Anwender, Normenexperte und System-Entwickler im Gespräch

Maschinensicherheit & Industrie 4.0: Diskussion am runden Tisch

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Vorbild Pharmaindustrie

Frank Jablonski, Chefredakteur des bei Vogel Business Media erscheinenden Fachmagazins MM Maschinenmarkt, sieht hierfür aber Lösungen, die bereits in anderen Industriebereichen praktiziert werden: „In der Pharmaindustrie ist es zum Beispiel gang und gäbe, dass strenge Zugangskontrollen durchgeführt werden und Änderungen an den Anlagen nur nach einer Authentifizierung möglich sind. Diese Systematiken existieren also bereits.“

„Doch gerade im Zusammenhang mit Industrie 4.0 wird es auch um den Einfluss der Security auf die Safety gehen“, betont Dr. Steiger. Denn bei vernetzten Systemen kann es neue Einflussgrößen auf die Gefährdung geben. Dazu Matthias Wolbert, Abteilungsleiter Vertrieb und Marketing bei NewTec: „Bisher gilt: So wie eine Anlage geplant ist, wird sie abgenommen und in Betrieb genommen. Bei der Industrie 4.0 sprechen wir aber von sich selbst rekonfigurierenden Anlagen, die sich bedarfsgerecht neu organisieren. Das erfordert einen kompletten Umdenkungsprozess, auch im Dienstleistungssektor und bei den Komponentenherstellern.“ NewTec ist ein Entwicklungs- und Beratungshaus und beschäftigt sich intensiv sowohl mit Lösungen für die Funktionale Sicherheit wie auch für die Security. „Jede einzelne Komponente muss zukünftig für sich gesehen sabotagesicher und zugriffssicher sein.“ Das gelte nicht nur für Industrie 4.0 Anwendungen, wie Frank Jablonski betont: „Wir haben heute zahlreiche offene SPS installiert in Unternehmen, die gar nicht in Industrie 4.0 denken. Denen ist oft gar nicht bewusst, dass sie damit eine offene Datentür im Betrieb haben.“

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Security-Bewusstsein fehlt teilweise noch

Die Hersteller von Automatisierungstechnik haben bereits auf die neue Bedrohungslage reagiert, wie Wangelis Porikis betont, Sales Support PLC bei ABB Automation Products: „Wir haben einen hohen Aufwand betrieben, um unsere SPS gegen Hackerangriffe zu sichern. Allerdings ist die Resonanz bei den Kunden eher bescheiden. Viele scheinen die Gefahr einfach nicht zu sehen.“ Das bestätigt auch Matthias Wolbert: „Viele Maschinenbauer, die wir kennen, gehen von einem Sunny Day Szenario aus – sie meinen, ihre Anlage ist eine Einzellösung und halten es für unwahrscheinlich, dass sie angegriffen wird.“

Allerdings mahnt Dr. Steiger, nicht zu komplexe Systeme zum Schutz von Maschinen zu entwerfen: „Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Im Maschinenbau stehen oftmals nicht die finanziellen und personellen Mittel zur Verfügung wie in der Prozessindustrie, um Funktionale Sicherheit mit aufwändigen Methoden zu realisieren. Es werden daher Ansätze benötigt, die zum Beispiel auch für den Sondermaschinenbau handhabbar sind. Die bisherigen Normen zur Funktionalen Sicherheit bieten das nach meiner Auffassung so nicht.“

Keine Änderungen an ISO 12100 erforderlich

Allerdings hält er es nicht für notwendig, die „Über-Norm“ ISO 12100 dafür zu ändern: „Denn mit der Vernetzung entstehen ja keine neuen Gefährdungen, sondern nur neue Phänomene, die zu einer Gefährdung führen können. Diese neuen Trigger muss man in der Normung jetzt auch mit ansprechen, wobei ich da eher die Normen im Fokus sehen, die Komponenten beschreiben“, so Dr. Steiger. Sven Glöckler ergänzt: “Fakt ist, das es derzeit keine harmonisierte Norm nach Maschinenrichtlinie gibt, die einen Security Level beschreibt. Der Arbeitskreis IEC/TC 44 ist jedoch dabei, eine entsprechende Technische Spezifikation zu erarbeiten, darin sollen dann ergänzend zu der IEC 62061 und ISO 13849 zum Thema Security mehr Informationen enthalten sein. Die Arbeit dazu wurde aber erst begonnen.“

Allerdings betont Matthias Wolbert, dass Funktionale Sicherheit nicht nur realisiert werden sollte, um eine Norm zu erfüllen. „Dass es dabei immer um den Menschen geht, wird leider oftmals vergessen. Es wird nur noch die Norm befriedigt und nicht mit einem wachen Auge geschaut, was tatsächlich nötig ist.“

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