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Automatisierung Post-Covid-19-Wirtschaft: Mehr Roboter schaffen mehr Jobs

| Redakteur: Jürgen Schreier

Das U.S. Bureau of Labor Statistics hat über positive Auswirkungen des Einsatzes von Industrierobotern auf die Beschäftigung in den vergangenen zehn Jahren berichtet. Eine verstärkte "Roboterisierung" nach der Corona-Pandemie wird Einschätzungen der International Federation of Robotics zufolge daran nichts ändern.

Studien zeigen: Roboter sind keine Jobkiller.
Studien zeigen: Roboter sind keine Jobkiller.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Unternehmen auf der ganzen Welt setzen zunehmend Industrieroboter ein: Innerhalb von fünf Jahren stieg der weltweite Bestand an Industrierobotern um rund 65 Prozent auf 2,4 Millionen Einheiten (2013 bis 2018). Für den gleichen Zeitraum meldete das U.S. Bureau of Labor Statistics einen positiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Jobs in der Automobilindustrie - dem größten Anwender von Robotern - erhöhte sich um 22 Prozent von 824.400 auf 1.005.000 (2013 bis 2018).

MIT-Studie in der Kritik

Diese Fakten stehen im Widerspruch zu den Schlussfolgerungen, die das MIT (Massachusetts Institute of Technology) kürzlich zu den Forschungen des MIT-Ökonomen Daron Acemoglu veröffentlicht hat.

Auf der Grundlage von Daten aus den Jahren 1990 bis 2007 leitet der Wissenschaftler einen insgesamt negativen Effekt von Robotern auf die Beschäftigung in in den USA ab. Jüngste Erfahrungen in den USA, Europa und Asien beweisen jedoch das Gegenteil: Die Einführung von Robotern wird wahrscheinlich eine entscheidende Determinante des Produktivitätswachstums in der Post-Covid-19-Wirtschaft sein. Dies sind Ergebnisse der International Federation of Robotics.

"Die Auswirkungen der Automatisierung auf die Beschäftigung unterscheiden sich in keiner Weise von früheren Wellen des technologiegetriebenen Wandels", sagt Milton Guerry, Präsident der International Federation of Robotics. "Produktivitätssteigerungen und Wettbewerbsvorteile der Automatisierung ersetzen keine Arbeitsplätze - sie werden Aufgaben automatisieren, Arbeitsplätze erweitern und neue schaffen".

Untersuchungen der OECD zeigen, dass Unternehmen, die Technologie effektiv einsetzen, zehnmal produktiver sind als Unternehmen, die dies nicht tun. Um die Arbeitskräfte mit den Soft Skills und technischen Kenntnissen auszustatten, die in der Post-Covid-19-Wirtschaft benötigt werden, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Regierung und Bildungseinrichtungen erforderlich. Staatliche politische Anreize sollten Unternehmensinvestitionen in die Ausbildung fördern und die Finanzierung von Bildung unterstützen.

IFR erwartet Renaissance der industriellen Produktion

Als Reaktion auf die Learnings, die aus Coronavirus gezogen wurden, überdenken Unternehmen auf der ganzen Welt ihre Geschäftsmodelle für die globale Lieferkette. Dies wird wahrscheinlich die Einführung von Robotern beschleunigen und in einigen Regionen zu einer Renaissance der industriellen Produktion führen - und Arbeitsplätze zurückbringen. Nach der Krise erwartet IFR einen erheblichen Schub für Robotik und Automation, auch wenn sich die Branche derzeit nicht vom wirtschaftlichen Abschwung abkoppeln kann.

Roboterindustrie im Fokus der Investoren

In die Roboterindustrie haben Venture-Capital-Firmen und andere Unternehmen 2019 Rekordinvestitionen in Höhe von 46 Milliarden Dollar getätigt. Jüngsten Zahlen des Technologieberatungsunternehmens ABI Research zufolge flossen insgesamt 17,8 Milliarden Dollar in Akquisitionen und weitere 29 Milliarden Dollar in Beteiligungen. Der größte Teil der Mittel konzentrierte sich auf autonome Personenkraftwagen (APVs), Medizinrobotik und Lagerautomatisierung. Bei den Investitionen in den Bereich Agrarroboter und Drohnen ist ein kräftiger Anstieg zu beobachten.

Auf die Vereinigten Staaten und China entfielen 89 Prozent des gesamten Investitionskapitals. Kalifornien beherbergt 77 Robotikanbieter, in die investiert wurde. Im „Rest“ der Vereinigten Staaten sind 88 Robotikunternehmen angesiedelt. Weitere Länder mit beträchtlichen Investitionen waren Kanada, Israel, Japan und UK.

Abgesehen von Risikokapitalgebern haben auch einige Großunternehmen ein Interesse an Automatisierungstechnologien gezeigt, darunter Amazon mit seiner Investition in Canvas Technology (bildbasierte Navigationstechnik). Auch Softbank hat erhebliche Summen in mehrere Roboterunternehmen investiert - darunter CloudMinds (Cloud-Lösungen für smarte Roboter), den Gastro-Roboterentwickler Bear Robotics und Berkshire Grey (Pick-Systeme). FLIR, Hersteller von Wärmebildkameras, investierte stark in Drohnen und Bodenroboter, um die eigenen Lösungen für Sicherheits- und Industrieinspektionen abzusichern. So übernahm FLIR die Aerodyne Group sowie Endeavour Robotics, ehemals Teil von iRobot.

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