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Expertentreffen HMI 2019

Nachbericht: Themencamp IoT & Plattformen

| Autor/ Redakteur: Philipp Uhl / Burkard Müller

Was sollten B2B-Unternehmen beachten, die IoT-Plattformen für sich nutzen wollen? Wann und wie ist eine solche Kollaboration sinnvoll? Diese und andere Fragen wurden im Rahmen unseres Expertentreffens im zugehörigen Themencamp diskutiert.

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Die Runde v. l. n. r.: Peter Portner, Philipp Uhl, Reda Mostafa, Jan Rodig, Christoph Plass, Heinz Wilming, Larry Terwey, Jodok Schäffler und Sören Rose (mit dem Rücken zur Kamera).
Die Runde v. l. n. r.: Peter Portner, Philipp Uhl, Reda Mostafa, Jan Rodig, Christoph Plass, Heinz Wilming, Larry Terwey, Jodok Schäffler und Sören Rose (mit dem Rücken zur Kamera).
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Im Rahmen der Hannover Messe 2019 veranstalteten wir auch in diesem Jahr unser Expertentreffen zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten. Das Treffen gliederte sich in vier Themencamps zu folgenden Inhalten: Funktechnologie, Security, Digitale Transformation sowie IoT & Plattformen. Für das letztgenannte Thema fanden sich folgende acht Experten ein, um zu diskutieren:

  • Heinz Wilming ist verantwortlich für die Geschäftsentwicklung IoT / Industrie 4.0 bei der akquinet AG am Standort Berlin. Er beschäftigt sich dort mit Technologien und Architekturen für IoT-Anwendungen.
  • Jan Rodig verantwortet als CEO des IoT-Dienstleisters tresmo GmbH die strategische Beratung und Umsetzungsbegleitung zu IoT-Strategien und -Geschäftsmodellen für zahlreiche Industrieunternehmen. Das Unternehmen entwickelt anspruchsvolle digitale Individuallösungen für mittelständische und international agierende Unternehmen
  • Reda Mostafa ist Business Development Director bei PTC. Er unterstützt Unternehmen der Prozessindustrie mithilfe der IIoT-Plattform ThingWorx bei der digitalen Transformation.
  • Christoph Plass ist Vorstand der Managementberatung UNITY AG. Er berät Unternehmen in den Bereichen Programm- und Projektmanagement, Organisationsentwicklung, Prozess- und Changemanagement sowie IT-Management. Darüber hinaus ist er Experte für die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0.
  • Larry Terwey ist IoT-Evangelist und Principal Alliances Specialist bei SAS. Das Unternehmen zielt darauf ab, Analytics-Infrastrukturen zukunftssicher zu gestalten und zu modernisieren.
  • Peter Portner fungiert als Managing Director DACH bei der Senseye GmbH, dem führenden, cloud-basierten Produkt für Predictive Maintenance 4.0.
  • Jodok Schäffler ist bei Crate.io für die weitere Entwicklung und Vermarktung der neuen Datenmanagement-Plattform des Unternehmens verantwortlich. Crate.io bietet eine integrierte Lösung für das Handling massiver Datenmengen.
  • Sören Rose arbeitet als Geschäftsführer der inray Industriesoftware GmbH. Als einer der führenden Spezialisten für Industriesoftware hat sich inray seit über 20 Jahren am Markt für MES/SCADA, LIMS und MDE/BDE-Systeme etabliert.

Welchen Schwierigkeiten stellen sich Unternehmen im B2B-Bereich bei der Umsetzung?

Sören Rose, Geschäftsführer bei der inray Industriesoftware GmbH, meint: „Es gibt drei Schwierigkeiten. Zunächst sollten Datenquellen für IoT zur Verfügung stehen, um das Problem der Vernetzung zu lösen.“ Hier seien veraltete Maschinen das Hauptproblem. Zudem reichten Kompetenzen für die Vernetzung in vielen Unternehmen nicht aus. Als dritten Punkt führt Rose aus: „Bei vielen Kunden fehlt das Verständnis: Wo ist der Nutzen? Wie bei den Themen ERP und MES fragen sie sich: Wofür gebe ich da Geld aus?“

Als Beispiel führt Rose an, dass es in der Prozessindustrie zwar viele Daten gäbe. Aber das Kernproblem im Kontext der Digitalisierung sei die Frage, wie letztere nutzbar gemacht werden könnten. Wer sich also mit IoT-Plattformen beschäftige, stehe vor der Herausforderung, dies zunächst den Mitarbeitern zu erklären und dann ein Business daraus zu machen.

Jan Rodig von der tresmo GmbH sieht als größte Herausforderung für die Hersteller von Industrie-Equipment, dass diese befürchteten, Kunden würden „eine große Plattform“ einführen „und dass ihre ganzen digitalen Geschäftsmodelle“ nicht von Kunden genutzt würden. Rodig weiß als Mitbegründer und Geschäftsführer des vor sieben Jahren gegründeten Unternehmens, welches sich mit Beratung und digitalen Geschäftsmodellen beschäftigt: „Es gibt viele verschiedene Features und viele verschiedene Kostenmodelle. Was ist also das Richtige?“

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Wie werden IoT-Projekte mittel- und langfristig vorangetrieben?

In der Vergangenheit der Implementierung von IoT-Strukturen sahen sich viele Unternehmen mit massiven Problemen konfrontiert. Nach Ansicht der Teilnehmer investierten viele daraufhin gezielt, was der erste Treiber für IoT-Projekte im Allgemeinen war. Der zweite Treiber waren Generationswechsel in der Unternehmensführung.

Viele Elemente, die für die Implementierung von IoT-Strukturen notwendig sind, haben Unternehmen jedoch bereits. Somit stufen die Experten die Voraussetzungen als nicht schlecht ein. Zu diesen vorteilhaften Voraussetzungen zählt der Status Quo beispielsweise bei Sensorik, Gateways, Connectivity, hybride Architekturen, Cloud, Analytics, Plattformen oder Roboter.

Und selbst wer diese Elemente noch nicht integriert hat, kann sie sich einfach beschaffen. Denn die Teilnehmer stufen sie als bezahlbar ein. Wichtig, um IoT-Projekte konsequent auf die Zukunft auszurichten, ist es jedoch, eine strategische Initiative und das passende Konzept für die jeweilige Unternehmung zu entwickeln.

Die Bedeutung einer ganzheitlichen Unternehmensstrategie bei der Implementierung von IoT-Plattformen

Jodok Schäffler vom Startup Crate.io, das aus dem Datenbankbereich kommt, ist mit seiner Erfahrung aus 15 Jahren in der produzierenden Industrie der USA überzeugt: „Es fängt damit an, dass man IT, OT, die verschiedenen Produktionsbereiche, alle zusammenbringen muss, um ein gesamtes Bild, nämlich eine Abbildung dieser Firma in der digitalen Welt zu erreichen.

Dazu sei es notwendig, „top-down“ zu arbeiten. Das ist laut Schäffler entscheidend, um eine Strategie zu haben und darüber hinaus eine Vision, wie sich die Firma weiterentwickeln soll. Die Level unterhalb der Unternehmensführungsebene müssen operativ eingebunden werden. Keine Abteilung darf losgelöst davon sein, sondern alle Ebenen einer Firma müssen adressiert werden. Es empfiehlt sich dabei für Unternehmen, holistisch, also ganzheitlich, zu arbeiten.

Neben der „top-down“-Koordination im Unternehmen dürfen Verantwortliche nicht die entgegengesetzte Richtung vernachlässigen. Die Richtung „bottom-up“ ist ebenfalls wichtig, um agil zu bleiben, um Erfahrungen zu machen. Hierbei können auch Fehler auftreten. Doch auch diese sind in der Überzeugung der Teilnehmer wichtig, da der Ansatz „top-down“ sonst zu langsam und zu statisch ist.

Wie kann Skepsis in Firmen abgebaut werden?

Als Kick-Off kann die IoT-Implementierung in einem Innovations-Workshop etabliert werden. Zunächst können Dienstleister auf den CFO (Chief Financial Officer) und den CTO (Chief Technology Officer) zugehen. Diese als Verantwortliche für die Finanzplanung und die technische Vision des Unternehmens sollten zunächst einmal Feuer für die Idee fangen.

Nach dieser Vorarbeit ist es sinnvoll, ein Team von 15 bis 20 Leuten aus den unterschiedlichsten Abteilungen wie Sales, Marketing, IT und Serviceorganisation zusammenzustellen. Diese sollen miteinander harmonieren, Spaß haben und den Workshop durchführen. Dabei ist es von hoher Bedeutung, wie Fehlerkultur im Unternehmen gelebt wird. Wenn externe Anbieter aufzeigen wollen, wohin die Reise geht, können sie einer Firma auch veranschaulichen, welche Fehler sie begeht und was dann als deren Ergebnis zu erwarten ist – gewissermaßen eine „Anleitung zum Misserfolg“.

Eine IoT-Plattform zu haben, die die Anforderungen erfüllt und sich ins gesamte Ökosystem einpasst, ist dabei ein sinnvolles Ziel. Nur so kann ein Unternehmen überzeugt werden, eine langfristige Investition in IoT-Plattformen zu tätigen.

Die wichtigsten Erkenntnisse zu IoT-Plattformen in der Übersicht

  • Notwendig ist mehr Mut, etwas zu verändern.
  • Vor der IoT-Implementierung muss eine Vision, dann eine Strategie dafür, entwickelt werden.
  • Berater können wichtige Impulse dabei geben.
  • Wenn Firmen statt Insel-Lösungen zu entwickeln, wettbewerbsunabhängig zusammenarbeiten, lassen sich Kräfte bündeln und so Prozesse beschleunigen.
  • Dazu sollten standardisierte oder sogar offene Plattformen eingeführt werden.
  • Eine agile Arbeitsweise im IoT-Bereich ist entscheidend, um effiziente Wertschöpfungsnetzwerke zu errichten.

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