Beschaffung 4.0 in der Praxis

Mehr Tempo für die Lieferkette

| Autor / Redakteur: Michael Finkler / Redaktion IoT

Digitale Informationsflüsse in der Logistik ebnen den Weg für reibungslose Warenströme
Digitale Informationsflüsse in der Logistik ebnen den Weg für reibungslose Warenströme (www.pixabay.com)

Die Zeit läuft - auch in der Materialwirtschaft. Die Lagerbestände sollen so gering wie möglich gehalten werden und Kunden wollen die Waren immer schneller geliefert bekommen. Das klappt mit passenden IT-Lösungen, kurz gesagt: effizienter Digitalisierung und schnellen Logistikabläufen.

Der „direkte Draht“ zwischen Lieferanten, Lager-IT und ERP beschleunigt die Durchlaufzeiten im Lieferprozess. Praxisszenarien zeigen, wie die Digitalisierung für reibungslose Abläufe entlang der Supply Chain sorgt. Da die Zeitpuffer zwischen Wareneingang und Weiterverarbeitung immer kürzer werden, muss die Liefer- und Vertriebskette absolut fehlerfrei laufen. Dies erfordert einen nahtlosen Informationsfluss zwischen Hersteller und Lieferanten durch ERP-IT-Lösungen. Denn das ERP-System initiiert und steuert alle Lieferprozesse. Die Vorteile für Produzenten und Händler: zuverlässigere Terminierungen und kürzere Lieferzeiträume.

Automatische Materialbestellung für Industrie 4.0

Zur rechtzeitigen Beschaffung von Nachschub haben viele Unternehmen „Benachrichtigungssysteme“ über ihre Lagerbestände eingerichtet. Bei der rheinlandpfälzischen apra-norm ist man bereits einen Schritt weiter. Hier sorgt ein elektronisches Kanban-Regalsystem für C-Teile dafür, dass die passenden Schrauben oder Bolzen immer ausreichend zur Verfügung stehen, wenn sie für die Montage der Schaltschränke benötigt werden. Dazu stehen mehrere Dutzend Behältnisse mit den Kleinteilen in einem Regal jeweils auf einer Waage. Mit jeder Entnahme sinkt das Gewicht. Unterschreitet es eine kritische Schwelle, wird automatisch Nachschub über die ERP-Software geordert und die Bestellung automatisch beim jeweiligen Lieferanten direkt ausgelöst.

Bei Mungo, einem auf Befestigungstechnik spezialisierten Hersteller aus der Schweiz, sorgt dagegen eine vollautomatisierte und flexible Produktionsplanung dafür, dass sich immer genügend Ware im Lager befindet. Knapp 1.500 Tonnen Stahldraht verarbeitet der Schweizer Hersteller jährlich. Das Advanced Planning and Scheduling berechnet Kapazitäten und Material-Vorräte. Geht ein Bestand zur Neige, stößt das ERP-System den Bestellprozess an.

Vernetzung mit Zulieferern über Portale

A-Teile sind die kritischen Materialien für die Produktion. Deshalb teilen Produzenten ihre Planung offen mit Lieferanten und können so Lieferzeiten verkürzen. Rauch Landmaschinen zum Beispiel hat für rund 60 Lieferanten ein Web-Portal eingerichtet. Diese sehen hier nicht nur die Bestellungen, sondern direkt den Forecast der Produktionsplanung. Somit weiß ein Lieferant, ob in naher Zukunft weitere Bestellungen geplant sind, und kann auf Lager vorproduzieren. Das ermöglicht Rauch selbst bei starker Nachfrage einen raschen Abruf.

Für reibungslose Abläufe muss die Kommunikation entlang der Lieferkette in beide Richtungen funktionieren. Via EDI (Electronic Data Interchange) kann der Zulieferer beispielsweise kommende Warenlieferungen ankündigen. Neben dem voraussichtlichen Termin informiert er auch über das Transportmittel und den beauftragten Transporteur, eventuelle Abweichungen zwischen Bestell- und Liefermenge oder mögliche Gefahrstoffe. Diese Informationen werden dann im ERP-System als Lieferavis weiterverarbeitet. Zudem vereinfacht dies den späteren Wareneingang, da die Daten direkt aus diesem übernommen werden. Fehlerquellen werden so eliminiert.

Unterschiedliche Lagerstandorte sicher verwalten

Bei Hawa Sliding Solutions sind alle Hochregallager samt Lagerrechner durch das ERP-System verbunden. Sämtliche Abläufe – ob Wareneingänge, Umbuchungen oder Materialbewegungen – lassen sich somit auf einer Oberfläche abbilden. Per Auswahlfilter geben die Logistikmitarbeiter den Lagerort an und ob sie Ware ein- oder auslagern wollen. Das ERP-System leitet auch die entsprechenden Fahrbefehle an automatisiert betriebene Staplerfahrzeuge vor Ort weiter, welche die Behälter in Bewegung setzen.

Lieferanten-Logistik-Zentren (LLZ) integrieren

LLZ sind in der Regel als Konsignationslager angelegt. Sie befinden sich meist in unmittelbarer Nähe des weiterverarbeitenden Unternehmens oder sogar auf dessen Werksgelände. In einem LLZ lagern oft Teile verschiedener Zulieferer. Dies sorgt für geringe Lagerkosten für den einzelnen Lieferanten. Der weiterverarbeitende Betrieb wiederum sichert sich damit die Lieferfähigkeit bei einer Vielzahl von Zukaufteilen. Ein solches Logistik-Modell sorgt nicht nur für kurze Wege. Es gewährleistet auch eine höhere Prozesssicherheit, denn unplanbare Störfaktoren durch lange Transportwege werden vermieden. Abrufe, Lieferschein- und Transportdaten werden hier via EDI mit dem ERP-System ausgetauscht.

Diese Szenarien zeigen exemplarisch: Digitale Informationsflüsse in der Lagerlogistik ebnen den Weg für reibungslose Warenströme – und das unabhängig von Lagerort und Lagertyp. Damit hilft die Digitalisierung durch Automation den Unternehmen in Industrie und Handel, ihre Kunden schneller mit den gewünschten Produkten zu versorgen.

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