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Digitale Transaktion

Notarielle Verifikation für digitale Identitäten

| Autor/ Redakteur: Thomas Müller / Marlene Mahlo

Digitale Transaktionen bestimmen unseren Alltag, sowohl geschäftlich als auch privat. Die zentrale Frage ist aber: Woher weiß man, dass der Geschäftspartner derjenige ist, für den er sich ausgibt?

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Fehlende verlässliche Verifikation von Organisationen, Personen oder Produkten ist eine der großen Hürden der Digitalisierung.
Fehlende verlässliche Verifikation von Organisationen, Personen oder Produkten ist eine der großen Hürden der Digitalisierung.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Eine Schlüsselfrage bei der Digitalisierung jeglicher Business-Transaktionen heißt Vertrauen. Das weiß jeder, der schon mal versucht hat, im Internet aus zweiter Hand Tickets für ein Fußballspiel zu erwerben. Gibt es den Verkäufer wirklich? Darf er die Tickets verkaufen? Sind die Tickets gültig? Ein aus industrieller Sicht zugegeben profanes Beispiel. Doch ist genau diese fehlende verlässliche Verifikation von Organisationen, Personen oder Produkten eine der großen Hürden der Digitalisierung. Egal, ob eine Bestellung über den Online-Shop kommt oder – zukünftig – Maschinen bei Maschinen Aufträge auslösen: Der Auftraggeber muss sich sicher sein, dass er den Angaben des Anbieters vertrauen kann. Und umgekehrt.

Im B2C (Business to Consumter) übernehmen mittlerweile in fast allen Branchen große Plattformen und Marktplätze die Rolle des Vertrauen stiftenden Vermittlers. Airbnb, Uber oder Amazon haben starke Marken mit großem Vertrauensvorschuss aufgebaut, bei denen die Kunden sich sicher fühlen, auch wenn die eigentlichen Geschäftspartner fremde Kleinunternehmer oder Privatpersonen sind. Für Fußballtickets heißt der “Sekundärmarktführer” übrigens viagogo.

Digitale Identitäten für Mensch und Maschine

Auch im B2B (Business to Business) werden die wachsenden Anforderungen der Kunden und die Komplexität von Wertschöpfungsprozessen immer häufiger zur Bildung von unternehmensübergreifenden Kooperationen und Plattformen führen. Denn ob Untervermietung einer Arbeitsmaschine oder automatisierte Buchung von Maschinenstunden: Der Großteil der Prozessabwicklungen zwischen Unternehmen erfolgt derzeit noch per Telefon, Fax und e-Mail. Um die Prozesse vollständig zu digitalisieren und zu automatisieren, müssen Maschinen und Produkte direkt in digitale Prozesse integriert werden können. Eine Maschine, die digital einen Auftrag erteilen oder annehmen soll, braucht eine digitale Entsprechung, den sogenannten digitalen Zwilling. Aber wie kann die Echtheit dieses digitalen Zwillings bestätigt werden?

Notariell verifizierte Unternehmen

Für die Verifizierung von Unternehmens-Accounts gibt es verschiedene Verfahren. Bei Facebook muss man entsprechende Dokumente hochladen, andere Plattformen verlangen lediglich die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer oder die Nutzung eines Signaturservices. In den meisten Fällen genügt die Verifizierung der e-Mail Adresse: Keine gute Grundlage für industrielle Aufträge.

Business Blockchains, bieten Lösungen für Unternehmen, sich die Echtheit ihres Accounts notariell bestätigen zu lassen. Diese Verifikation sorgt für Grundvertrauen bei Geschäftspartnern im Netzwerk und dient zudem als Basis für verlässliche Sub-Verifikationen zugehöriger Maschinen, Produkte oder Mitarbeiter. Die Verifizierung erfolgt in einem zweistufigen Prüfverfahren. Netzwerk-Mitglieder können dabei die Prüfung von unabhängigen Notaren durchführen lassen, die eine entsprechende Urkunde erstellen. Diese belegt eine Verknüpfung zwischen einer digitalen Identität in der Business Blockchain und einem in der realen Welt unter einer bestimmten Firmierung und Adresse agierenden Unternehmen. Die notarielle Urkunde ist von allen Mitgliedern dieser Blockchain bei Bedarf einsehbar. Hat ein notariell bestätigtes Unternehmen in der Blockchain einen Digitalen Zwilling angelegt, können vertrauensvolle Transaktionen durchgeführt und automatisiert werden.

Verifizierte Digitale Zwillinge in der Praxis

Ein Anbieter, der solch eine Business Blockchain nutzt, ist de:rental, eine Initiative des Bundesverbands der Händler und Vermieter von Baumaschinen, Baugeräten, Flurförderzeugen und Arbeitsbühnen (bbi). Die an der Initiative beteiligten Hersteller, Vermieter und Servicepartner streben im ersten Schritt die Digitalisierung von Untervermietungsprozessen an. Kann ein Vermieter die Anfrage eines Kunden nicht allein bedienen, muss er auf Ressourcen von Herstellern oder anderen Vermietern zurückgreifen, und der administrative Aufwand dabei ist enorm hoch. Neben der Standardisierung von Maschinen-Zwillingen und der Prozessabwicklung steht beim Aufbau der dezentralen Kooperation das Thema Sicherheit ganz weit oben. Für die Initiative war die Möglichkeit der notariellen Verifizierung daher ein ausschlaggebendes Kriterium bei der Entscheidung, das Projekt auf der Business Blockchain zu starten.

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