehen: Für 2019 erwartet die Branche ein Umsatzminus von 5 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. „Ein zunächst hoher Auftragsbestand wurde im Jahresverlauf weitgehend abgebaut und die aus Vorjahren bekannte Herbstbelebung blieb aus. Nach einem Jahrzehnt der Rekorde muss auch unsere Innovations- und Wachstumsbranche aufgrund der schwierigen weltwirtschaftlichen Lage nun einen deutlichen Dämpfer hinnehmen“, erläutert Wilfried Eberhardt, Vorsitzender von VDMA Robotik + Automation und Chief Marketing Officer der Kuka AG.

Die negative Entwicklung zieht sich 2019 durch alle Teilbranchen der Robotik und Automation. Für die Industrielle Bildverarbeitung wird ein Rückgang des Branchenumsatzes um sieben Prozent erwartet. Die größte Teilbranche, Integrated Assembly Solutions, rechnet mit einer Abschwächung um fünf Prozent. Die Robotik geht derzeit von einem Minus von drei Prozent aus.

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Kräftiges Umsatzminus für 2020 erwartet

Für den branchenweiten Umsatzrückgang nennt der VDMA die an Dynamik verlierende Weltkonjunktur sowie Sättigungseffekte in wichtigen Märkten. So stagniert zum Beispiel der weltweite Verkauf von Smartphones, was sich auch auf die Investitionen in Maschinen auswirkt. Darüber hinaus sorgt die aktuelle Unsicherheit in vielen Kundenbranchen für Investitionszurückhaltung. So wirken sich Unwägbarkeiten durch die Transformation der Automobilindustrie in Richtung E-Mobilität sowie die zunehmende Zahl von Handelsstreitigkeiten besonders stark aus. Da derzeit noch keine Trendwende in Sicht ist, prognostiziert der Fachverband VDMA Robotik + Automation für das Jahr 2020 einen weiteren Rückgang des Branchenumsatzes um zehn Prozent.

„Als Schlüsseltechnologie für die Optimierung der Produktion und als Garant für hohe Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards wird die Robotik und Automation aber auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen und mittelfristig auf ihren Wachstumskurs zurückkehren“, betont Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA Fachverbandes Robotik + Automation.

Weltweite Roboterverkäufe pausieren 2019

Auch weltweit verliert die Roboterindustrie an Schwung. Nach einem Rekordjahr 2018 für globalen Rekordverkaufswert von 16,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018, geht die International Federation of Robotics (IFR) von einer Wachstumspause im Jahr 2019 aus. Von 2020 bis 2022 wird jedoch ein durchschnittliches Wachstum von 12 Prozent pro Jahr erwartet.

„Wir haben 2018 eine dynamische Entwicklung mit neuem Umsatzrekord gesehen, auch wenn die Haupt-Roboterkunden - die Automobil- und Elektronikindustrie - ein schwieriges Jahr hatten", sagt Junji Tsuda, Präsident der International Federation of Robotics. „Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bringt Unsicherheit für die Weltwirtschaft mit sich - die Kunden neigen dazu, Investitionen zu verschieben. So ist es bemerkenswert, dass die Marke von 400.000 Roboterinstallationen pro Jahr weltweit überschritten wurde. Der längerfristige Ausblick zeigt, dass der anhaltende Automatisierungstrend und die weiteren technischen Verbesserungen zu einem zweistelligen Wachstum führen werden - mit schätzungsweise rund 584.000 Einheiten im Jahr 2022."

China ist und bleibt der wichtigste Robotermarkt

China bleibt mit einem Anteil von 36 Prozent der Gesamtinstallationen größter Industrieroboter-Markt. 2018 wurden rund 154.000 Einheiten installiert. Das ist ein Prozent weniger als im Vorjahr, aber mehr als die Anzahl der installierten Roboter in Europa und Amerika insgesamt. Der Wert der Installationen erreichte 5,4 Milliarden Dollar - 21 Prozent mehr als 2017.Die chinesischen Roboteranbieter konnten 2018 ihren Marktanteil im Inland um fünf Prozentpunkte (2018: 27 Prozent vs. 2017: 22 Prozent) steigern.

Dieses Ergebnis steht im Einklang mit der chinesischen Politik, einheimische Hersteller zu fördern. Die Installationen ausländischer Roboterlieferanten (einschließlich der in China von nicht-chinesischen Lieferanten produzierten Einheiten) sanken dagegen um sieben Prozent auf rund 113.000 Einheiten (2017: rund 122.000 Einheiten).

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