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Compliance Mit IoT-Technologien zu nachhaltigeren Lieferketten

| Autor / Redakteur: Christian Gerling / Jürgen Schreier

Globale Lieferketten konfrontieren Unternehmen mit kniffligen Compliance-Problemen. IoT-Technologien helfen dabei, die Verantwortung der Unternehmen für Nachhaltigkeit besser zu erfüllen.

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Durch viele Zwischenschritte in der globalen Lieferkette ist die Rohstoffgewinnung sehr weit entfernt vom Endprodukt. Es sind aber durchaus Situationen denkbar, in denen Compliance-Probleme in der Lieferkette näher rücken, beispielsweise durch Medienanfragen nach Arbeitsschutz und Menschenrechten. Deshalb ist es sinnvoll, wenn ein Unternehmen jederzeit präzise Auskunft über seine globale Lieferkette geben kann.
Durch viele Zwischenschritte in der globalen Lieferkette ist die Rohstoffgewinnung sehr weit entfernt vom Endprodukt. Es sind aber durchaus Situationen denkbar, in denen Compliance-Probleme in der Lieferkette näher rücken, beispielsweise durch Medienanfragen nach Arbeitsschutz und Menschenrechten. Deshalb ist es sinnvoll, wenn ein Unternehmen jederzeit präzise Auskunft über seine globale Lieferkette geben kann.
(Bild: Marco Antinori)

Der technologische Fortschritt hat die Lieferkette von Unternehmen globalisiert. Hersteller haben heute Zulieferer auf der ganzen Welt. Zugleich fordern Verbraucher und Investoren Nachhaltigkeit über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Die Unternehmen haben allerdings oft Schwierigkeiten, eine zuverlässige und durchgängige Transparenz zu gewährleisten. Ein Weg dorthin ist der Einsatz von Internet of Things (IoT)-Technologien. Diese können helfen, über vernetzte, smarte Geräte nachhaltige Praktiken bei Lieferanten nachzuweisen.

IoT-Geräte sammeln unter anderem über Sensoren Daten von realen Objekten, die im Netzwerk über einen entsprechenden Algorithmus aggregiert und ausgewertet werden. Damit stellen sie Informationen zur Verfügung, die sich direkt auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens auswirken können.

So können beispielsweise Transportbehälter für leicht verderbliche Waren mit Temperatursensoren ausgestattet werden, die eine Überwachung des Warenzustands in Echtzeit ermöglichen. Doch auch eine jederzeitige Positionsbestimmung des Behälters oder der Waren selbst ist möglich.

Neuartige Probleme durch globale Lieferketten

Diese Technologie kann die Nachhaltigkeit von Lieferketten unterstützen, denn Rohstoffproduzenten und Zulieferer von Bauteilen kommen häufig aus Regionen, in denen es weder eine mit europäischen Standards vergleichbare Administration noch die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen gibt.

Zum Beispiel werden Rohstoffe wie Kobalt und Lithium für die Elektromobilität benötigt. Beide Stoffe sind bei Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen in der Kritik, da der Abbau zum Teil unter Verletzung von Menschenrechten und Umweltauflagen geschieht. Zwar gibt es einen zertifizierten Abbau, der Compliance garantiert, doch wissen die deutschen Erstausrüster nicht, ob angeliefertes oder auf dem freien Markt gekauftes Material tatsächlich daraus stammt.

In den Laboren von UL stehen auf verschiedene Bereiche spezialisierte Expertenteams für elektrische Sicherheit, Kompatibilitätsprüfungen, Performance Prüfungen, Kalibrierservices, Automatisierung und vieles mehr zur Verfügung.
In den Laboren von UL stehen auf verschiedene Bereiche spezialisierte Expertenteams für elektrische Sicherheit, Kompatibilitätsprüfungen, Performance Prüfungen, Kalibrierservices, Automatisierung und vieles mehr zur Verfügung.
(Bild: UL)

Durch viele Zwischenschritte in der globalen Lieferkette ist die Rohstoffgewinnung sehr weit entfernt vom Endprodukt. Es sind aber durchaus Situationen denkbar, in denen Compliance-Probleme in der Lieferkette näher rücken, beispielsweise durch Medienanfragen nach Arbeitsschutz und Menschenrechten. Deshalb ist es sinnvoll, wenn ein Unternehmen jederzeit präzise Auskunft über seine globale Lieferkette geben kann. Für größere EU-Unternehmen ist das sogar zwingend, denn seit 2017 gilt eine Berichtspflicht zum Thema „Corporate Social Responsibility“.

Verantwortung in internationalen Lieferantennetzwerken

Nicht nur angesichts des steigenden regulatorischen Drucks ist Compliance in internationalen Lieferantennetzwerken für Unternehmen eine große Herausforderung und kann bei Schwierigkeiten unter Umständen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Dies gilt besonders für Unternehmen in der Industrieproduktion inklusive der Automobilindustrie, die traditionell eine Vielzahl an Zulieferern von Material, Bauteilen und Vorprodukten haben.

Der grenzüberschreitende Handel sowie die Verlagerung von Fertigungsprozessen in Entwicklungs- und Schwellenländer erhöhen die Komplexität der Lieferkette und die daraus folgenden Haftungsrisiken enorm.

Im europäischen Binnenmarkt ist es zunehmend so, dass Unternehmen die Einhaltung bestimmter Regeln von ihren Zulieferern und Weiterverarbeitern fordern – ohne Zustimmung zum Compliance-Kodex kein Geschäft. So einfach ist es im globalen Kontext nicht. Wer Lieferanten in weniger regulierten Ländern mit unbekannten Compliance-Standards nutzt, ist einem höheren Risiko ausgesetzt.

Die größte Schwierigkeit liegt darin, Transparenz durch die gesamte Lieferkette hindurch zu erzielen und Methoden zur Wahrnehmung der Lieferantenverantwortung zu finden. Moderne digitale Technologien können dabei helfen, die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen und die Kosten für Audits und Berichte zu senken.

IoT-Technologien mindern Compliance-Risiken

Dabei ist es von zentraler Bedeutung, genau zu wissen, wer die Lieferanten sind, wo sie sich befinden und welche Wege Rohstoffe und Bauteile nehmen. Hierbei müssen Unternehmen auch die Zulieferer der Zulieferer in den Blick nehmen. Denn Transparenz in der Lieferkette ist wirkungslos, wenn sie nicht über die erste Stufe hinausgeht. Doch das ist leichter gesagt als getan. Viele Unternehmen greifen deshalb auf technologische Lösungen aus dem Internet of Things zurück, um potenzielle Risiken leichter identifizieren können.

Wenn sie als vollständige Ende-zu-Ende-Lösung vom Rohstoff bis zum Endprodukt implementiert werden, können sie aussagekräftige Daten für die Einhaltung der Compliance liefern. In einigen Unternehmen wird hierfür auch die Blockchain-Technologie erprobt. Sie erlaubt die fälschungs- und veränderungssichere Speicherung von Daten, sodass damit die Materialflüsse jederzeit überprüfbar und nachvollziehbar werden.

Vertrauen als Grundlage für Nachhaltigkeit

Solche technologischen Lösungen steigern das Vertrauen in Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit. Doch sie haben ihrerseits wiederum eine wichtige Voraussetzung, nämlich das Vertrauen in ihre Wirksamkeit für nachhaltige Lieferketten an sich. UL ist der Überzeugung, dass Vertrauen unerlässlich ist, wenn die Wirtschaft das volle Potenzial einer vernetzten, schnellen und unendlich intelligenten Zukunft ausschöpfen will.

Ohne Vertrauen werden Daten nicht bereitwillig zur Verfügung gestellt, digitale Transaktionen aus Sicherheitsgründen vermieden und der Aufbau einer intelligenten Infrastruktur eingeschränkt. Dieses Thema ist eminent wichtig für die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Christian Gerling verantwortet als General Manager beim Prüf- und Zertifizierungsspezialisten UL den Geschäftsbereich Consumer & Retail Services in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Er verantwortet Servicedienstleistungen für die Produktsicherheit von Konsumgütern wie Textilien, Schuhen und Spielwaren im Handel und von Marken. Gerling hat einen Master of Laws im Bereich Wirtschaftsrecht von der Universität Saarbrücken und einen MBA der University of Wales.

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