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Expertenbeitrag

 Nitesh Bansal

Nitesh Bansal

Senior Vice President und Global Head of Engineering Services

Industrie 4.0 Müssen produzierende Unternehmen Digital Champion werden?

| Autor / Redakteur: Nitesh Bansal / Clara Hartmann

Industrie 4.0 nimmt immer mehr Fahrt auf. Für produzierende Unternehmen ist es wichtig, das Potenzial von Industrie 4.0 zu verstehen, um es anschließend richtig ausschöpfen zu können. Acht verschiedene Kategorien können nach der Umsetzung davon profitieren.

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Das Potenzial von Industrie 4.0 richtig ausschöpfen können ist zielführend.
Das Potenzial von Industrie 4.0 richtig ausschöpfen können ist zielführend.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Laut der Global Digital Operations 2018 Survey von PwC Strategy& soll die aktuelle industrielle Revolution im Jahr 2030 rund 14 Prozent des globalen BIP-Wachstums betragen – dies entspricht etwa 15 Billionen US-Dollar. Doch trotz ambitionierter Prognosen zählen momentan weltweit gerade einmal zehn Prozent der produzierenden Unternehmen zu den sogenannten Digital Champions. Laut Studie „empfinden [diese Unternehmen] die Digitalisierung als weitreichend und offensiv innovativ sowie als weit mehr als die reine Automatisierung und Vernetzung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie vier kritische Geschäftsökosysteme besonders gut beherrschen: Customer Solutions, Operations, Technologie und Menschen“. Aber müssen produzierende Unternehmen überhaupt zum Digital Champion werden?

Von vorne beginnen

Langfristig gesehen: definitiv. Im ersten Schritt ist es für Organisationen jedoch entscheidend, das Potenzial von Industrie 4.0 zu verstehen und zu identifizieren, was sie durch die Umsetzung erreichen können – sei es durch innovative, disruptive Geschäftsmodelle oder durch die Transformation von Prozessen. Damit sind sie in der Lage, eine höhere Effizienz, Produktivität, Kundenzufriedenheit und Wachstum zu schaffen. Unternehmen sollten nicht auf den Industrie 4.0-Zug aufspringen, weil es sich um einen aktuellen Trend oder um neue digitale Technologien handelt. Vielmehr sollte Industrie 4.0 der Organisation einen Mehrwert bieten – und dies sowohl aus Innovations- als auch aus Umsetzungssicht. McKinsey definiert in seinem Digital Compass acht Kategorien, die von der Umstellung profitieren können: Time-to-Market, Service und After-Sales, Ressourcen und Prozesse, Nutzung von Assets, Arbeitskräfte, Bestände, Qualität und Lieferkette. Um das Beste aus der digitalen Transformation herauszuholen, müssen produzierende Unternehmen jedoch ihre tatsächlichen Herausforderungen und deren Ursachen analysieren und definieren. Nur mit einem klaren Fokus auf das zu lösende Geschäftsproblem und den damit verbundenen ROI können Hersteller die Vorteile der IoT-Technologien komplett ausschöpfen. Andernfalls bleibt die digitale Transformation ein Experiment, das sich niemals realisieren wird.

Ausgangspunkt sollte immer eine Beurteilung des Ist-Zustandes sein, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Sobald Herausforderungen identifiziert werden, müssen Unternehmen an einem Ansatz für die nächsten Schritte arbeiten, der auf dem Fortschritt des Unternehmens basiert. Um diesen Fortschritt der Industrie 4.0-Reise zu ermitteln, entwickelte Infosys in Kooperation mit dem Institut für Industriemanagement (FIR) der RWTH Aachen den acatech Industry 4.0 Maturity Index. Der Industry 4.0 Maturity Index bietet eine umfassende Methodik, mit der Unternehmen ihre Fortschritte bewerten, konkrete Ziele identifizieren und geeignete Maßnahmen zu deren Erreichung entwickeln können. Er ist ein wichtiges Instrument für Organisationen, um zu beurteilen, ob sie bereit für die Transformation sind sowie um die geeignete nächste Stufe zu definieren, auf deren Basis sich die Potenziale der Industrie 4.0 voll auszuschöpfen lassen. Der acatech Industry 4.0 Maturity Index definiert die folgenden vier Bereiche zur Beurteilung der sogenannten Industry 4.0 Readiness:

1) Ressourcen, die mit Industrie 4.0 einhergehen, darunter etwa betriebliche, physische und immaterielle Ressourcen, die an einem Produktionsprozess beteiligt sind.

2) Informationssysteme enthalten alle Prozesse zur Erfassung, Organisation, Speicherung und Kommunikation von Informationen für eine effektive und effiziente Umsetzung von Industrie 4.0.

3) Die Organisationsstruktur beschreibt alle Unternehmensstrukturen, Ausrichtungen und Richtlinien. Auf diese Weise wird sichtbar, inwiefern Aktivitäten der Industrie 4.0 zur Aufgabenverteilung, Kommunikation, Koordination und Supervision, darum ausgerichtet sind, die Unternehmensziele zu erreichen.

4) Die Unternehmenskultur erklärt im Wesentlichen, mit welcher Einstellung Firmen Industrie 4.0 implementieren und inwiefern sie die Transformation als Möglichkeit sehen, ein neues Arbeits- und Branchenumfeld zu schaffen. Es ist entscheidend, Modelle einzusetzen, die Verantwortung, Autonomie, Flexibilität sowie eine Innovationskultur ermöglichen.

Basierend auf dieser Methodik und der Bewertung der sechs Dimensionen, die mit jedem dieser Ziele verbunden sind, können Organisationen in verschiedene Reifegrade eingeteilt werden: Sichtbarkeit, Transparenz, Vorhersehbarkeit und Anpassungsfähigkeit.

Alle vier Phasen sind miteinander verbunden und bauen aufeinander auf. Unternehmen können also nicht eine von ihnen überspringen oder eine Abkürzung nehmen, um ihre Industrie 4.0-Reise zu beschleunigen – es handelt sich eher um eine Evolution als um eine Revolution.

Eine Kultur des Lernens und Experimentierens etablieren

Auch nach der Festlegung der richtigen Ziele, Anwendungsfälle und Technologien ist es äußerst wichtig, einen fail-fast-Ansatz dafür parat zu haben.

Nur weil beispielsweise die Erfolgs- und Wachstumsprognose für künstliche Intelligenz generell positiv ist, bedeutet das nicht, dass sie in die Strategie jedes Unternehmens passt und einen schnelleren ROI garantiert.

Ebenso sollten Hersteller sich nicht auf Anwendungsfälle stürzen, die einen höheren Reifegrad benötigen, als ihre Organisation aktuell aufweist. Sie sollten vielmehr den richtigen Ansatz bewerten und die organisatorische Reife und das Lernen im Einklang mit der geplanten Transformation bringen.

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