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Expertenbeitrag

Jivka Ovtcharova

Jivka Ovtcharova

Professorin, Institutsleiterin, KIT

Trend-Dossier 2019

Physische und virtuelle Welten nähern sich weiter an

| Autor/ Redakteur: Jivka Ovtcharova / Sebastian Human

Wir erleben ein Feuerwerk an neuen Ideen und Technologietrends, die sich auch in diesem Jahr vor allem auf die Digitalisierung beziehen. Im Unterschied zu dem Mainstream im Produktions- und Medienbereich wird es in Zukunft jedoch mehr um die Diversität gehen.

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Materielle und immaterielle Welten verschmelzen auch 2019 immer weiter.
Materielle und immaterielle Welten verschmelzen auch 2019 immer weiter.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Einzelne Personen, Unternehmen oder Standorte gewinnen dabei sowohl im Tagesgeschäft als auch im Alltag an Relevanz. Genau aus dem Grund glaube ich, dass kurz- bis mittelfristig eher schwach industrialisierte Branchen und Regionen stärker an Größe gewinnen werden, wenn die Digitalisierung weiter vorangetrieben wird.

Technologietrends 2019

Die wichtigsten technologischen Trends für 2019 deuten klar darauf hin, dass es sich dabei nicht nur um die Masse, sondern mehr um Veränderung der Substanz handeln wird. Edge und Fog Computing, Mesh-WLAN, Beacons, Blockchain, 5G, Maschine Learning, Künstliche Intelligenz, Digital Twin und Extended Reality (XR) – die Liste der technologischen Trendsetter kann beliebig lang werden. Bereits heute lassen sich jedoch Zusammenhänge und Wechselwirkungen erkennen, die sich symbolisch in einem vierdimensionalen ‚All-in-One‘-Raum erfassen lassen, gekennzeichnet durch Infrastruktur, Intelligenz, Immersion und Echtzeitfähigkeit. Nicht die Technologien treiben die Veränderungen, sondern die Akzeptanz, die Art und Weise, wie Menschen Technologien empfinden und nutzen. Zahlreiche Beispiele für den Einsatz digitaler Technologien in der Fläche, wie intelligente Sprachassistenten bis hin zu In-Store-Beacons, zeigen, dass die Massenmärke auf Technologien setzen, die verfügbar, bezahlbar und funktionsfähig sind, die die Kundenerfahrung verbessern und Daten in Echtzeit und auf unkonventionelle Weise erfassen und auswerten. Zugleich steigt der Immersionsgrad der Empfindung der Menschen, da sowohl Bluetooth-Kopfhörer und -Lautsprecher als auch andere Peripheriegeräte wie Smart Watches und Glases mehr Verbreitung finden.

Internet der Substanzen

Aus dem Internet der Dinge wird das Internet der Substanzen - ich nenne es auch Internet der Sinne. Im Umgang mit dem IoT entwickeln Menschen einen ‚digitalen Mindset‘. Der Begriff hört sich noch wie ein Buzzword an, aber wir verbinden damit schon unsere persönliche Einstellung zu der Digitalisierung, die Art wie wir denken, handeln oder fühlen. Dabei geht es auch um unsere menschlichen Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen im Umgang mit der Digitalisierung, die zusammengehören und wechselseitig sind.

Physische und virtuelle Gegenstände verschmelzen weiter

Durch die rasante Entwicklung der IoT-Plattformen, sozialen Netzwerke und Online-Dienste wächst entsprechend die Rolle der Menschen in direkter Kommunikation mit anderen Menschen, aber auch mit Maschinen und Computern. Der Schwerpunkt der Betrachtung geht vom ‚Objekt‘ (Maschine, Computer) zum ‚Subjekt‘ (Mensch). Neueste Trends weisen darauf hin, dass sich die Grenze zwischen ‚Online-und-Offline-Sein‘ für Menschen auflöst. Dadurch verändert sich die Vorstellung der Menschen von Realität im Raum und in der Zeit. Materielle und immaterielle Welten verschmelzen. Echtzeitfähige Anwendungen, unterstützt durch realitätsnahe Visualisierungstechnologien, ermöglichen es, unsichtbare Phänomene sichtbar und frühzeitig validierbar für die Menschen zu machen, um dadurch zum Beispiel neue Produkteigenschaften und -funktionen zu verwirklichen. Weiterhin geht es auch um digitale Bildung und Qualifikation. Dadurch verlieren Vorurteile, Traditionen und physische Randbedingungen (u.a. Verfügbarkeit und Präsenz vor Ort) an Bedeutung. Fähigkeiten des vernetzten Denkens, mit dem Blick für das große Ganze, sind wie nie zuvor gefragt. Das Leben ist analog, die Kommunikation dagegen mehr und mehr digital. Dieser Trend bietet ungeahntes Potential für neue Berufe, Qualifikationen und Geschäftsmodelle. Das Allerwichtigste ist es, die Stereotypen abzuschaffen, die nicht mehr zeitgemäß sind, und nach vorne zu blicken - mit Mut zur Disruption.

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Jivka Ovtcharova

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