Quantencomputing Predictive Enterprises: Die Zukunft wird vorhersagbar

Redakteur: Jürgen Schreier

Quantencomputing stand im Fokus des 16. Zukunftskongresses des 2b AHEAD ThinkTank. Die Möglichkeiten der Technologie sind gigantisch und wie geschaffen für die Herausforderungen von IoT, Industrie 4.0 und Big Data. Das erste kommerzielle QC-Projekt wurde bereits angeschoben.

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Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky stellte die aktuelle Ausgabe des „Deutschen TrendINDEX“ vor.
Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky stellte die aktuelle Ausgabe des „Deutschen TrendINDEX“ vor.
(Bild: Roman Walczyna)

Gibt es Fleisch ohne Tiere? Kämpfen Bots um ihr Recht auf Existenz? Bekommt Opa irgendwann für 9,99 Dollar seine eigene Chatware, sodass wir uns auch nach seinem Ableben noch mit ihm "unterhalten" können? Diese und viele andere - mehr oder minder vernünftig klingende - Fragen fanden beim 16. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTank wissenschaftliche, visionäre und teilweise in ethischer Hinsicht kontrovers diskutierte Antworten.

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Im Mittelpunkt dieser zwischen SciFi und Machbarkeit changierenden Zukunftsschau, zu sich mehr als 300 Wissenschaftler, Top-Manager und Visionäre in Schloss Wolfsburg versammelt hatten, stand das Thema Quantencomputing. Der Quantencomputer soll mit seinen seiner Rechenleistung alles bisher Bekannte in den Schatten stellen. Er wird sogar in der Lage sein, so komplexe Dinge wie die Zukunft zu berechnen und vorherzusagen. Damit wäre er wie geschaffen für IoT, Industrie 4.0 und Big Data.

D-Wave und VW planen erstes kommerzielles Quantum-Projekt in China

Auch in unternehmerischer Hinsicht bricht mit dem Quantencomputing ein neues Zeitalter an - das der Predictive Enterprises. Wie sich Unternehmen, Prozesse und Produkte ändern, wenn Daten schneller als in Echtzeit generiert werden, war wohl eine der spannendsten Grundsatzdiskussionen, die sich auf vielfältige Weise in zahlreichen Keynotes, Vision Talks und zahllosen Gesprächen unter den Gästen entwickelte. Veranstalter 2b AHEAD hatte allerlei Prominenz aus der Hightech-Szene aufgeboten, darunter Quantencomputer-Pionier Bo Ewald, dessen Unternehmen D-Wave Systems sich seit seiner Gründung 1999 ausschließlich der Entwicklung dieser Technologie widmet.

In Kooperation mit dem Volkswagen-Konzern plant D-Wave derzeit ein erstes kommerzielles Quantum-Projekt in der chinesischen Hauptstadt Beijing. Ziel: Ein Quantencomputer soll den Verkehrsfluss der über 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole so regulieren, dass der zu erwartende Verkehrsinfarkt erst gar nicht auftritt. Für diese Leistung zeichnete der 2b AHEAD ThinkTank, Leipzig, den Innovationsführer mit dem diesjährigen Innovation Award aus.

Forest Software soll Zugang zum Quantencomputing eröffnen

Bereits im Eröffnungspanel am Dienstagmorgen hatte der aus dem Silicon Valley angereiste Dr. Will Zeng, Senior Researcher der in Berkeley (Kalifornien) ansässigen Firma Rigetti Computing, gesorgt. Dieser verkündete den Launch der auf den Gesetzen der Quantenmechanik basierenden Software Forest. Diese verdoppelt laut Zeng die Leistung von Computern mit jedem neu hinzugefügten Kern - wodurch sich nach Einschätzung des Computerforschers Einsatzszenarien ergeben, die heute kaum abzuschätzen seien.

Seiner Rolle als Impulsgeber und Gestalter neuer Perspektiven für die Konferenzteilnehmer wurde Zeng damit gerecht. Die neue Programmumgebung soll Organisationen, Forschern und Studenten Zugang zum Quantencomputing und dessen Potenzialen eröffnen, auch wenn die Hardware noch in den Kinderschuhen steckt.

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Den Namen Forest haben Computerfachmann Zeng und sein Team bewusst gewählt. Ihrem Verständnis nach nutzt Quantum Computing das Beste, was die Natur dem Menschen zur Verfügung stellt und wendet dieses lösungsorientiert und produktiv auf diverse Fragestellungen an - von der Lebensmittelproduktion über den Klimawandel bis hin zur Energie- und Datenwissenschaft. In Forest sieht Zeng der Beginn eines neuen Ökosystems.

Innovationsbudgets entwickeln sich positiv

Der Gastgeber und Gründer ThinkTanks 2b AHEAD, der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky, stellte die aktuelle Ausgabe des „Deutschen TrendINDEX“ vor. Diese Dauerstudie untersucht halbjährlich das Trendklima in der deutschen Wirtschaft. Jánszky präsentierte einen Trendindex von 148 Punkten (nach 144 Punkten vor sechs Monaten) und beschreibt somit die positive Entwicklung der Innovationsbudgets und der Mitarbeiterzahlen im Innovationsmanagement. Der TrendIndex von 2b AHEAD basiert auf der Befragung eines Panels mit 256 Innovationsexperten der deutschsprachigen Wirtschaft und steht online zur Einsicht bereit.

Stellvertretend für die Sponsoren zog der Sprecher des Vorstands der Wolfsburg AG, Dr. Frank Fabian, ein positives Fazit des 16. Zukunftskongresses: „Daten sind die Rohdiamanten der digitalen Wirtschaft. Predictive Analytics verpassen ihnen einen neuen Schliff mit dem wir uns auf die nächste Stufe der Datenauswertung und -nutzung begeben. Sie lässt vorausschauende Aussagen über die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen zu. Grundlage ist ein konsequentes Monitoring der Daten und daraus folgend die Anpassung der Prozesse. Dazu gab der Zukunftskongress wichtige Impulse. Erneut fand er in Wolfsburg statt – einer Stadt, die sich mit ihrer Initiative #WolfsburgDigital auf die Fahnen geschrieben hat, digitale Modellstadt zu werden“, erklärte Fabian.

Die Wolfsburg ist eine Public Private Partnership zwischen der Stadt Wolfsburg und dem Volkswagen-Konzern, die zum Ziel hat, die Attraktivität des Standorts Wolfsburg zu erhöhen.

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