4 Experten zum Thema 5G

Nachgefragt: Ist 5G der Turbo für das IIoT?

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Welche neuen Systemansätze und Lösungen für die Fabriken sind mit der 5G-Technologie denkbar?

Frank Hakemeyer: 5G hat das Potenzial zur Umsetzung ganz neuer Automatisierungsansätze. So könnten private 5G-Netze viele unterschiedliche und zum Teil proprietäre Wireless-Lösungen ersetzen und in einem Netz zusammenfassen. Das würde auch die Spektrumsnutzung deutlich vereinfachen. Darüber hinaus könnten Steuerungsfunktionen, die heute entweder lokal in Hardware abgebildet oder in die Cloud ausgelagert werden, zukünftig in der Edge Cloud – quasi dem Minirechenzentrum einer Basisstation – ablaufen. Damit wären zeitkritischere Funktionen und Regelalgorithmen möglich, die heute nur auf lokaler Steuerungs-Hardware durchführbar sind.

Benedikt Rauscher: Ein massiver Einsatz von verteilter Sensorik kann Informationen über den Zustand von Maschinen-Einheiten sowie von transportierten Gütern und Umgebungsbedingungen liefern, so dass auf Basis eines umfassenden Abbildes der physikalischen Welt vorausgeplant und geregelt werden kann sowie automatisch Maßnahmen eingeleitet werden können. Weitere bisher nicht realisierbare Anwendungen sind durch die mit 5G-Technologie erreichbare hohe Verfügbarkeit mit kurzen Latenzzeiten von drahtlosen Verbindungen möglich, z.B. bei der Steuerung von autonomen Fahrzeugen und anderen mobilen Szenarien.

Thorsten Schröer: Ein wachsendes Einsatzfeld für 5G-Technologielösungen ist z.B. das Tracking von Assets im Feld – auch jenseits von großen Baumaschinen oder Anlagen zur Erzeugung alternativer Energien. Ich denke beispielsweise an teure und technologisch anspruchsvolle Tools, wie etwa hydraulische Spezialwerkzeuge, die nicht nur möglichst wirksam vor Diebstahl geschützt werden müssen, sondern bei denen es auch darum geht, ihre Leistungsfähigkeit und ihren Verschleiß beziehungsweise Wartungsbedarf im Auge zu behalten.

Rahman Jamal: Um Industrie 4.0 weiter voranzutreiben, ist es unabdingbar, eine Infrastruktur bereitzustellen, die für industrielle Anwendungen geeignet ist. So wurde im ZVEI Anfang 2017 die Task Force 5G ins Leben gerufen, die aktuell zur 5G-ACIA erweitert wird. Hiermit sollen die Belange der Fertigungs- als auch der Prozessindustrie bereits in den Standardisierungsprozess integriert werden. Bereits heute gibt es viele Applikationen in der Industrie, bei denen eine drahtlose Kommunikation gefragt ist. Z.B. bei selbststeuernden Transportsystemen. Der Knackpunkt ist, dass immer mehr solcher Anwendungen zum Einsatz kommen, je höher die durch die Infrastruktur bereitgestellte Bandbreite und Echtzeitfähigkeit ist. Zudem schreit Industrie 4.0 geradezu nach hoher Flexibilität, so dass von verschiedenen Anwendungen genutzte Dienstleistungen und Plattformen erforderlich werden. Ähnlich wie LTE, das wir heutzutage vielerorts ganz einfach und selbstverständlich nutzen können, ohne erst eine Anwendung definieren oder implementieren zu müssen, wird die Kommunikation über Funk und in Echtzeit so ein Grundbestandteil einer allgegenwärtigen Kommunikationsinfrastruktur.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Elektrotechnik veröffentlicht worden.

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Fachredakteurin Automatisierung, Vogel Commnications Group GmbH & Co. KG