Suchen

Expertenbeitrag

 Michael Finkler

Michael Finkler

Business Development / Mitglied der Konzerngeschäftsleitung, proALPHA Software GmbH

Status quo: Industrie 4.0 PAC-Studie zeigt Chancen für deutsche Hersteller

| Autor/ Redakteur: Michael Finkler / Sebastian Human

Die erste Evaluierungsphase für Industrie-4.0-Projekte ist vorbei. Die Mehrheit der mittelständischen Hersteller befindet sich bereits in der Umsetzung entsprechender Konzepte. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage von PAC. Ein modernes ERP-System wird dabei oft als Voraussetzung angesehen.

Firmen zum Thema

Digitalisierungsinitiativen werden von fast allen deutschen Unternehmen als Chance begriffen.
Digitalisierungsinitiativen werden von fast allen deutschen Unternehmen als Chance begriffen.
(Bild: Photo by Markus Spiske on Unsplash / CC0)

71 % der befragten Unternehmen haben ihre Digitalisierungs-Skepsis bereits überwunden und werden die bestehenden Industrie-4.0-Projekte weiter vorantreiben, so das Kernergebnis der PAC-Umfrage. Größtenteils nehmen die Firmen die Digitalisierung als Chance und Sprungbrett für den zukünftigen Erfolg wahr. Deshalb sehen 94 % der befragten Unternehmen die Digitalisierung nicht als Bedrohung an. Vielmehr werden Digitalisierungsinitiativen vom Großteil der Unternehmen (92 %) als Chance begriffen, um Prozesse zu optimieren und die Effizienz zu steigern.

Kundenzufriedenheit und Automatisierung im Fokus

Im Mittelpunkt aller Unternehmensziele stehen immer mehr der Kunde und eine schnelle Reaktionsmöglichkeit auf seine individuellen Wünsche und Anforderungen. Genau hier bietet das Konzept Industrie 4.0 große Möglichkeiten, wie 72 % der befragten Unternehmen bestätigen. Sie wollen durch optimierte Prozesse besser auf die Kundenwünsche eingehen und ihre Servicequalität erhöhen. Außerdem gehen 78 % der Unternehmen davon aus, durch die Digitalisierung Mehrwerte, also neue Produkte und Services, anbieten zu können. Dies ist ein wesentlicher Aspekt, um attraktiv und konkurrenzfähig zu bleiben. Weitere 74 % versprechen sich damit Möglichkeiten der Expansion oder die Erschließung neuer Märkte. Ein weiteres wichtiges Ziel ist für 68 % der Befragten eine gesteigerte Effizienz durch Automatisierung.

Die richtigen Voraussetzungen für die Digitalisierung schaffen

91 % sehen in einer modernen ERP-Landschaft den Schlüssel zum zukünftigen Erfolg. Aber: 57 % der Unternehmen empfinden ihr bestehendes ERP-System als zu starr, um erfolgreich Industrie-4.0-Projekte umzusetzen. Die Mehrheit der Befragten plant daher, die ERP-Software in den kommenden zwei Jahren zu modernisieren.

Allerdings ist nicht nur die Technik entscheidend für den Erfolg von Industrie 4.0. 82 % der Befragten erwarten, dass die Geschäftsleitung die Digitalisierung vorantreibt. Als ebenfalls wichtig gilt die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit 89 % und die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. Das funktionierende Zusammenspiel von Management, Mitarbeitern und Technik bildet somit die Basis für erfolgreiche Industrie-4.0-Projekte.

Genau das sollten auch die Skeptiker von Anfang an bedenken. Denn es gibt auch weiter zögerliche Mittelständler. 29 % der Befragten haben die Potenziale der Digitalisierung noch nicht umgesetzt und befinden sich derzeit erst in der Prüfung und Evaluierung des potenziellen Mehrwerts von Industrie-4.0-Initiativen. Entscheider, die immer noch glauben, Digitalisierung sei nur ein Buzzword, sollten schnell umdenken, wenn sie den Zug in Richtung Zukunft nicht verpassen und im internationalen Wettbewerb bestehen wollen.

Schritt für Schritt zur Smarten Fabrik

Es gilt, Erfahrungen zu sammeln und darauf aufzubauen, statt abzuwarten. Nur so können Unternehmen die Potenziale, die sich im Kontext von Industrie 4.0 erschließen, ausschöpfen.

Denn durch die Digitalisierung entstehen schon heute neue Geschäftsmodelle, Produkte, Services und digitale Plattformen. In der produzierenden Industrie gibt es mittlerweile genügend Beispiele, etwa von Unternehmen wie Trumpf, Festo oder Bosch. Möglichkeiten bieten sich auch im Mittelstand beispielsweise über erste Pay-per-Use-/Performance-Modelle oder vorausschauende Wartungsservices. Industrie 4.0 wird jedoch in vielen Fällen noch vor allem mit der effizienten Produktion in Verbindung gebracht - insbesondere in Deutschland. In anderen Ländern liegt der Fokus viel stärker auf digitalen Services. Dafür sollte man bisherige Geschäftsmodelle hinterfragen und ungewohnte Perspektiven einnehmen.

Die eigenen Ziele eines Digitalisierungsprojekts sind von Anfang an klar zu definieren. Dennoch bedeutet ein Start in Richtung Digitalisierung nicht sofort eine Umstellung des kompletten Unternehmens: In vielen Fällen bringen kleine Schritte bereits deutliche Verbesserungen.

Beispielsweise bieten im ERP-System integrierte Workflow-Möglichkeiten, eine automatisierte Eingangsrechnungsverarbeitung sowie die Anbindung von Spezialanwendungen über eine serviceorientierte Architektur bereits Potenzial für einen schnellen ROI. Daher kann sich im Zuge der Entwicklung der eigenen Digitalisierungsstrategie auch ein Blick auf das ERP lohnen: Denn nicht alle vorhandenen ERP-Systeme erfüllen die Anforderungen an Integrationsfähigkeit, Flexibilität oder mobile Einsatzfähigkeit. Nur wenn die technischen Voraussetzungen vorhanden sind, können die Potenziale der Digitalisierung umfassend nutzbar gemacht werden.

Beim Thema Industrie 4.0 überwiegen die Chancen deutlich gegenüber den Risiken. Die Unternehmen sollten ihre Möglichkeiten weiter ausloten.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45701749)

Über den Autor

 Michael Finkler

Michael Finkler

Business Development / Mitglied der Konzerngeschäftsleitung, proALPHA Software GmbH