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Cloud Computing

Multi Cloud: 2020 kommt der Durchbruch

| Redakteur: Jürgen Schreier

Multi Cloud ist in deutschen Unternehmen auf dem Vormarsch. Nach einer aktuellen IDC Studie wird das Multi-Cloud-Konzept im Jahr 2020 seinen Durchbruch auf breiter Front erleben.

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Die Cloud ist heute Commodity. Cloud Services und Cloud-Technologie haben sich in den Unternehmen in Form von Public Cloud und Private Cloud längst etabliert. I
Die Cloud ist heute Commodity. Cloud Services und Cloud-Technologie haben sich in den Unternehmen in Form von Public Cloud und Private Cloud längst etabliert. I
(Bild: Pixabay / CC0)

Die neue IDC Studie "Cloud Trends in Deutschland 2018" hat im Spannungsfeld zwischen Cloud Commodity und Multi Cloud bemerkenswerte und teilweise überraschende Einsichten zutage gefördert:

  • 90 Prozent der Befragten haben eine Cloud-Strategie definiert.
  • 68 Prozent der Unternehmen verwenden Cloud Services und Cloud-Technologie für mehrere Workloads.
  • 15 Prozent der Befragten nutzen eine Multi Cloud, es herrscht aber offensichtlich noch viel Unklarheit hinsichtlich einer effizienten Nutzung.

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Die Cloud ist heute Commodity. Cloud Services und Cloud-Technologie haben sich in den Unternehmen in Form von Public Cloud und Private Cloud längst etabliert. In den vergangenen Jahren wurden in rascher Folge Technologien, Lösungsansätze, Frameworks und Deployment-Modelle neu entwickelt und optimiert. Sie verfügen über ein großes Potential zur Verbesserung der internen Prozesse, zur Erhöhung der Profitabilität oder auch zur Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen.

Der nächste Evolutionsschritt heißt Multi Cloud

Mit der Multi Cloud steht der nächste Evolutionsschritt auf dem Weg zur nahtlosen und automatisierten Bereitstellung von IT-Ressourcen und Businessplattformen aus internen und externen Quellen ins Haus. Das ist offensichtlich für viele Unternehmen in Deutschland eine interessante Option. Allerdings ist die Nutzung einer Multi Cloud kein Selbstläufer, sondern vielmehr eine anspruchsvolle und komplexe Aufgabe.

Um detaillierte Einblicke in die aktuellen Umsetzungspläne, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren in puncto Cloud Computing zu erhalten, hat IDC im August 2018 in Deutschland IT- und Fachentscheider aus 200 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Alle befragten Unternehmen haben sich umfassend mit Cloud Services und Cloud-Technologie beschäftigt.

Der Status von Cloud Computing in Deutschland kann eindeutig als etabliert bewertet werden. Cloud ist in 90 Prozent der befragten Unternehmen verankert, entweder als Bestandteil der IT-Strategie oder sogar als Teil der Unternehmensstrategie. Nahezu die Hälfte der Firmen hat die Cloud-Strategie in die Unternehmensstrategie integriert.

Das ist ein klarer Beleg für die enge Verzahnung von Cloud Computing und Business. Denn für die Umsetzung der hochgradig komplexen Geschäftsprozesse in digitalen Ökosystemen kommt eine Vielzahl von Anwendungen und Diensten zum Einsatz, die agile, skalierbare und automatisiert bereit gestellte Ressourcen, Systeme und Anwendungen erfordern. Hierfür stellt die Cloud die passenden Tools bereit. Die Modernisierung der Informationstechnologie zählt demzufolge zu den Top-3-Prioritäten der nächsten 12 Monate. Ein Umstand, der die IT-Branche positiv stimmen dürfte.

Datengetriebene Anwendungen wandern flächendeckend in die Cloud

Cloud Services und Cloud-Technologie durchdringen die Organisationen immer umfassender. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen setzt die Cloud in mehr als einem Anwendungsfall bzw. einer Workload ein. Je nach Anforderung an die Compliance, die Sicherheit, Wirtschaftlichkeit oder Agilität der Anwendungsfälle wird sich die Nutzung der verschiedenen Deployment-Modelle weiter intensivieren.

Vor allem datengetriebene Anwendungen wandern flächendeckend in die Cloud. In den nächsten zwölf Monaten planen beispielsweise 91 Prozent der Unternehmen Big Data, 87 Prozent Business Intelligence und Data Warehousing und ebenfalls 87 Prozent Enterprise-Anwendungen (ERP und CRM) hauptsächlich in der Cloud (Public, Private Cloud im Provider Data Center oder Private Cloud im eigenen Data Center) zu betreiben. Das sind vorrangig solche Workloads, die skalierbare Ressourcen benötigen.

Analog der Geschäftsmodelle der Unternehmen entwickeln sich die IT-Umgebungen ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit weiter. Die Cloud ist also immer häufiger die erste Wahl. Für die Einführung neuer IT-Lösungen evaluieren die befragten Unternehmen immer gezielter Cloud-Lösungen. 23 Prozent prüfen zunächst regelmässig, ob für den relevanten Anwendungsfall eine Lösung in der Cloud verfügbar ist. Weitere 39 Prozent evaluieren Cloud- und Non-Cloud-Lösungen auf gleicher Augenhöhe. IDC erwartet, dass sich der Cloud-First-Approach in den nächsten 12 bis 24 Monaten noch weiter durchsetzen wird.

Die hohe Attraktivität der Multi Cloud basiert auf einer übergreifenden, integrierten und automatisierten Bereitstellung von IT-Ressourcen und Businessplattformen, beispielsweise interner Data Center Services und externer Cloud Services. Nach wie vor existieren unterschiedliche Definitionen der Multi Cloud.

Multi Cloud - was ist das eigentlich?

Aus Sicht von IDC kann man dann von einer Multi Cloud sprechen, wenn entweder zwei Services derselben „Cloud-Typen“ von der IT integriert angeboten werden, einschließlich Monitoring und Compliance, oder Off-premises-Anwendungen sich ad hoc per API mit On-premises-Anwendungen verbinden lassen. Immerhin 44 Prozent der Befragten teilen die Sichtweise von IDC auf die Multi Cloud. Die verbleibenden 56 Prozent verstehen unter der Multi Cloud die Nutzung der Cloud-Services-Angebote unterschiedlicher externer Cloud Provider, eine Nutzung verschiedener Cloud-Deployment-Modelle, d.h. Public und Private Cloud oder bei Bedarf die Bereitstellung von Infrastruktur-Kapazitäten aus einem definierten Private Cloud Pool in einen Public Cloud Pool.

„Für den Erfolg von Multi Cloud-Projekten ist ein deckungsgleiches Verständnis aller Beteiligter über die Multi Cloud und die daraus abzuleitenden Aufgaben unerlässlich“, erläutert Matthias Zacher, Manager Research & Consulting und Projektleiter bei IDC. „Andernfalls sind unlösbare Konflikte beispielsweise beim Management und der Portabilität von Cloud Services vorprogrammiert.“

Multi Clouds befinden sich ohne Zweifel noch in einer frühen Marktphase. Nachdem sich zunächst Provider und Rechenzentrumsanbieter mit dem Thema beschäftigt haben, evaluieren zahlreiche Unternehmen nun zunehmend die Möglichkeiten von Multi Clouds auf Basis einer zentralen Cloud-Plattform. Allerdings nutzen derzeit gerade einmal 15 Prozent der Befragten eine Multi Cloud. Unter Berücksichtigung dessen, dass ausschließlich Unternehmen mit Cloud-Aktivitäten befragt wurden, klingt diese Zahl zunächst nicht beeindruckend. Dies wird sich aber in den nächsten 12 bis 24 Monaten deutlich wandeln. 60 Prozent der befragten Unternehmen planen im vorgenannten Zeitfenster, Multi Clouds produktiv zu nutzen. Diese Zahl belegt eindeutig, dass Multi Cloud ein Thema von heute und nicht erst von übermorgen ist.

Knackpunkt: Beherrschung der vielfältigen Prozesse

Herausfordernde und hinderliche Aspekte sind immer noch die hohe Komplexität sowie unklare Prozesse. IDC hört in Gesprächen mit IT-Verantwortlichen immer wieder, dass die Technologie für Private Clouds und Hybrid Clouds weitgehend verstanden worden ist. Der wahre Knackpunkt liegt somit in der Beherrschung der vielfältigen Prozesse. Dabei geht es um die passenden Betriebsmodelle, ausreichende Sicherheit und Compliance, Kostentransparenz, die Nutzerverwaltung und eine effiziente Orchestrierung von Cloud Services. Viele dieser Aspekte werden durch die vorliegende Befragung noch einmal bestätigt. Ein weiterer Punkt, der offenkundig eine Herausforderung darstellt, ist die Frage, wie die IT-Organisation künftig aufgestellt sein soll und welche Aufgaben die einzelnen IT-Mitarbeiter in der Multi Cloud übernehmen sollen.

Die IDC Studie zeigt deutlich: Die Cloud ist Commodity. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass die Unternehmen die Frage nach dem „ob“ längst entschieden haben. Viele Firmen sind bereits einen entscheidenden Schritt weiter und haben definiert, welche Cloud Services und welche Cloud Technologie für welchen Anwendungsfall genutzt werden bzw. genutzt werden sollen. Die Bandbreite der Einsatzszenarien ist extrem groß und umfasst alle IT-Ressourcen eines Unternehmens: Während sich Standardanwendungen mit geringem Aufwand aus der Cloud nutzen lassen, bleibt die Überführung von unternehmenskritischen Anwendungen in die Cloud weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe.

Cloud Computing in seinen unterschiedlichen Facetten hat sich unter anderem durchgesetzt, weil es die Fragen nach Compliance, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit, Agilität und Kundenzufriedenheit beantwortet hat. Cloud Computing stellt aber auch bisherige IT-Architekturkonzepte in Frage. Das Abbilden der klassischen IT-Silos in der Cloud verschenkt extrem viel Potential. Multi Clouds sind daher ein vielversprechender Ansatz für das Infragestellen und Aufbrechen existierender IT-Infrastrukturen.

Interview mit Frank Sander, LG Electronics Deutschland

Anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der Studie „Cloud Trends in Deutschland 2018“ sprach IDC mit Frank Sander, Head of Marketing, Information System Products von LG Electronics Deutschland.

IDC: Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Cloud aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?

Frank Sander: Ich glaube, die Themen sind dieselben wie in den vergangenen Jahren. Datensicherheit, Vertrauen und Datenschutz stehen natürlich ganz oben auf der Agenda aufgrund der gesetzlichen Regelungen. Für uns als Display- und Hardware-Hersteller ist es besonders interessant und spannend, wie normal die Cloud geworden ist. Thin Clients, Boxen und Zero Clients waren in den letzten Jahren fast noch Exoten, heute bewegen wir uns mit der nächsten Client-Generation sehr schnell in Richtung Mainstream.

IDC: Welchen typischen Herausforderungen stehen Unternehmen bei der Transition ihrer IT und ihrer Wertschöpfungsketten auf Cloud Services und Cloud-Technologie gegenüber?

Sander: Wie bereits gesagt sind wir in erster Linie ein Hardware Hersteller. Daher sehen wir Herausforderungen und Chancen sicher differenziert; anders als die meisten Anbieter von Migrationssupport, Tools, Beratung oder Plattformen. Wir glauben an die einfachere, schnellere und wartungsarme IT-Hardware, die mit der Transition einhergehen kann. Wir hoffen auf aufgeräumte, vereinfachte, austauschbare Arbeitsplätze – die vielen Vorteile einer Cloud-IT beschränken sich nicht nur auf Prozesse oder Anwendungen, sondern gelten auch für die IT-Hardware. Mit dem Auslagern von Prozessen und Rechenleistung ergibt sich für Unternehmen und Anwender auch die Chance auf einen modernen Desktop; auch physikalisch.

IDC: An welchen Fehlern scheitern Ihrer Erfahrung nach Cloud-Projekte, und warum?

Sander: Die Fehlerquellen für mögliches Scheitern sind bei praktisch allen Projekten die gleichen, da bilden Cloud-Themen keine Ausnahme: Strategie, Budget, Beratung, Zeit und Kommunikation. Cloud-Migration kann ein sehr komplexes Thema sein. Wenn dann nicht alle Faktoren stimmen und nicht alle Beteiligten „dieselbe Sprache“ sprechen, sind Probleme oft vorprogrammiert.

IDC: Die Veränderung in der IT-Organisation ist nicht selten schwieriger als die Einführung neuer Technologien, Lösungen und Services. Welchen Rat geben Sie Entscheidern mit auf den Weg, um die gewachsenen Strukturen und Abläufe erfolgreich für Clouds zu öffnen?

Sander: Da gibt es sicher kaum ein Patentrezept. Nach wie vor ist es so, dass viele Menschen große Veränderungen nicht besonders gern sehen; da ist eben immer sehr viel Psychologie dabei. Änderungen bringen bekanntermaßen oft Unsicherheit. Also muss man alle Beteiligten mit an Bord haben – und zwar von Anfang an. Wer überzeugt statt zwingt, wird oft überrascht sein, wie viel Offenheit und Bereitschaft zum Wechsel es oft auch in alten, eingespielten Teams gibt.

IDC: Welche Gefahr besteht, wenn Unternehmen die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Cloud verschlafen und sowohl in technologischer als auch in Prozess-Sicht einem „Weiter so“ verfallen?

Sander: Eine fast hypothetische Frage. Ein „Weiter so“ kann es kaum irgendwo geben. So viel Weitsicht herrscht sicher auch in den traditionellsten Unternehmen. Bezüglich der IT werden Veränderungen oft genug irgendwann erzwungen. Durch einen Jahreswechsel, ein Gesetz oder das EOL einer Software-Plattform. Und die nächste Generation IT, Prozesse und Technologie wird so oder so inklusive Cloud sein, ob man will oder nicht.

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