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AR-Brille

Mit Augmented Reality besser Stapler fahren

| Redakteur: Katharina Juschkat

Um am Steuer eines Gabelstaplers einen besseren Durchblick zu haben, entwickeln Forscher der Leibniz Universität Hannover eine AR-Brille, mit der der Fahrer durch alle Hindernisse hindurch sehen kann.

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Augmented Reality erfreut sich in vernetzten Industrie-Umgebungen zunehmender Beliebtheit.
Augmented Reality erfreut sich in vernetzten Industrie-Umgebungen zunehmender Beliebtheit.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Am Steuer eines Gabelstaplers ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Der Hubmast, das Fahrzeugdach und die Ladung versperren die Sicht. Dabei helfen Kameras dem Fahrer weiter: Ähnlich wie die Rückfahrkamera im PKW erfassen sie Bereiche, die sich nicht einsehen lassen. Das Problem: Sobald der Fahrer seine Aufmerksamkeit auf die Kamerabilder richtet, sieht er nicht mehr, ob sich Hindernisse oder Personen direkt vor dem Fahrzeug befinden.

Mit AR-Brille durch Hindernisse schauen

Abhilfe schaffen soll eine Augmented-Reality-Brille. An der „virtuellen Sichtverbesserung“ arbeiten Forscher der Leibniz Universität Hannover gemeinsam mit drei Gabelstapler-Herstellern und weiteren Industrieunternehmen. Mit der AR-Brille können die Staplerfahrer weiterhin den Weg vor sich im Blick behalten und gleichzeitig die Kamerabilder nutzen, denn mithilfe einer AR-Brille sieht der Träger sowohl die reale Umgebung als auch zusätzlich virtuell eingeblendete Informationen.

Im Falle des Staplerfahrers wird sein reales Sichtfeld vom Kamerabild überlagert. Schaut er beispielsweise direkt nach vorn, sieht er den Hubmast und die Ladung sowie gleichzeitig das Bild der Frontkamera. Legt er den Rückwärtsgang ein und schaut über die Schulter, sieht er das Bild der Rückfahrkamera und gleichzeitig sein reales Sichtfeld. Egal, in welche Richtung er schaut: Es wirkt so, als könne er durch Hindernisse hindurchsehen.

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Warnung und Zusatzinfos einblenden

Wissenschaft und Industrie arbeiten im Forschungsprojekt „Visier – Virtuelle Sichtverbesserung und intuitive Interaktion durch Erweiterte Realität an Flurförderzeugen“ eng zusammen. In den kommenden zwei Jahren müssen sie gemeinsam einige Herausforderungen lösen: Zunächst müssen sie geeignete Orte finden, um Kameras am Gabelstapler zu installieren und einen virtuellen Rundumblick zu ermöglichen – dafür sind die Wissenschaftler am Institut für Transport- und Automatisierungstechnik hauptverantwortlich. Sie kümmern sich zudem um den Algorithmus der Bildüberlagerung: Alle Hindernisse, die die Sicht einschränken, sollen von Kamerabildern überlagert werden.

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Die Wissenschaftler am Institut für Integrierte Produktion Hannover beschäftigen sich mit der sogenannten kontextbasierten Informationsanzeige, also mit der Frage, welche zusätzlichen Informationen der Staplerfahrer zu welchem Zeitpunkt benötigt und wie diese in seinem Sichtfeld eingeblendet werden können. Denkbar ist beispielsweise, Auftragsdaten anzuzeigen, damit der Staplerfahrer auf ausgedruckte Listen verzichten kann. Auch Warnhinweise könnten eingeblendet werden – etwa ein niedriger Ladezustand des Staplers oder ein gesperrter Weg. Um den Fahrer nicht zu überfordern und möglicherweise die Verkehrssicherheit zu gefährden, untersuchen die Wissenschaftler, in welchem Szenario welche Information wirklich benötigt wird. Zudem entwickeln sie eine Gestensteuerung, sodass der Fahrer intuitiv mit der AR-Brille interagieren kann: Mit einfachen Handbewegungen soll er Hinweise ausblenden können – etwa, wenn er eine Warnung zur Kenntnis genommen hat – oder Zusatzinformationen wie beispielsweise Auftragsdaten einblenden können.

Unternehmen, die sich für die virtuelle Sichtverbesserung interessieren, können sich noch am Forschungsprojekt beteiligen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal elektrotechnik erschienen.

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Quelle: Ecom; gemeinfrei; BMW; Asap Gruppe; Photo by Bram Van Oost on Unsplash; Pexels; IPH; fischertechnik; Axians; Medisana/Oliver Eltinger; Vogel Communications Group; Edag