Durchstarten 2021 „Mehr ausprobieren, schneller werden, Neues wagen!“

Redakteur: Sebastian Human

Die COVID-19-Pandemie verändert den Industriealltag an vielen Stellen. Über die Auswirkungen der Krise und die Chance auf eine Rückkehr zu einer Art Normalzustand haben wir uns mit Thorsten Krüger von Workerbase unterhalten.

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Thorsten Krüger ist einer der Gründer von Workerbase, einem Anbieter einer digitalen Plattform zur Visualisierung und Optimierung industrieller Fertigungsprozesse.
Thorsten Krüger ist einer der Gründer von Workerbase, einem Anbieter einer digitalen Plattform zur Visualisierung und Optimierung industrieller Fertigungsprozesse.
(Bild: Vogel Communications Group/Workerbase)

Herr Krüger, bitte beschreiben Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen.

Die Stimmung ist gut, aber auch ambivalent: die täglichen Corona Nachrichten beeinträchtigen die Stimmung schon. Das geht an keinem einfach so vorbei.

Gleichzeitig sehen wir, dass sich das Geschäft gut entwickelt. Viele Unternehmen setzen jetzt zunehmend auf Digitalisierung. Vor allem die letzten Wochen mit vielen guten Gesprächen bei Kunden und potenziellen Neukunden zeigen, dass die Menschen sich aus der Lockdown-Schockstarre lösen und jetzt wieder zu einem normalen Leben zurückkommen möchten. Es werden neue Dinge angestoßen. Natürlich ist die Situation für viele Menschen nach wie vor eine riesige Herausforderung. Aber wir sehen, dass sich etwas bewegt. Und das ist gut so.

Welche Probleme/Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

In Q2 und Q3 sind fast alle Unternehmen auf die Investitionsbremse getreten. Intern haben wir uns zu dieser Zeit auf unsere Kernkunden fokussiert und Ressourcen auf die Entwicklung neuer Softwarefunktionen verlagert. Zum Ende des Jahres hat sich die Situation verbessert und der Jahresstart 2021 ist vielversprechend!

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Die größte Änderung ist, dass wir unsere Kunden viel weniger vor Ort sehen und Gespräche derzeit nahezu ausschließlich über Videokonferenzen führen. Wie so viele hatten wir anfangs Bedenken, ob das funktionieren wird. Das persönliche Gespräch, gerade bei einem ersten Treffen, ebnet den Weg für eine gute zukünftige Zusammenarbeit. Es ist hart, wenn das wegfallen muss. Mittlerweile haben wir gute Wege gefunden, unsere Software rein virtuell zu zeigen. Und da sind Videokonferenzen nur ein Baustein. Wir bieten zum Beispiel auch erweiterte Testmöglichkeiten für unsere Software an, so dass potentielle Kunden sich ein Bild vom Leistungsumfang unserer Lösung machen können.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Ja, es wird einen neuen Normalzustand geben. Dazu gehört aus unserer Sicht, dass Produktionsprozesse in Fabriken viel flexibler gestaltet werden. Es ist zum Beispiel wichtig, dass Unternehmen noch schneller auf sich ändernde Kundennachfragen reagieren können. Ein anderes Beispiel: der Lockdown hat gezeigt, wie wichtig eine stabile Supply Chain ist. Schwankungen in der Materialbeschaffung sollten im besten Fall keinen nachhaltigen Effekt auf die Auslastung in der Produktion haben. Und das erfordert eine hohe Flexibilität der Produktion. Wir sind der Meinung, dass sich flexible Produktionsmethoden nur mit digitalen Technologien sinnvoll umsetzen lassen. Wenn man das mit Schlagworten zusammenfassen will, dann lautet die Erfolgsformel für die Zukunft “Lean production + Digitalisierung = Agile Produktion”.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Der größte Lerneffekt war für mich, wie schnell die Welt sich ändern kann, wenn es zum Wandel keine Alternative gibt. Ich hätte nie damit gerechnet, in welchem Tempo die Arbeit aus dem Home-Office für viele Menschen organisiert wurde. Es gibt hier wie immer Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen hat es mich überrascht, wie schnell und großflächig Heimarbeit eingeführt wurde.

Es hat sich gezeigt, dass flexible Arbeitskonzepte für Menschen, die in Büros arbeiten, möglich sind und vor allem auch in hoher Geschwindigkeit umgesetzt werden können. Die große Frage für die Zukunft ist: wie kann flexible Arbeit für Menschen organisiert werden, für die Home-Office keine Option ist. Die Ärztin im Krankenhaus, der Mitarbeiter im Supermarkt, die Menschen in der Fabrik - hier braucht es neue Konzepte für die Arbeit in der Zukunft. Wir sind bereit, diesen Wandel mit zu gestalten. Mit unserer Lösung lässt sich Arbeit neu und anders organisieren.

Welche Rolle können IoT-Technologien in diesem Kontext spielen?

Wir leben in einem digitalisierten Zeitalter und da spielt Technologie eine zentrale Rolle für die Zukunft der Arbeit. Ich persönlich glaube aber nicht an das Konzept der “lights out factory”, die vollkommen ohne den Menschen auskommen wird. Der Mensch wird immer eine Rolle in der industriellen Produktion spielen. Aber natürlich wird sich die Art der Arbeit weiterhin ändern. Bestimmte Tätigkeiten werden wegfallen, neue Tätigkeiten werden hinzukommen. Wir sehen schon heute, dass zum Beispiel Staplerfahrer durch selbstfahrende Transportfahrzeuge ersetzt werden. Aber natürlich braucht es dann Menschen, die diese Fahrzeuge konfigurieren, warten und instand setzen. Ich glaube, dass Menschen und Maschinen in einer Fabrik in einem digitalen Ökosystem miteinander verbunden sein werden und flexibel aufeinander reagieren, wenn bestimmte Bedingungen eintreten. Und die wesentlichen Bausteine für solch ein digitales Ökosystem sind IoT-Technologien, aber auch Künstliche Intelligenz und Smart Data.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der COVID-19-Krise mitnehmen?

Wir waren als Unternehmen schon vor Corona sehr flexibel organisiert. Die Einführung von Heimarbeit lief daher problemlos. Um im Home-Office nicht komplett einzurosten, habe ich mir aber eine regelmäßige Bewegungspause angewöhnt. Einmal am Tag gehe ich raus und mache einen kurzen Spaziergang. Das wirkt Wunder gegen Stress und ich komme ganz automatisch auf neue Ideen. Tägliche Bewegung an der frischen Luft, das werde ich beibehalten.

Bremst die Pandemie die Entwicklung hin zur Industrie 4.0, oder fördert die Krise diese eher?

Wir sehen COVID als Beschleuniger des Wandels. iele Unternehmen haben verstanden, dass sie ohne tiefgreifende Veränderungen und Digitalisierung keinen nachhaltigen Erfolg in einer Post-COVID Welt haben können.

Welchen Herausforderungen abseits der COVID-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Als schnell wachsendes Technologieunternehmen geht es uns wie vielen anderen Unternehmen in der Branche: die Suche nach kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist eine Herausforderung.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Ich habe das Glück, dass ich in einem sehr kompetentem Team an sehr spannenden Themen arbeiten darf. Täglich suchen mein Team und ich nach Antworten auf spannende Fragen: Wie kann durch Technologie Produktionsarbeit flexibler gestaltet werden? Wie muss die Arbeit der Zukunft organisiert sein, damit Menschen effizient daran teilhaben können? Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Die Antworten gehen oft weit über technologische Fragestellungen hinaus und haben gesellschaftliche Relevanz. Das ist sinnstiftend. Wir suchen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die so etwas motiviert. Leute, die über den Tellerrand hinausdenken und die den Wandel und die Zukunft der Arbeit mitgestalten wollen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Ich habe gestern mit dem Digitalisierungsverantwortlichen eines Lebensmittelkonzerns gesprochen. Er sagte mir, dass in seinem Unternehmen nur noch wenig Lasten- und Pflichtenhefte geschrieben werden und stattdessen neue Technologien in kurzen Projekten pilotiert werden. Ich finde, das ist der richtige Ansatz. Ich wünsche mir, dass mehr Unternehmen diesem Beispiel folgen: mehr ausprobieren, schneller werden, Neues wagen!

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(Bildquelle: VCG)

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