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Digitale Transformation

Mittelstand sucht Unternehmergeist

| Autor/ Redakteur: Volker Altwasser* / Redaktion IoT

Eine Studie nach der anderen stellt dem deutschen Mittelstand in Sachen Digitalisierung ein schlechtes Zeugnis aus. Besonders Besorgnis erregend: Die Potenziale der digitalen Transformation werden häufig auf Technologien reduziert – dabei sind die tatsächlichen Chancen vielen Unternehmenslenkern nicht bewusst.

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Damit der Mittelstand im Zeitalter der Digitalisierung langfristig mithalten kann, bedarf es Mut zur Veränderung.
Damit der Mittelstand im Zeitalter der Digitalisierung langfristig mithalten kann, bedarf es Mut zur Veränderung.
(Quelle: pixabay)

Es ist keine Neuigkeit, dass Deutschlands Mittelstand Schätzungen zufolge allein bis zum Jahr 2025 durch konsequente Digitalisierung bis zu 126 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung erzielen könnte. Und auch, dass die Möglichkeiten bis heute weitestgehend unausgeschöpft bleiben, ist längst bekannt. Der Grund hierfür ist jedoch keineswegs eine fehlende, technologische Innovationskraft – hierfür ist der deutsche Mittelstand nach wie vor weltweit geschätzt und bestens gerüstet. Das Problem ist jedoch, dass die Digitalisierung zu oft als nächste Stufe der Automatisierung und damit als reines Technologie-Thema missverstanden wird. Denn ohne die entsprechenden Voraussetzungen, welche nur durch gravierende Kultur- und Prozessveränderungen geschaffen werden können, ist der Einsatz neuer Lösungen weder möglich noch erfolgsversprechend.

Allein der nach wie vor hohe Anteil von Customizing-Aufwänden bei der Einführung eines neuen ERP-Systems ist hierfür ein deutlicher Indikator. Statt einen Branchenstandard zu übernehmen, halten viele Unternehmen an altbekannten Strukturen fest und investieren Millionen in die Individualisierung. Andere wiederum halten die neu geschaffene Möglichkeit, einen Urlaubsantrag oder die Spesenrechnung endlich online einreichen zu können als Digitalisierungsmaßnahme. Für eine gesteigerte Wertschöpfung birgt dies jedoch nur geringes Potenzial.

Den Größenvorteil nutzen

Umdenken ist also die Devise. Das betrifft Gründerväter, Unternehmenslenker und Investoren gleichermaßen. Da kurzfristige Wachstumsziele dem Mittelstand langfristig die Existenz kosten werden, muss ganz oben auf der Agenda stehen, sich der wirklichen Langfristmöglichkeiten bewusst zu werden, welche eben weit über eine digitale Abbildung einzelner Arbeitsschritte hinausgehen. Diese Horizonterweiterung muss zugleich der Startschuss für strategisch richtige Entscheidungen sein – und zwar hinsichtlich Zielvorgaben, Budget, Personalplanung und Organisation. Wichtig ist hierbei, dass Rückschläge – gerade bei der folgenden, zielgerichteten Umsetzung der festgelegten Maßnahmen als Teil eines Entwicklungsprozesses angenommen und nicht gefürchtet werden dürfen.

Dabei sollten sich die Verantwortlichen ins Bewusstsein rufen, dass sie trotz geringer finanzieller Spielräume für die erfolgreiche Durchführung von Change Prozessen gegenüber Konzernen, welche diesen Weg ebenso gehen müssen, dieses Mal einen enormen Größenvorteil haben. Denn Fakt ist: Ein kleines Boot wendet sich deutlich einfacher und schneller als ein Tanker. Ebenso verhält es sich mit kleineren, notwendigen Kurskorrekturen.

Zurück an die Spitze

Der deutsche Mittelstand hat alles, was es technologisch für eine erfolgreiche, digitale Transformation bedarf. Um die Potenziale wirklich zu verstehen und auszuschöpfen, muss jedoch der Gründergeist neu entdeckt werden und mit ihm der Mut für Veränderung und Visionen in die Unternehmen zurückkehren.  Die Kombination von fachspezifischem Know-how und einigen wenigen, strategisch richtigen Entscheidungen wird die Mittelständler schnell wieder auf die oberen Listenplätze von Studien und Umfragen und damit in eine erfolgreiche Zukunft katapultieren.

*Volker Altwasser arbeitet bei der expertplace networks Group AG.