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17. Startup-Impuls-Gründungswettbewerb Prämierte und nominierte Lösungen im Überblick

| Redakteur: Jürgen Schreier

Zum 17. Mal haben hannoverimpuls und die Sparkasse Hannover die besten innovativen Gründungen der Region ausgezeichnet. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Prämierung per Livestream übertragen. Der Beitrag stellt einige preisgekrönte und nominierte Lösungen aus dem digitalen Business- und IoT-Umfeld vor.

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Die Preisverleihung fand pandemiebedingt virtuell statt.
Die Preisverleihung fand pandemiebedingt virtuell statt.
(Bild: Dupics 2013)

Die Bilanz des 17. Startup-Impuls Gründungswettbewerbes spricht für sich: 116 eingereichte Geschäftsideen, Preise im Wert von mehr als 100.000 Euro in drei Kategorien und fünf Preisträger*innen, die mit vielversprechenden Businesskonzepten durchstarten.

Die Gewinner*innen wurden live in die Peppermint Streaming Studios hinzugeschaltet, was die Freude über den Gewinn nicht geschmälert hat. Dort saßen auf dem Studio-Sofa Doris Petersen (Geschäftsführung hannoverimpuls), Marina Barth (stv. Vorstandsvorsitzende Sparkasse Hannover), Jan Egge Sedelies (Moderator), Oliver Vogt (Geschäftsführer Gehrke Econ Unternehmensberatungsgesellschaft mbH und Sponsor des Preises Hochschule & Wissenschaft) sowie Jörg Stichnoth (Geschäftsführer, Horst Stichnoth GmbH & Co. KG und Preispate Sonderpreis „Solo-Start“).

Smarte digitale Lösungen für den internationalen Markt

Für innovative Ideen, die in der Region Hannover in 2019 umgesetzt wurden oder zukünftig umgesetzt werden sollen, gab es im Hauptpreis insgesamt fast 70.000 Euro zu gewinnen. Im Fokus steht bei diesem Preis auch das internationale Potenzial der Geschäftsideen.

Alle drei Preisträger*innen bieten intelligente digitale Lösungen für den internationalen Markt. Der Sieger, airstier technology, erhält 36.000 Euro, die zweitplatzierte Legal Analytics GmbH 21.000 Euro und das drittplatzierte Team, Givetastic Technologies UG, 11.000 Euro.

Beim Sonderpreis „Solo-Starter“ wurde mit Patrick Tattermann von Smartsecur ein Mann ausgezeichnet, der allein durchgestartet ist. Solo bezieht sich in diesem Fall auf die Anzahl der Gründenden – nicht auf die Zahl der Mitarbeiter*innen.

Preisträger Hauptpreis

1. Preis: airstier technology: Klimaschutz mit energieeffizienter E-Maschine

Viele elektrische Motoren und Antriebe verbrauchen mehr Strom als nötig, weil sie nicht im optimalen Wirkungsbereich arbeiten. Die E-Maschine von airstier technology arbeitet im gesamten Drehzahlbereich energieeffizient und bietet je nach Einsatzgebiet bis zu 60 Prozent Energieersparnis.

Eine Erfindung mit hoher Wirkung für den Klimaschutz – und einer immensen Kostenersparnis für potenzielle Kunden! Die E-Maschine ist sowohl mobil für den Einsatz in Autos als auch für stationäre Anwendungen wie Produktionsstraßen in der Industrie einsetzbar. Die steigenden Umweltauflagen für Hochseeschiffe machen auch hier die Anwendung hochinteressant.

Die Leistungsdaten wurden bereits anhand eines digitalen Prototyps extern bestätigt, der Patentierungsprozess ist angestoßen. Der physische Prototyp entsteht 2020, das marktfähige Produkt soll 2021 in den Verkauf gehen. Tüftler und Energieelektroniker Holger Willeke hatte vergeblich am Markt nach einem E-Motor für ein Multicopter-Projekt gesucht und ihn dann selbst entwickelt.

Das Konzept war so erfolgversprechend, dass Willeke den Motor jetzt mit einem dreiköpfigen Gründungsteam an den Markt bringen will. Allein der Industriebereich für E-Maschinen bietet in verschiedenen Größen- und Leistungsklassen ein Volumen von über 70 Milliarden Euro.

airstier technology, Jens Hansen, 0177-7459179, holger.willeke@airstier.de, www.airstier-technology.de

2. Preis: Juracus macht Verträge mit KI-Technologie in Sekunden wasserdicht

„Juracus“ heißt die KI-basierte Software, die Verträge innerhalb von Sekunden auf Konflikte und Risiken überprüft – und damit viele Jurist*innen in Rechtsabteilungen von Unternehmen enorm entlastet, die tagtäglich Verträge inhaltlich prüfen müssen. Juracus kann einfach per API an bestehende Dokumentenmanagement-Systeme angedockt werden.

37 Kund*innen nutzen das System bereits, darunter ein DAX-Unternehmen, das Juracus zurzeit testet. Die Legal Analytics GmbH wurde mitten in der Corona-Krise gegründet und konnte trotz Pandemie in dieser Phase für Juracus eine Finanzierungsrunde im Millionenbereich erfolgreich abschließen.

Mittlerweile kooperiert Juracus mit der d.velop AG, dem zweitgrößten Anbieter für Dokumentenmanagement in Deutschland. Die Nachfrage nach der KI-basierten Software für Rechtsabteilungen aus Hannover ist so groß, dass das Gründerteam bereits vier Mitarbeiter eingestellt hat, weitere werden gesucht.

Die unternehmerische Idee war zuvor im Accelerator in der VentureVilla marktfähig gemacht worden – mithilfe von hannoverimpuls haben die drei Gründer ihr Business-Modell auch vor internationalem Publikum präsentiert.

Legal Analytics GmbH, Gökhan Akkamis, 0171-3412454, team@juracus.de, www.juracus.de

3. Preis: Givetastic Technologies: Spenden-App für Mitarbeitende

Mehr als jede*r Zweite (68 Prozent) will, dass Unternehmen, Regierungen und gemeinnützige Organisationen mehr für soziale und ökologische Veränderungen tun. So das Ergebnis einer Studie von Global Tolerance.

Viele Firmen stellen sich bereits ihrer Sozialverantwortung, doch die Mitarbeiter*innen bleiben oft bei den Entscheidungen außen vor. Das will die Spenden-Guthaben-App für Unternehmen ändern: Damit überlassen Verantwortliche edem Mitarbeitenden einen definierten Teil des geplanten Gesamtspendenbetrags.

Über die Self-Service-Plattform werden Spendencoupons erstellt und über einen Link geteilt. Die App schlägt den Teilnehmer*innen je nach Fähigkeit und Interessen soziale Projekte vor, die mit Zeit, Geld und Skills unterstützt werden können. Als Unternehmen entscheiden alle gemeinsam, für welche Zwecke zusätzlich gespendet werden soll. Die drei Gründerinnen Vidya Munde-Müller, Avaré Stewart und Sarein Knoop wollen mit der App zeigen, dass Technologie auch für soziale Zwecke eingesetzt werden kann.

Mit der B&B Markenagentur aus Hannover wurde ein erstes Pilotprojekt erfolgreich umgesetzt, soziale Projekte aus Betterplace.org wurden in die Spenden-App integriert.

Givetastic Technologies UG, Vidya Munde-Müller, 0 171- 64 25 674, info@givetastic.org, www.givetastic.org

Nominierungen Hauptpreis

Data Reasons: Eine Software stark wie zehn Controller

Neben dem Studium der Wirtschaftsinformatik haben Timo Traulsen und Gerrit Peek jahrelang in Versicherungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Rechenzentren Daten für das Controlling aufbereitet. Ihr Fazit aus der Praxis: Die notwendigen Daten werden aufwendig gesammelt, die Analyse ist zeitintensiv und bedarf mehrerer Mitarbeiter*innen.

Mit ihrem Startup Data Reasons automatisieren sie das Vergangenheitsreporting. Egal, ob Abweichungen von Kennzahlen oder auffällige Steigungen und Peaks im zeitlichen Verlauf: Die Software liefert mit ihrem Algorithmus „vollautomatisch“ schnell alle Auffälligkeiten und deren Ursachen in vertrieblichen Unternehmensdaten.

Data Reasons verspricht, mehr Trends als zehn menschliche Controller*innen zu finden, kostet aber nur so viel wie eine*r. Nach Tests der Software mit einem Autohaus und einer Versicherung ist das Produkt jetzt marktreif.

Data Reasons UG, Timo Traulsen, 0163-7470577, timo.traulsen@datareasons.com, www.datareasons.com/

deepIng business solutions: Die „Factory-Fitness-App“ für KMU

Die beiden Gründer Dr. Carsten Wagner und Prof. Matthias Schmidt – mit insgesamt 25 Jahren Erfahrung in der Planung und Gestaltung von Lieferketten – nutzen in ihrer Freizeit Fitness-Apps, um gesundheitlich am Ball zu bleiben. Das brachte sie auf die zündende Idee einer Factory-Fitness-App für den Mittelstand, die mit Deep-Learning-Ansätzen eigenständig und kontinuierlich den Fitnesszustand einer Fabrik überwacht, Ursachen einer unzureichenden Zielerreichung erkennt und funktionsspezifisch zielgerichtete Trainingsmaßnahmen bereitstellt.

Beispielsweise erhält der Einkauf Vorgaben, dass Wiederbeschaffungszeiten zu verkürzen sind, und die Logistik, dass die Materialbereitstellung angepasst werden muss. Beides führt zu einer Verbesserung der Terminsituation in der Fabrik. Die Software lässt sich per Plug & Play an Datenbanken gängiger ERP-Systeme anbinden, ist lokal oder in der Cloud nutzbar. Die Factory-Fitness-App für den Mittelstand ist bereits am Markt und schon bei diversen Kunden in weiten Teilen im Einsatz.

Im Rahmen des Gründungswettbewerbs haben die beiden einen Programmierer kennengelernt. Der ehemals als Konkurrent angetretene Experte will jetzt ins Team von deepIng business solutions wechseln.

deepIng business solutions GmbH, Matthias Schmidt, 0157-8 5117337, schmidt@deeping.de, www.deeping.de

Smarte Viehzucht mit wiCow KI-Technologie von muTech

Im Idealfall bringt eine Kuh ihr Kalb leicht alleine zur Welt, das Kalb ist fit und nimmt rechtzeitig Erstmilch auf. Das wäre der Grundstein für eine erfolgreiche Kälberaufzucht. Oft sind es aber schwierige Kalbeverläufe, die für Landwirt*innen und ihren Tierbestand weitreichende Folgen haben. Sogenannte „Schwergeburten“ können im schlimmsten Fall zum Tod von Kuh und Kalb führen.

Mit dem wiCow System gibt die muTech GmbH Landwirt*innen eine effiziente Technologie an die Hand, mit der diese Risiken minimiert werden. Mit KI und Sensoren überwacht das System online die Gesundheitsdaten wie Körpertemperatur der Tiere, sodass auch der Zeitpunkt der Kalbung mit hoher Verlässlichkeit prognostiziert werden kann.

Ein Prototyp wurde bereits mit Erfolg bei Pilot-Viehzüchtern getestet, die Systementwicklung ist abgeschlossen und verkaufsbereit. Das Team sucht weitere Pilot-Bauernhöfe in allen Bundesländern und Vertriebspartner für die Vermarktung innerhalb der EU.

muTech GmbH, Tolga Cirak, 0174-9601612, safiye.celik@mutechgmbh.de, www.mutechgmbh.de

Nominierte, Sonderpreis „Hochschule & Wissenschaft“

Lösungen für die Smart Factory von MIP Technology

Industrie 4.0 braucht kostengünstige, robuste und datensichere Alternativen zu RFID, Bar- und QR-Codes. Die herkömmlichen Identifizierungssysteme stoßen im Industriebereich an ihre Grenzen, da sie unter anderem in verschmutzter oder heißer Umgebung nicht funktionieren und kaum Schutz vor Produktpiraterie bieten.

Die Magnetische Informations-Plattform (MIP) ist eine innovative Technologie zur Integration von ID in Produkten über Magnetbänder, wie wir sie aus Kreditkarten kennen. Die Technologie wurde explizit für den Einsatz im industriellen Umfeld über zwölf Jahre lang erforscht und mittlerweile patentiert.

MIP Technology, ein Spin-off aus dem Produktionstechnischem Zentrum, setzt mit mehreren Pilotkunden wie der Wabco-Gruppe die Integration der MIP-ID in kleinen Präzisionswerkzeugaufnahmen um. Die Temperaturbeständigkeit des Datenträgers liegt derzeit bei 120 Grad Celsius, wodurch die Integration einer MIP-ID in vielen Bereichen möglich wird. Die innovative Technik erhöht gleichzeitig deutlich den Schutz vor Raubkopien. Der Markteintritt ist für Anfang 2021 geplant.

MIP Technology, Lev Savkun, 0174-8891816, savkun@impt.uni-hannover.de, www.mip-technology.de

Startups brauchen im Schnitt 3,3 Millionen Euro

Die große Mehrheit der Startups in Deutschland benötigt in den kommenden zwei Jahren frisches Geld. Gerade einmal zwei Prozent geben an, dass sie keinen Kapitalbedarf haben, sieben von zehn (71 Prozent) benötigen dagegen neue Mittel, rund jedes Vierte will dazu keine Angaben machen. Dieses Bild ergeben Untersuchungen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die im Februar und März 206 Startups sowie im Mai und Juni 112 Startups befragt wurden.

Der durchschnittliche Kapitalbedarf der befragten Start-ups beträgt dabei 3,3 Millionen Euro – und durch die Corona-Krise sehen viele eine deutlich gesunkene Chance für eine erfolgreiche Finanzierung. So gaben zu Jahresbeginn noch 17 Prozent an, dass das benötigte Kapital bereits zur Verfügung steht. Von den Übrigen hielt es jedes dritte Startup (34 Prozent) für sehr wahrscheinlich, die benötigten Finanzmittel einsammeln zu können, gut jedes zweite (49 Prozent) für eher wahrscheinlich.

Nach dem Lockdown hat sich die Zuversicht stark eingetrübt: Nur noch jedes Zehnte (zehn Prozent) sieht den Kapitalzufluss als gesichert an. Von den Übrigen halten 18 Prozent eine erfolgreiche Finanzierung jetzt für sehr wahrscheinlich, unverändert 49 Prozent sehen dies als eher wahrscheinlich an.

Einen Ausweg sieht fast jedes vierte Startup in einem Umzug ins Ausland. 23 Prozent überlegen, Deutschland mit ihrem Startup zu verlassen, weil es hier zu wenig Kapital gibt. Zwei Drittel (69 Prozent) meinen, dass es in Deutschland zu wenig Venture Capital für Startups gibt. Und sogar drei Viertel (74 Prozent) sagen, dass es Startups in Deutschland helfen würde, wenn Versicherungen und Pensionsfonds einfacher in Venture Capital investieren können. Ein Börsengang zur Finanzierung kommt dabei nur für eine Minderheit der Startups in Frage. Gerade einmal jedes Fünfte (19 Prozent) streben den Gang aufs Parkett überhaupt an.

(ID:46696817)