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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Industrie 4.0" erschienen.

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Interview mit Jörg Reger, ABB „Mittelständler brauchen jetzt klare Orientierungshilfen!“

| Autor: Victoria Sonnenberg

Mit der neuen Plattform „Automatisierung Mittelstand“ unterstützt ABB kleine und mittlere Unternehmen bei der Implementierung kollaborativer Roboter. Was das für Sie bedeuten kann und welchen Nutzen Sie davon haben, erklärt Jörg Reger, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation von ABB in Deutschland.

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Fokus Mittelstand: Der Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation von ABB in Deutschland stellt auf einer neuen Plattform die Automatisierung mittelständischer Unternehmen in den Mittelpunkt.
Fokus Mittelstand: Der Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation von ABB in Deutschland stellt auf einer neuen Plattform die Automatisierung mittelständischer Unternehmen in den Mittelpunkt.
(Bild: Pia Nordlander/ABB )

Herr Reger, erst kürzlich wurde die neue Plattform „Automatisierung Mittelstand“ vorgestellt. Was hat es damit konkret auf sich?

Auf unserer neuen Plattform bieten wir Mittelständlern Hilfestellung in Sachen Automatisierung. Wir informieren umfassend und anschaulich, welches Potenzial die robotergestützte Automatisierung – insbesondere der Einsatz kollaborativer Roboter – bietet, welche Roboterlösung sich für welche Anwendungen eignet, was es bei der Implementierung zu beachten gilt und, allem voran, wie sich diese Investition rechnet. Es zeigt sich, dass besonders in der sogenannten allgemeinen Industrie – darunter die Branchen Stahl- und Metallverarbeitung, Lebensmittel, Elektronik, Kunststoff und Logistik – das Thema Automatisierung noch nicht durchgängig Einzug gehalten hat. Zu stark sind eventuell die Vorbehalte vor einer komplexen Umwälzung des Betriebs oder vor einer Überforderung der Mannschaft. Dabei ist die Automatisierung und der Einsatz kollaborativer Roboter einfacher, als viele denken. Genau hier setzen wir mit unserer neuen Plattform an.

Jörg Reger, Geschäftsführer Robotik & Automation von ABB in Deutschland.
Jörg Reger, Geschäftsführer Robotik & Automation von ABB in Deutschland.
(Bild: ABB )

Automatisierung ist seit Langem ein Thema für die Industrie. Mindestens genauso lange quälen sich KMU mit der Frage: Welche Automatisierung ist für mich die passende? Warum hat der Launch der Plattform so lange gedauert?

Ich bin überzeugt, dass wir die Plattform genau zur richtigen Zeit auf den Weg gebracht haben. Unser Produkt- und Serviceangebot ist seit jeher auch auf den Mittelstand ausgerichtet und hat sich mit Einführung der Plattform nicht geändert. Was wir aber sehen, ist, dass der verschärfte Wettbewerb, gepaart mit zunehmendem Fachkräftemangel, vielen Unternehmern aktuell zusetzt. Begriffe wie die flexible Produktion, Automatisierung, Kollaboration und Digitalisierung sind daher in aller Munde, um diesen Herausforderungen zu begegnen – und sie sind äußerst wirksame Mittel. Doch gerade Mittelständler brauchen jetzt klare Orientierungshilfen, was Automatisierung konkret für sie bedeuten kann. Deshalb sehe ich den Zeitpunkt als genau richtig an.

Warum müssen sich heute kleine und mittlere Unternehmen überhaupt mit Robotiklösungen befassen?

Die heutige Produktion ist von einem hohen Produktmix bei kleinen Losgrößen geprägt. Kleine und mittlere Unternehmen bleiben nur dann wettbewerbsfähig, wenn sie die bei ihnen bereits erfolgte Automation auf die nächste Stufe heben. Maßgeschneiderte Roboterlösungen lassen sich dort einsetzen, wo es auf Präzision und Schnelligkeit ankommt, und leicht erweitern. Kollaborative Roboter vereinfachen Arbeitsvorgänge, bringen Zeitvorteile und befreien den Werker von eintönigen und schweren Arbeiten – auch an bestehenden Produktionslinien. Sie lassen sich zudem flexibel an sich verändernde Prozesse oder Produkte anpassen. Auf diese Weise gestalten die Unternehmen zum einen ihre Fabrik der Zukunft und bauen ihre Wettbewerbsfähigkeit aus. Zum anderen tragen die Lösungen auch dazu bei, dass weiterhin investiert wird und so neue Arbeitsplätze entstehen.

Wie können KMU von der Plattform konkret profitieren?

Den Unternehmen stehen unterschiedliche Formate zur Verfügung, über die wir die Automatisierung im Mittelstand beleuchten. Eines unserer beiden E-Books etwa zeigt Schritt für Schritt – von der Planung bis zur Sicherheit –, wie sich der Einsatz kollaborativer Roboter umsetzen lässt. Wir bieten zudem Webinare an, in denen unsere Experten Teilnehmern weitere Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. Inspiration zur Automation erhält jeder, der unseren Blog liest. Und wer möchte, dass einer unserer Experten persönlich im Betrieb vorbeikommt, um Automatisierungspotenziale in der Produktion aufzuspüren, kann direkt auf der Plattform einen Termin vereinbaren.

Kollaborative Roboter wie Yumi bieten ganz neue Automatisierungsmöglichkeiten, gerade bei der Kleinteilmontage.
Kollaborative Roboter wie Yumi bieten ganz neue Automatisierungsmöglichkeiten, gerade bei der Kleinteilmontage.
(Bild: ABB )

Kleine und mittlere Unternehmen müssen ihre Investitionen genau abwägen. Kann man pauschal sagen, welche Roboter sich für welche Zwecke am besten eignen?

Das hängt ganz vom Einsatzgebiet und der spezifischen Anwendung ab: Sowohl mit einem großen Industrieroboter als auch mit flexiblen kollaborativen Robotern können die Unternehmen das volle Automatisierungspotenzial ausschöpfen. Wichtig ist eine umgehende Analyse im Vorfeld. Faktoren wie Prozessgeschwindigkeit und Zykluszeiten müssen berücksichtigt werden. Wie präzise muss der Roboter arbeiten, lässt er sich vielseitig einsetzen und kann er den Arbeiter effektiv unterstützen? Nicht zu unterschätzen ist auch die Frage nach dem Platzbedarf und der Positionierung. In vielen Fällen ist es sinnvoll, den Roboter direkt in die Linie zu integrieren. Die Analyse sollte auch berücksichtigen, ob sich die Anwendung erweitern lässt. Der Anbieter sollte ebenso auf sein Portfolio geprüft werden wie auf seine Services. In der Regel bieten Spezialisten wie ABB, die ein großes Portfolio haben, Lösungen für alle Einsätze und beraten umfassend.

Können Sie ein Beispiel nennen und anhand dessen beschreiben, wie der Prozess abläuft: von der Kontaktaufnahme bis hin zum Abschluss?

Jede Anfrage ist unterschiedlich. Manchmal hat das Unternehmen bereits eine bestimmte Anwendung im Sinn, die automatisiert werden soll. Unsere Vertriebsexperten beraten das Unternehmen dahingehend, welche Automatisierungslösung sich am besten eignet. Besteht grundsätzliches Interesse daran, die Produktion flexibler zu gestalten, empfehle ich unsere Potenzialanalyse. Hier gehen unsere Experten mit den Verantwortlichen im Betrieb Schritt für Schritt sämtliche Bereiche der Produktion durch und erarbeiten im Anschluss eine entsprechende Empfehlung. Denn: Es gibt Arbeitsschritte, die sich manuell am Ende des Tages eher rechnen. Doch gerade neueste Cobot-Generationen wie Yumi können enorme Vorteile bringen. Sie erhöhen die Produktivität und entlasten den Werker von monotonen Aufgaben, sodass dieser wiederum für anspruchsvollere Aufgaben qualifiziert werden kann.

Wie können KMU sicherstellen, dass ihre Robotikanwendungen zuverlässig laufen?

Stillstände mit ihren Folgekosten sind für kleine und mittlere Betriebe häufig fatal. Für Betrieb und Wartung der Roboter können diese Unternehmen selten eine eigene IT- und Serviceabteilung unterhalten. Ein zuverlässiger externer Partner begleitet alle Lebensphasen des Roboters und behält den Überblick über den Zustand und die Leistung einzelner Maschinen oder ganzer Flotten. Dieser proaktive Ansatz ermöglicht eine vorausschauende Instandhaltung. Das verhindert Stillstände wirksam. Ein weiterer Vorteil einer solcher Partnerschaft ist, dass sich Serviceverträge flexibel anpassen lassen und Service, Wartung und Support teilweise oder komplett in die Hände der Roboterexperten gelegt werden können. Dies ist vor allem für kleinere Unternehmen von Vorteil, die sich auf einen einzigen oder nur wenige Roboter verlassen.

Eignet sich die Plattform auch für Kunden, die bereits mit Robotern, vielleicht sogar eines Konkurrenten, automatisiert haben und erweitern wollen?

Selbstverständlich. Ob Robotik- Neuling oder -fortgeschrittener – unsere Plattform kann jedem Mittelständler, der sich für Automatisierung interessiert, wichtige Impulse aufzeigen, um die eigene Produktion flexibler zu gestalten.

Wie lassen sich die häufigsten Fragen von KMU zusammenfassen?

Die Fragen oder Herausforderungen, mit denen KMU auf uns zukommen, sind vielschichtig. Zusammengefasst geht es meistens darum: Wie schnell kann ich meine Produktion mit kollaborativen Robotern automatisieren? Wann rechnet sich diese Investition? Wie muss ich mein Personal auf den Einsatz mit dem neuen „Roboterkollegen“ vorbereiten und schulen?

Die Plattform legt den Fokus auf MRK. Wie kann der Mensch möglichst flexibel und kooperativ mit dem Roboter zusammenarbeiten?

Grundsätzlich lässt sich jeder Industrieroboter mit sicherheitszertifizierter Soft- und Hardware kollaborativ einsetzen. Angesichts des drastischen Fachkräftemangels sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern jedoch möglichst intuitive und einfach zu bedienende Instrumente bereitstellen. Kollaborative und flexibel einsetzbare Roboter, wie etwa Yumi von ABB, ermöglichen die kollaborative Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, vor allem in der Montage von Kleinteilen. Bei Yumi ist dabei der Name Programm, ganz nach dem Motto „You and me“, also „Du und ich – wir arbeiten zusammen“.

Durch die intelligente, kollaborative Automatisierung mit Yumi kann sich das niederländische Fertigungsunternehmen Deonet nicht nur gegen Billiganbieter behaupten, sondern den Kunden auch kürzere Lieferfristen und stetige Produktinnovationen bieten.
Durch die intelligente, kollaborative Automatisierung mit Yumi kann sich das niederländische Fertigungsunternehmen Deonet nicht nur gegen Billiganbieter behaupten, sondern den Kunden auch kürzere Lieferfristen und stetige Produktinnovationen bieten.
(Bild: ABB )

Und wie wird bei der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter die Sicherheit gewährleistet?

Kollaborative Roboter wie Yumi bieten ganz neue Automatisierungsmöglichkeiten, gerade bei der Kleinteilmontage. Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand an einer Aufgabe. Bei der Anwendung sind weitere Schutzmaßnahmen überflüssig, denn das Design von Yumi ist schon vom Werk her auf Sicherheit ausgelegt. Industrieroboter werden mit einer sicherheitszertifizierten Software kollaborativ: Diese ermöglicht es beispielsweise, dem Roboter präzise berechnete, festgelegte Räume vorzugeben, innerhalb derer er agieren kann. Das schafft die Voraussetzung für eine sichere Zusammenarbeit von Mensch und Industrieroboter, denn das System drosselt die Geschwindigkeit der Maschine, sobald der Mensch ihr zu nahe kommt. Beide arbeiten nahtlos zusammen.

In Zusammenhang mit der Automatisierungsplattform sprechen Sie von einer intuitiven Automationslösung. Was genau ist damit gemeint?

Spezielle Programme vereinfachen die Bedienung von Robotern. So ist es heute möglich, Roboter ohne tiefergehende Programmierkenntnisse zu programmieren – die Software übernimmt diesen Job. Der Bediener bringt dem Roboter beispielsweise Bewegungen bei, indem er den Roboterarm an die gewünschte Position führt und diese über eine grafische Benutzeroberfläche abspeichert. Über diese intuitiven Tools wird die Robotersteuerung stark vereinfacht – und so auch für Mittelständler ohne große IT- und Robotikkenntnisse beherrschbar.

Noch ein letzter, gut gemeinter Rat an Unternehmen, die bislang vor einer roboterbasierten Automatisierung Hemmungen hatten?

Automatisierung ist kein Buch mit sieben Siegeln. Wichtig ist, dass Sie umfassend und mit Weitblick in die Automatisierung Ihrer Produktion investieren. So bleiben Sie wettbewerbsfähig und schaffen die Basis für die Standortsicherung und weiteres Wachstum. Dabei sollten Sie auf einen erfahrenen Partner setzen.

Der Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal MM Maschinenmarkt erschienen.

* Das Interview führte Victoria Sonnenberg, Redakteurin Robotik.

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