4 Experten zum Thema 5G

Nachgefragt: Ist 5G der Turbo für das IIoT?

| Autor / Redakteur: Sariana Kunze / Lisa Marie Waschbusch

(Bild: Pexels / CC0)

Der ZVEI treibt den 5G-Ausbau für die Industrie an und sieht die Technologie als Entwicklungsbeschleuniger für Industrie 4.0. Andere Stimmen aus der Softwarebranche sehen 5G als überflüssig für IIoT-Anwendungen an, eine zuverlässige und flächendeckende Verfügbarkeit sei wichtiger als mehr Bandbreite. Vier Experten über die Rolle von 5G für die Industrie und welche neuen Systemansätze und Lösungen denkbar sind.

Unter Experten gibt es konträre Meinungen zur Bedeutung von 5G-Netzen für die Industrie. Ist 5G nun wichtig oder überflüssig? Und: Welche Rolle wird 5G Ihrer Meinung nach für Industrie 4.0 spielen?

Frank Hakemeyer: 5G ist alles andere als überflüssig, denn die Technik stellt nicht nur eine höhere Bandbreite zur Verfügung, sondern beansprucht für sich, dass sie deutlich mehr bieten kann. Dazu gehören beispielsweise getrennte – gegebenenfalls garantierte – Ressourcen über das sogenannte private Network Slicing, extrem verkürzte Kommunikationszeiten von weniger als einer Millisekunde sowie die Auslagerung von Rechenleistung in das Feld über das sogenannte Edge Computing. Mit diesen Ansprüchen kann 5G einen großen Beitrag zur Umsetzung des Zukunftsprojekts Industrie 4.0 leisten.

Benedikt Rauscher: Eine flächendeckende und zuverlässige Verfügbarkeit der bestehenden Telekommunikationsnetze ist wichtig, diese sind jedoch primär zur Übertragung von Sprachsignalen und von Webseiten konzipiert worden und für IoT/IIoT-Anwendungen aus verschiedenen Gründen nicht optimal geeignet. Bei 5G sind nicht unbedingt nur die erreichbaren höheren Bandbreiten entscheidend, sondern auch die verringerten Latenzzeiten im Millisekunden-Bereich, wie sie bei mobilen Anwendungen mit harten Echtzeit-Anforderungen erforderlich sind. Des Weiteren sind zahlreiche völlig neue Anwendungen denkbar, die auf die in 5G integrierten Funktionalitäten wie z.B. zur Lokalisierung aufbauen. Eine nur lokale Netzabdeckung muss kein „Show-Stopper“ sein, sondern kann bei vielen Anwendungen ausreichend oder gar erwünscht sein. Insofern bin ich der Meinung, dass 5G tatsächlich eine treibende Rolle für Industrie 4.0 spielen wird.

Thorsten Schröer: Im Prinzip ist beides richtig – insgesamt schätze ich die Bandbreite vielleicht als etwas weniger relevant ein. Es kommt eben ganz darauf an, in welcher Region ein Unternehmen unterwegs ist und wie der konkrete Bedarf an netzgebundenen beziehungsweise mobilen Übertragungskapazitäten aussieht. Geht es um den Einsatz von Drohnen zur Überwachung einer Windkraftanlage, dann ist 5G natürlich der Standard der Wahl. Oder wird irgendwo weitab vom Schuss eine neue Produktionsstätte aufgebaut, die auf einen schnellen und leistungsfähigen Datenaustausch angewiesen ist, dann ist die Bandbreite entscheidend. Aber überall dort, wo Sicherheit eine große Rolle spielt – und das ist eindeutig die Mehrzahl der Fälle – ist eine stabile und sichere netzgebundene Verfügbarkeit generell das sehr viel gewichtigere Kriterium.

Rahman Jamal: Unbestritten wird 5G für eine effiziente Vernetzung von IoT-Geräten sorgen. Ich würde sogar behaupten, dass der Standard die Entwicklung von Industrie 4.0 vorantreiben wird, denn er ermöglicht neue Systemansätze und Lösungen für den Produktionsprozess. Daher ist es wichtig, bereits bei der Standardisierung dafür zu sorgen, dass 5G auch die Anforderungen der Industrie abdeckt. Um etwas konkreter zu werden: Es gibt eine Reihe von Industrieapplikationen, die von den 5G inhärenten Eigenschaften wie extrem hohe Zuverlässigkeit und Echtzeitfähigkeit, mehr Datendurchsatz, geringe Latenz, wesentlich engere Vernetzung, größere Mobilität und IT-Security profitieren würden. So eignet sich der neue Standard beispielsweise für alle „mobilen“ Bereiche, sei es für mobile Roboter und Werkzeuge oder autonome Transportsysteme. Ebenso denkbar ist der Einsatz in Augmented-Reality-Anwendungen, die für Industrie 4.0 eine wachsende Bedeutung haben werden. Je mehr solcher Applikationen es gibt, desto mehr Bandbreite und kürzere Antwortzeiten sind erforderlich – unsere heutigen Netzwerke werden schnell an ihre Grenzen stoßen. 5G kann hier Abhilfe schaffen. Neben der ganzen Diskussion um 5G darf man aber nicht das aufkommende Time-Sensitive Networking (TSN) vergessen. Meines Erachtens wird es denselben Stellenwert für das IIoT haben wie 5G für die Telekommunikation. Die Parallelen sind offensichtlich: Beide Standards ermöglichen eine einfache Vernetzung von Geräten – der eine kabelgebunden, der andere drahtlos. Beide werden durch Standardisierungsgremien vorangetrieben, bauen auf kommerziellen Technologien auf und sind nahezu unbelastet von Firmeninteressen.

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