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Enterprise Mobility Mobiles Arbeiten in Deutschland: Sind wir schon (mobile) ready?

Redakteur: Sebastian Human

Mobiles Arbeiten ist bereits heute für mache Berufstätige Alltag – bei weitem jedoch nicht für alle. Eine aktuelle Studie zum Thema Enterprise Mobility offenbart nun den Status quo an deutschen Arbeitsplätzen. Wie mobil arbeiten wir bereits?

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Mobile Geräte, wie Smartphones, sind bereits integraler Bestandteil unseres Privatlebens, aber gilt das auch für unseren Berufsalltag?
Mobile Geräte, wie Smartphones, sind bereits integraler Bestandteil unseres Privatlebens, aber gilt das auch für unseren Berufsalltag?
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Für viele Arbeitnehmer stellt die Möglichkeit, des mobilen Arbeitens – neben Faktoren wie dem Gehalt und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – einen attraktiven Mehrwert bei der Arbeitgeberwahl dar. In ihrer aktuellen Studie Mobile Readiness for Work 2019 geht Deloitte daher den Fragen nach, wie es mit der Bereitstellung neuer mobiler Technologien durch Unternehmen aussieht und wie Arbeitnehmer diese im beruflichen Kontext nutzen.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterschiedlich reif

Die Ergebnisse weisen schnell ersichtlich einen deutlichen Unterschied zwischen der Mobilitätsreife von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf. Konkret bedeutet das unter anderem, dass das Potenzial mobiler Lösungen im Arbeitsalltag noch lange nicht ausgeschöpft ist.

"Mobile Geräte sind unverzichtbar für unser tägliches Leben. Jeder Deutsche verbringt täglich über zwei Stunden mit der Nutzung seines Smartphones oder Tablets", sagt Steffen Legler, Partner und Practice Leader bei Deloitte Digital. "Zweifelsohne haben mobile Technologien das Potenzial, die Arbeitswelt zu revolutionieren: Immer leistungsfähigere Endgeräte, der rasante Fortschritt des mobilen Internets und Cloud-Dienste ermöglichen es nicht nur Privatpersonen, überall erreichbar zu sein, sondern auch Arbeitnehmern, jederzeit und von jedem Ort aus zu arbeiten. Oft genug sind diese jedoch besser ausgerüstet als ihre Arbeitgeber, deren mobile Ausstattung teils um Jahre hinterherhinkt - ein Umstand, der auf Kosten der Entwicklungsgeschwindigkeit von Unternehmen geht und auch die Firmenattraktivität für junge Talente mindert."

Enterprise Mobility in Deutschland ausbaufähig

Um sich eingehender mit dieser Thematik zu befassen, beauftragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Anfang des Jahres Deloitte mit einer entsprechenden Erhebung für den deutschen Markt. Befragt wurden über 2.000 Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Industrien und in verschiedensten Funktionen. Das Ergebnis lässt generell auf eine geringe Ausschöpfung mobiler technologischer Möglichkeiten bei einem Großteil der befragten Unternehmen schließen. Über die besten Bedingungen dürfen sich – nicht wirklich überraschend - Mitarbeiter in den Bereichen IT Security und Kommunikation freuen, das Gesundheitswesen hingegen landet hier an letzter Stelle.

Nach Einschätzung vieler Arbeitnehmer fühlen sich diese nur unzulänglich für die Zukunft der Arbeit gewappnet und glauben im Umkehrschluss, dass der Zugang zu den besten Technologien gleichzeitig auch die Qualität ihrer Arbeit positiv beeinflussen könnte. Etwas mehr als 33 Prozent der Befragten sind hingegen der Auffassung, ihr Arbeitsplatz sein im Hinblick auf neue Technologien fortschrittlich aufgestellt. Ebenfalls aufschlussreich ist die Tatsache, dass zwei aus fünf Mobilgeräten, die vom Arbeitgeber bereitgestellt werden, mit weniger als fünf Apps, die für professionelle Zwecke genutzt werden, ausgestattet sind. Von diesen Apps werden wiederum nur 17 Prozent vom eigenen Unternehmen entwickelt. Der Trend geht daher verstärkt zu „Bring your own app“ (BYOA), was für die jeweilige firmeninterne IT-Security einem Alptraum gleich kommt.

Vier zentrale Erkenntnisse zum Stand von Enterprise Mobility in Deutschland

Die nachfolgenden vier Kernaussagen lassen sich aus den Umfragedaten ableiten. Jede von ihnen weist dabei einen gewissen Einfluss auf die unmittelbare Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens auf.

1. Bei Smartphones dominiert Gebrauch privater Geräte im Beruf

Knapp 75 Prozent der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten mit einem PC (Desktop-PC oder Laptop) und fast 50 Prozent nutzen auf der Arbeit ein mobiles Gerät (Smartphone oder Tablet) – jedoch bekommen nur 20 Prozent der Angestellten ein Smartphone vom Arbeitgeber gestellt. Lediglich 14 Prozent nutzen im professionellen Kontext keines der Geräte.

2. Ungebrochener Trend bei Mobile Apps und BYOA

Bei den Apps für das mobile Arbeiten wird ein anhaltender Trend erkennbar. So handelt es sich bei den fünf beliebtesten Apps um Instant-Messaging-Anwendungen wie WhatsApp oder Facebook Messenger (72 Prozent), Kalender (69 Prozent), E-Mail Dienste, Kamera (beide 67 Prozent) sowie Navigations-Apps wie beispielsweise Google Maps (66 Prozent). Aufgrund der bereits thematisierten, mangelnden Ausstattung der Geräte dürfte es nicht weiter verwundern, dass viele Mitarbeiter nach wie vor auf das Konzept „Bring your own app“ (BYOA) setzen. Dies wird auch in der Arbeitnehmer-Zufriedenheit hinsichtlich der Qualität der vom eigenen Unternehmen bereitgestellten Apps deutlich.

3. Enterprise Mobility gegen analoge Ineffizienzen

Über 50 Prozent der Studienteilnehmer geht davon aus, dass mobile Technologien eine deutliche Effizienzsteigerung bewirken können. Zwei Drittel der Befragten gab darüber hinaus an, mithilfe der Technologie schneller und effizienter auf Informationen am Arbeitsplatz zugreifen zu können. Etwas mehr als die Hälfte gibt außerdem an, dass entsprechende Möglichkeiten dafür sorgen, dass sie flexibler arbeiten (51 Prozent) und mit den Kollegen kommunizieren (53 Prozent) können. Und obwohl gerade die jüngeren Altersgruppen in den Betrieben die höchste Zufriedenheit auf diesem Gebiet aufweisen, sind analoge Ineffizienzen in Unternehmen keine Seltenheit. 36 Prozent füllen Formulare beispielsweise immer noch auf Papier aus. Dies ist mit 54 Prozent am stärksten in der Gesundheits- und Sozialarbeit der Fall. Auf Platz zwei landet der Rechtsbereich mit 43 Prozent, dicht gefolgt von der Bildung mit 41 Prozent. Auch in den Sektoren Chemikalien und Pharmazeutika wird mit 38 Prozent noch immer verhältnismäßig viel analog gearbeitet.

4. Tech-Adaption in Unternehmen noch sehr unterschiedlich ausgeprägt

Bei der Frage nach der Innovationsfähigkeit des eigenen Arbeitsplatzes zeichnen nur 36 Prozent der Befragten ein positives Bild und schätzen diesen als fortschrittlich hinsichtlich der Verwendung neuer Technologien ein. Auch dieser Wert ist allerdings abhängig von der Branche und auch hier sind es die Angestellten aus dem IT- sowie dem Kommunikationsbereich, die ihrem Unternehmen hier einen progressiven Charakter bescheinigen. Am anderen Ende dieser Skala finden sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Gesundheitswesen, die dies gegenteilig einschätzen. Insgesamt zeichnet sich ab, dass eine Mehrheit der Umfrageteilnehmer der Meinung ist, dass der Einsatz von Smartphones im Arbeitskontext für ihr Unternehmen bislang lediglich von nachgelagerter Relevanz ist.

Arbeit muss zunehmend mobiler werden

"Mobil ist nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart", fasst Steffen Legler die Studienergebnisse zusammen. "Mobile Geräte sind für die heutige Gesellschaft allgegenwärtig und integraler Bestandteil der Art und Weise, wie Menschen ihr tägliches Leben führen. Doch obwohl die Arbeitnehmer glauben, dass Technologie ihre tägliche Arbeit vereinfachen und aktiv unterstützen kann, werden mobile Lösungen von Arbeitgebern immer noch nur in begrenztem Rahmen bereitgestellt. Das heutige hypervernetzte Geschäftsumfeld, die wachsenden Erwartungen der Kunden und die Anforderungen der modernen Belegschaft kreieren eine neue Realität für Unternehmensführer - eine, in der Einfachheit und Geschwindigkeit für die nächste Transformationsgeneration unerlässlich sind."

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