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Management Statement

Neues zur Manufacturing Integration Platform (MIP)

| Redakteur: Sebastian Human

Im Interview erläutern Thorsten Strebel, Vice President Products and Consulting, und Jürgen Petzel, Vice President Sales, beide MPDV, wie Unternehmen unterschiedlicher Art vom Ökosystem der MIP profitieren können und welche technischen Hintergründe dafür von Belang sind.

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Im Gespräch mit Thorsten Strebel und Jürgen Petzel
Im Gespräch mit Thorsten Strebel und Jürgen Petzel
(Bild: MPDV )

Was verbirgt sich hinter der Manufacturing Integration Platform (MIP) genau?

Strebel: Die Manufacturing Integration Platform ist ein neuer und offener Ansatz für zukunftsfähige Fertigungs-IT. Im Gegensatz zu heutigen Systemen, die oftmals von Abhängigkeiten und festen Anwendungspaketen geprägt sind, kann man auf Basis der MIP flexibel Anwendungen unterschiedlicher Anbieter beliebig miteinander kombinieren. So entsteht quasi eine individuelle Standardsoftware. Anders gesagt kombiniert die MIP die Vorteile aus zwei Welten: den geregelten Lebenszyklus einer Standardsoftware und die Flexibilität eines Baukastensystems. Hinzu kommt das semantische Informationsmodell der MIP, dass auf dem Markt bisher einzigartig ist.

Für welche Einsatzszenarien bietet sich die MIP an?

Petzel: Grundsätzlich sehen wir drei Einsatzszenarien für die MIP: 1. Ein Anwender entwickelt auf Basis der MIP eigene Anwendungen und betreibt diese dann im Sinne einer individuellen Standardlösung. 2. Ein Systemintegrator stellt aus verschiedenen am Markt verfügbaren Anwendungen eine individuelle Lösung für einen bestimmten Kunden zusammen. 3. Anbieter von Maschinen und Komponenten für den Shopfloor entwickeln Anwendungen für die MIP und bieten diese als Add-On zu ihren Produkten an. Als Ergebnis dieser drei Szenarien sehen wir ein kontinuierlich wachsendes Ökosystem aus Anbietern, Anwendern und Integratoren.

Das Konzept der MIP ist seit Mitte 2017 auf dem Markt bekannt. Welche Möglichkeiten hat ein interessiertes Unternehmen, sich detailliert zu informieren?

Jürgen Petzel ist Vice President Sales bei MPDV.
Jürgen Petzel ist Vice President Sales bei MPDV.
(Bild: MPDV )

Strebel: Zunächst einmal findet man auf der Homepage von MPDV einführende Informationen und auch ein kurzes Video, dass die Prinzipien des Ökosystems anreißen. Für tiefergehende Details empfehle ich, das Competence Partner Book zur MIP zu lesen, welches wir zusammen mit der Competence Site veröffentlicht haben. Dieses Fachbuch gibt es mittlerweile auch in englischer Sprache.

Wenn ein Unternehmen nun auf Basis dieser Informationen plant, Teil dieses Ökosystems zu werden, wie geht es dann weiter?

Petzel: Spätestens dann wird es Zeit, dass dieses Unternehmen Kontakt mit uns aufnimmt – beispielsweise über die eigens dafür eingerichtete E-Mail-Adresse mip@mpdv.com. Dann können wir den Interessenten individuell und bedarfsgerecht mit weiteren Informationen versorgen. Gerne präsentieren wir die MIP auch live. Als nächsten Schritt bieten wir interessierten Unternehmen unser MIP Starter Kit in der Cloud an. Hier können die Entwickler des Interessenten kennenlernen, wie einfach man mApps programmiert und die Services der MIP nutzt. Dazu beinhaltet das Starter Kit auch das Software Development Kit (MIP-SDK).

Strebel: Und damit die Entwickler besser ins Thema finden, bieten wir eine Remote-Schulung zum Objektmodell der MIP an und unterstützen in Form von Development Support bei der Erstellung eigener mApps.

Dann hat das Unternehmen also Zeit, sich umfassend mit dem MIP-System zu befassen. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit MIP-Interessenten gemacht?

Strebel: In jeder Präsentation wurde die zielführende Struktur der MIP gelobt und auch die zur Verfügung stehenden Basisdienste wurden als sehr nützlich herausgestellt. Der Vorteil für Anwendungsentwickler liegt insbesondere darin, dass diese eben nicht jedes Mal neu entwickelt werden müssen. Vielmehr kann sich der Entwickler auf die eigentliche Anwendung konzentrieren und damit seine individuelle Businesslogik abbilden. Damit vereint die MIP das Beste aus zwei Welten: die Flexibilität eines Softwarebaukastens und die Anwendungsnähe einer etablierten Standardsoftware. Genau das unterscheidet die MIP von anderen am Markt verfügbaren Plattformen.

Petzel: Gleichzeitig ist das auch der Grund dafür, dass die MIP noch in keiner der üblichen Marktübersichten erscheint. Die MIP ist anders als alles, was es heute gibt: Die MIP ist kein MES-System und auch keine IoT-Plattform. Allerdings kann man auf Basis der MIP beides miteinander verknüpfen. Der Gedanke eines Ökosystems passt hier sehr gut, da jeder Beteiligte etwas gibt und dafür auch etwas nimmt. Anders ausgedrückt arbeiten alle zwar auf den gleichen Ressourcen, aber mit unterschiedlichen Sichtweisen.

In einer Pressemeldung von MPDV stand kürzlich, dass eine mApp sehr unterschiedliche Ausprägungen haben kann – wie ist das zu verstehen?

Strebel: Ganz einfach: eine mApp kann alles sein, das über die angebotenen Services mit der MIP kommuniziert. Beispielsweise kann eine Maschinensteuerung auf SPS-Basis Daten über den aktuell an der Maschine angemeldeten Auftrag abrufen und diese auf dem eingebauten Bediendisplay anzeigen. Oder eine Planungsanwendung aus einem ERP-Paket analysiert die anstehenden Aufträge und Arbeitsgänge, um diese in eine optimale Reihenfolge zu bringen und anschließend mit aktualisierten Terminvorgaben an die MIP zurückzuspielen. Auch eine mobile App für Smartphone oder Tablett könnte sich der Daten der MIP bedienen, um daraus Kennzahlen und Dashboards abzuleiten und grafisch zu visualisieren. Hier ist der Kreativität von Anwendungsentwicklern keine Grenze gesetzt – der App-Begriff ist also sehr weit gefasst.

Thorsten Strebel ist Vice President Products and Consulting bei MPDV.
Thorsten Strebel ist Vice President Products and Consulting bei MPDV.
(Bild: MPDV )

Welche Vorteile liegen in der offenen Architektur verglichen mit monolithisch konstruierter Software?

Strebel: Die Flexibilität für die Anwender steigt enorm. Dabei bleiben die Vorteile einer Standardsoftware erhalten. Die offene Architektur ermöglicht, dass Anwendungen unabhängig voneinander auf den gleichen Daten arbeiten. Das reduziert Aufwände für Kompatibilitätstests. Darüber hinaus können sogar zunächst als Individuallösung gedachte Anwendungen anderen Anwendern zur Verfügung gestellt werden. In Summe profitieren alle Teilnehmer des Ökosystems von der offenen Architektur. Aber auch an dieser Stelle muss ich nochmals auf das semantische Informationsmodell verweisen, das ein Hauptbestandteil der MIP ist und auch eine wesentliche Rolle für die Interoperabilität der einzelnen Anwendungen spielt.

Eine letzte Frage: Wie schätzen Sie aktuell den Markt für die MIP ein?

Petzel: Wir stehen noch ziemlich am Anfang, erwarten aber eine große Erfolgsgeschichte. Wie so oft weiß der Markt noch gar nicht, dass er etwas wie die MIP braucht. Folglich müssen wir erst einmal eine ganze Menge Aufklärungsarbeit leisten. Dafür nehmen wir am NextAct Event am 28.03.2019 in Köln teil. Hier treffen sich viele Größen der Industrie. Wir erwarten hier ein Forum, um über die Plattform der Zukunft – die MIP – zu diskutieren. Ich gehe davon aus, dass die MIP einen deutlichen Aufwind erfahren wird, sobald wir die ersten namenhaften Partner im Ökosystem begrüßen können. Daran arbeiten wir gerade mit Hochdruck.

Vielen Dank für das Gespräch.

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