Kommentar

No pain, no gain: Das IoT und die Jobs

| Autor / Redakteur: Cees Links / Jürgen Schreier

Cees Links ist Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Wireless Connectivity von Qorvo. Links zählt zu den führenden Experten im Bereich Drahtlos-Connectivity und ist Visionär, der die Welt des Mobile Computing und der Vernetzung zusammenbringt. 2017 wurde der Wi-Fi-Pionier mit dem Golden Mousetrap Lifetime Achievement Award von Design News ausgezeichnet.
Cees Links ist Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Wireless Connectivity von Qorvo. Links zählt zu den führenden Experten im Bereich Drahtlos-Connectivity und ist Visionär, der die Welt des Mobile Computing und der Vernetzung zusammenbringt. 2017 wurde der Wi-Fi-Pionier mit dem Golden Mousetrap Lifetime Achievement Award von Design News ausgezeichnet. (Bild: Qorvo)

Dass das rasante Wachstum des IoT am Arbeitsmarkt seine Spuren hinterlassen wird - darüber sind sich die Experten einig. Dennoch dürfte der befürchtete Kahlschlag ausbleiben. Wie bei früheren "industriellen Revolutionen" wird der technische Fortschritt zu einem langfristigen Anstieg der Beschäftigung führen.

Die Zahlen sind beeindruckend für das Internet der Dinge (IoT): IHS Technology prognostiziert in der Studie "IoT platforms: enabling the Internet of Things", dass der IoT-Markt von einer installierten Basis von 15,4 Milliarden Geräten im Jahr 2015 auf 30,7 Milliarden Geräte im Jahr 2020 und 75,4 Milliarden im Jahr 2025 wachsen wird - ein Anstieg von 60 Milliarden Geräten über zehn Jahre. Nicht minder optimistisch fällt eine Prognose von Bain & Company "How Providers Can Succeed in the Internet of Things" aus: Danach wird der Jahresumsatz von IoT-Anbietern, die Hardware, Software und umfassende Lösungen verkaufen, bis 2020 die Schwelle von 470 Milliarden Dollar übersteigen.

Allerdings wird das hohe Wachstumstempo im IoT parallel den Automatisierungsgrad in der Wirtschaft auf neue Höhen treiben - mit der Folge, dass die Menschen immer seltener "einfache Aufgaben" erledigen werden. Bedeutet das nun, dass die Nachfrage nach Personal mit hoher technischer Qualifikation steigt, während der Bedarf an weniger qualifizierten Arbeitskräften sinkt? Und was sind die unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt?

Fähigkeiten und Berufe mit Zukunft

Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, wie sich das IoT auf Arbeitsplätze und den Arbeitsmarkt auswirken wird. Zunächst das Offensichtliche: Geht es um IoT, so sind vor allem Fachleute mit einschlägigen Technologiekenntnissen und Kenntnissen im Bereich Datenanalyse (Data Science) gesucht. Millionen von Geräten werden in den nächsten Jahren online gehen; dazu wird eine beträchtliche Anzahl neuer Anwendungen entstehen. Folglich ist es keine Überraschung, dass Technologieunternehmen - wie auch große globale Unternehmen aus vielen Branchen - damit beschäftigt sind, IoT-Strategien zu entwickeln, um von diesem Trend zu profitieren. Viele der Unternehmen verfügen jedoch nicht über das Know-how oder über hauseigene Talente, um diese IoT-Strategien in die Praxis umzusetzen. Für den für Arbeitsmarkt sind das zunächst einmal gute Nachrichten.

Beginnen wir also mit den offensichtlichen Fähigkeiten und Berufen, die dank des Internet der Dinge in den nächsten fünf bis zehn Jahren sehr gefragt sein werden:

  • Schaltkreisdesigner, Mikrocontroller-Programmierer, Hardwareentwickler, Statistiker, App-Entwickler, Spezialisten für Netzwerksicherheit und Elektroinstallateure, die den Unternehmen die Umsetzung von IoT-Strategien ermöglichen.
  • Mitarbeiter, die über Know-how im Bereichen der Datenanalyse sowie der Schwachstellenanalyse verfügen. Die wrtden benötiogt, um Daten zu sammeln und zu extrapolieren, um Anwendungen zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen, sowie für die Berichterstattung an Führungskräfte und Investoren.
  • Das IoT eröffnet neue Möglichkeiten der Datenerfassung auf Basis neu angeschlossener Datenpunkte, verbunden mit der Entwicklung von Algorithmen für ein verbessertes maschinelles Lernen. Menschen, die über das Wissen verfügen, um solche Projekte zu realisieren, werden im IoT-Zeitalter keine Probleme haben, Arbeit zu finden.
Data Scientist - was er macht und wie man einer wird

"Digitale" Jobs

Data Scientist - was er macht und wie man einer wird

07.07.18 - Dank Big Data heiß begehrt ist der sogenannte Data Scientist. Was aber macht ein solcher Data Scientist, für was wird er gebraucht und wie wird man einer? Dr. Andreas Jedlitschka vom Fraunhofer IESE klärt auf. lesen

Das nicht so Offensichtliche: Der "Reinigungsmechnismus" der vierten industriellen Revolution. Das IoT hat das Potenzial, den gesamten Arbeitsmarkt und unser Leben in einem Ausmaß zu beeinflussen, das es seit der (ersten) industriellen Revolution sowie der Verbreitung der Fließbandproduktion nicht mehr zu spüren war. Das Netzwerk der angeschlossenen Geräte des IoT wird viele repetitive und anstrengende Arbeitsverrichtungen übernehmen. Der Nachteil: Einige der Menschen, die derzeit diese mühsamen Aufgaben erledigen, werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Aber man sollte nicht vergessen, dass die Gesamtbeschäftigung in der Wirtschaft bis heute nicht zurückgegangen ist - ungeachtet der pessimistischen Prognosen über den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Automatisierung. Es ist klar, dass Veränderungen für die vom Wandel in der Arbeitswelt Betroffenen sehr schmerzhaft sind. Aber insgesamt werden dort, wo Arbeitsplätze verloren gehen, andere Arbeitsplätze geschaffen. Dabei verschwinden Arbeitsplätze mit geringer Wertschöpfung und werden durch Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung ersetzt. Dies ist der "Reinigungsmechanismus", der das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Wohlstand beeinflusst .

Das Spinnrad - oder Automatisierung schafft neue Arbeitsplätze

Um zu verstehen, wie dieser "Reinigungsmechanismus" funktioniert, lassen Sie uns ein Beispiel aus der fernen Vergangenheit betrachten. Im Jahre 1412 verbot der Kölner Stadtrat einem lokalen Handwerker die Herstellung eines Spinnrades, weil er die Arbeitslosigkeit unter den Textilherstellern fürchtete, die die Handspindel benutzten. Das neue Spinnrad ermöglichte es einem Arbeiter, die zuvor von 200 Arbeitern produzierte Garnmenge zu produzieren. Dennoch führte dieser technologische Fortschritt nicht zu einem langfristigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Warum? Zwei Gründe gibt es dafür:

  • Die neue Maschine, das Spinnrad, schuf neue Arbeitsplätze im "Technologiebereich" (z.B. die Produktion der Maschinen).
  • Die sinkenden Preise für Textilien ermöglichte es den Verbrauchern, mehr Textilien und andere Waren zu kaufen, was in vielen Wirtschaftszweigen zu einem Beschäftigungswachstum führte.

Das Spinnrad ist nur ein Beispiel dafür, wie sich Prognosen zur technologiebedingten Langzeitarbeitslosigkeit als falsch erwiesen haben. Außerdem ist es notwendig, eine weit verbreitete, aber falsche Annahme zu entzaubern - nämlich dass Menge und Zusammensetzung der Arbeit in der Wirtschaft festgelegt sind. Bestehende Arbeitsplätze können mechanisiert und automatisiert werden, aber daneben können auch ganz neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen. So hätten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur wenige vorausgesagt, dass die Beschäftigung in Banken, im Healthcare-Bereich oder in der Unterhaltungsindustrie die Beschäftigung des gesamten Agrarsektors übersteigen würde.

Die nächste Ebene einer kreativen Kultur

Es ist wichtig, bei der Diksussion um IoT und Arbeitsplätze immer das "große Ganze" im Auge zu behalten. Wenn (intelligente) Maschinen die Grundarbeit leisten, können Menschen wichtigere Probleme lösen oder die dadurch frei gewordene Zeit auf interessantere Weise verbringen. Diese Verschiebung kann durchaus die nächste Ebene einer kreativen Kultur ermöglichen - z.B. das nächste Weltraumrennen, vielleicht aber eine neue Periode der Aufklärung initiieren?

Nachfolgend seien einige Beispiele genannt, wie das IoT neue kreative Projekte und Unternehmungen ermöglichen könnte:

  • Energie sparen. Die in IoT-Anwendungen gewonnenen Daten zum Energiesparen in einer Million Smart Homes könnten den Weg zu neuen Technologien weisen, mit denen sich weltweit Energie sparen lässt. Und die Schaffung dieser Technologien wird sicherlich neue Arbeitsplätze schaffen.
  • Verbesserung der weltweiten Nahrungskette: IoT basierte mit "Smart Farming" verbundene Technologien - wie die Erstellung von Satelliten-/Drohnenbildern, Sensoren, GPS-Kartierung, Wearables, Algorithmen und Robotik - könnten dazu führen, dass die Unsicherheit und Volatilität der weltweiten Nahrungsmittelversorgung in naher Zukunft der Vergangenheit angehören.
  • Wasserversorgung. IoT-Kooperationen sind bereits im Gange, die darauf abzielen, nicht weniger zu tun, als Versorgung der Welt mit Trinkwasser zu retten. IBM und die irische Dublin City University kooperieren bei einer neuen Sensor-Technologie, die wichtige Aspekte der Wasserqualitätsüberwachung verbessern und gleichzeitig die Kosten im Vergleich zu aktuellen kommerziellen Technologien senken kann.
  • Gesundheitswesen. Das IoT kann über Wearables, die in Echtzeit Warnungen bei Notfällen ausgeben, oder über in den Körper eingebettete Sensoren, die Medikamente zu bestimmten Zeiten oder bei Bedarf auf der Grundlage gesammelter Daten verabreichen, unzählige Menschenleben retten. Oder was ist mit Drohnen, die "Erste-Hilfe"-Ausrüstung und Medikamente in kriegszerrüttete oder abgelegene Gebiete schicken?

Kurzfristige Schmerzen, aber langfristiger Gewinn

Wie wir gesehen haben, führt der technologische Fortschritt zu zwei konkurrierenden Auswirkungen auf die Beschäftigung:

  • Da die Automatisierung zunimmt und die manuelle Arbeit ersetzt, wird die Gesamtbeschäftigung negativ beeinflusst, da einige Arbeitnehmer neue Beschäftigungsmöglichkeiten finden müssen.
  • Der "Kapitalisierungseffekt" wirkt sich positiv auf den Arbeitsmarkt aus, da immer mehr Unternehmen in Branchen mit hoher Produktivität (denken an das Spinnrad-Beispiel!) einsteigen, was zu einer Erhöhung der Gesamtbeschäftigungsmöglichkeiten führt.

Niemand bestreitet den Fortschritt, den das IoT bringt, aber das alte Sprichwort "no pain, no gain" scheint auch hier zu gelten. Die Herausforderung für die Gesellschaft besteht darin, eine Situation zu vermeiden, in der eine Gruppe den ganzen Schmerz erleidet, während eine andere Gruppe den kompletten Gewinn einstreicht. Wie man mit diesem Gleichgewicht umgeht, haben wir hoffentlich aus früheren Revolutionen gelernt.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45392445 / Digitale Transformation & Arbeiten 4.0)